Freitag, 12. Dezember 2025

Sentimental Value (Joachim Trier, 2025)

 


Bei Gunnar waren vor Ort Ute, Andreas und Lisa und als Gäste Mare, Bimini, Stefan und Maren Borgerding. Von fern haben Tilmann und Jö mitgeguckt, aber beide haben abgebrochen, drum gab’s keine Telko danach.

Den norwegischen Regisseur Joachim Trier kennen manche von uns aus dem Kino seit seinem tollen Erstling Reprise von 2006. Im VC hat Rene zu seinem Einstand Louder Than Bombs (2015) gezeigt. Und vor vier Jahren gab’s bei mir gab's wieder bei Rene The Worst Person in the World (2021). Geschrieben hat Trier alle Drehbücher zu seinen Filmen zusammen mit Eskil Vogt, der ebenfalls manchmal Regie führt: Seinen Film Blind (2015), der bei mir in starker Erinnerung geblieben ist, haben wir dank Rene auch im VC gesehen. Von Vogts The Innocents (2021) mit seinen creepy Kids in so einer Art norwegischer Lenzsiedlung waren wir im VC auch mehrheitlich sehr angetan. Lisa hat ihn in der Fichtestraße am 11.7.25 gezeigt.

Wenn ich nicht andere Filme von Trier kennen würde und ich nur zwei Sätze zum Inhalt von Sentimental Value gelesen hätte, dann hätte ich einen Bogen drumrum gemacht. Es geht um zwei Schwestern, deren alternder Vater ein bekannter Filmregisseur ist, der versucht, sich über seine Arbeit den entfremdeten Töchtern wieder anzunähern.

Bei Trier ist das ein fesselndes Stück Kino geworden, finde ich: Großartig geschrieben, gespielt (in den Hauptrollen: Renate „Worst Person“ Reinsve und Inga Ibsdotter Lilleaas als Töchter und Stellan Skarsgård als Vater) und gefilmt.

Ich war völlig gebannt von der Anfangsszene, die Lampenfieber so anschaulich und nachvollziehbar beschreibt, dass ich unwillkürlich rausplatzte, wie froh ich sei, kein Schauspieler zu sein. Ich fand die Idee, zwischendurch immer mal wieder ein Haus erzählen zu lassen (und die Herleitung: ein Schulaufsatz aus der Kindheit der Reinsve-Figur) toll. Ich habe noch nie im Film so anschaulich vorgeführt bekommen, wie widerlich Mansplaining sein kann, wie in den Szenen mit Skarsgård, wenn er seinen Töchtern erklärt, was sie für Menschen seien und sie unterbricht, wenn sie ihm widersprechen. Ich war fasziniert von der genauen Beschreibung des Verhältnisses zwischen den Schwestern und habe gestaunt darüber, wie die entscheidensten Dinge visuell erzählt werden, obwohl sehr viel geredet wird. Ich war gerührt von der Wiederannäherung der beiden. Toll fand ich auch die geschickt eingebauten Film-im-Film und Theater-im-Film-Szenen. Erstaunlich finde ich, wie glaubwürdig die Figuren sind, die nicht wie im herkömmlichen Drehbuch von der Stange auf den Grundkonflikt reduziert werden, sondern vielschichtig angelegt sind. Auch Kotzbrocken Skarsgård ist nicht nur Kotzbrocken. (Zum Beispiel in der wunderbaren Kennenlern-Szene mit Hollywood-Star Elle Fanning, die sich ungefähr selbst spielt, am nächtlichen Strand von Cannes.)

Nach dem Film (und auch schon während des Films) wurde viel über alle möglichen Aspekte diskutiert – zu viel, um das hier wiederzugeben. Die meisten von uns fanden Sentimental Value jedenfalls gut, glaube ich. Bis auf Stefan, der sich eher gelangweilt zeigte und nur die Kapiteltrennungen mit sekundenlangem Schwarzfilm lobend erwähnte. An klare Daumen-hoch bzw. Daumen-runter-Aussagen kann ich mich ansonsten nicht erinnern. Vielleicht ergänzt ihr ja noch etwas in den Kommentaren.

Für mich ist das – neben P. T. Andersons One Battle After Another – der Film des Jahres. (Bugonia von Yorgos Lanthimos habe ich noch nicht gesehen.)

Die Filmmusik hat übrigens die Komponistin und Pianistin Hania Rani geschrieben und eingespielt.

Und es gab diese zwei sehr schönen Songs im Soundtrack zu hören:




 

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

„The Innocent“ war doch ein VC-Film, oder? Hat laut Telegram-Aufzeichnungen Lisa gezeigt, am 11. Juli 2025 wohl. (Silke)

Anonym hat gesagt…

Ich wollte am Freitag spätabends nur mal reinschauen in den Film, blieb dann aber hängen, weil er mich so fesselte. Ich fand nicht nur die Musik toll, auch alle Schauspieler und insbesondere die Ausstattung – inklusive Louisiana-Poster zu einer Picasso-Ausstellung von 1981 in der Küche des Hauses im Jahr 2025 nach der Trauerfeier für die Mutter. War doch gerade kürzlich … Waaas – schon über 40 Jahre her?, würde die Mutter sagen. Ich habe diesen Sommer selbst ein Louisiana-Poster aufgehängt, Jawlensy 2025. Zum Glück ist der Vater am Ende nicht gestorben. Danke, Drehbuch. (Silke)
Danke für den schönen Blogeintrag!

Gunnar hat gesagt…

Stimmt, The Innocents gab's im VC. Hab' ich korrigiert, danke. Schön, dass du mitgeguckt hast!