Donnerstag, 8. Juni 2017

Louder Than Bombs (NOR 2015, Joachim Trier)

Gastgeberpremiere für Rene. Auf dem Sofa nahmen Platz: Andreas, Gunnar, Silke und Sven.

Ausgewählt hatte ich den Film von Joachim Trier wegen seines außerordentlichen Debüts "Reprise", und ich wollte sehen, ob er diese Qualität in seinen neuen Werken halten kann. An seinen Erstling reicht dieses Werk leider nicht heran, aber schlecht ist dieser Film nicht.

Die grobe Handlung beschreibt das schwierige Unterfangen, dem jüngsten Sohn (Devin Druid) mitzuteilen, dass der Tod seiner Mutter, der erfolgreichen Kriegsfotografin Isabelle (Huppert), kein Unfall, sondern Selbstmord war.
Zum dreijährigen Todestag will nun ein Journalist die Wahrheit der Todesursache ans Licht bringen. Der Vater (Gabriel Byrne), der dem damals 12-jährigen Sohn die Wahrheit verschwiegen hat, hat mittlerweile jeglichen Zugang zu dem stillen Einzelgänger verloren, und auch der große Bruder (Jesse Eisenberg) schafft es nicht, seine eigenen Konflikte zu überwinden und dem Bruder die Wahrheit zu sagen.

In teilweisen schönen Bildern zeigt dieser sehr ruhige Film, wie schwer und kompliziert es sein kann zu kommunizieren. Dabei tragen die ungesagten Worte mehr zur Handlung bei als die gesagten. Der große Nachteil dieses Films sind, meiner Meinung nach, die unzähligen Handlungsstränge, die angerissen werden, aber nicht ausführlich behandelt werden können. Der Vater und sein angespanntes Verhältnis zu seinem Sohn, die Beziehung des Vaters zur Lehrerin des Sohnes, die scheinbar überfordernde Beziehung und Vaterschaft des ältesten Bruders, der Todestag und die Nachlassverwaltung der Mutter, die Verliebheit des jüngsten Sohnes zu seiner Mitschülerin. Weniger wäre hier wahrscheinlich mehr gewesen. Alles in allem aber ein guter Film, der zu einer langen Diskussion geführt hat.

3 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Eine treffende Beschreibung des Films und seiner Probleme. Jesse Eisenberg, den Darsteller des älteren Bruders, haben wir, wie schon am Filmabend festgestellt, vor nicht allzu langer Zeit in dem Kelly-Reichardt-Streifen "Night Moves" gesehen, die große Isabelle Huppert dagegen bizarrerweise bislang nur in ihrer Rolle als blutjunges – man muss es so sagen: – Betthupferl in dem Bertrand-Blier-Machwerk "Les Valseuses" ("Die Ausgebufften"), vor 18 Jahren oder so.

Gunnar hat gesagt…

Hhm, kein Film mit Huppert? Haben wir keinen der Hanekefilme mit ihr im VC gesehen? Oder Chabrols "Biester"? Aber "Amateur" von Hal Hartley war sicher ein VC-Film!

Andreas hat gesagt…

I stand corrected! "Amateur" hatte ich nicht drauf, da war ich wohl abwesend. Von Haneke haben wir m. W. nur ein eher obskures Werk namens "Code inconnu" gesehen. In dem spielt aber nicht Huppert, sondern Deine Lieblingsschauspielerin die Hauptrolle.