Ich war ziemlich aufgeregt, als sich vorgestern abzeichnete, dass der VC-Staffelstab an mich gehen würde, weil Tilmann und Silke very busy sind, Gunnar gestern den neuen Joachim Trier "organiseren" konnte und ich schon einiges Gutes dadrüber gelesen hatte. Also gab es heute keine Filme über Stoke City, Nachrufe auf Bogdanovich oder Sidney Poitier.
"The Worst Person in the Wold" der letzte Teil der Oslo Triologie nach "Reprise" und "Oslo, 31 August" und mit Triers "Louder than Bombs" hatte ich auch meinen ersten Beitrag im VC gezeigt - fast 5 Jahre ist das her - also MUSSTE ich diesen Film zeigen.
Dabei waren: Maren & Gunnar, ABo, Sven, Miriam, Larissa & Alex, Jö & Claudia, Andreas und Silke. Tilmann wollte es versuchen - hat es aber leider nicht geschafft - also fast Komplettbesetzung.
Der Film dreht sich um die junge Julie, die irgendwie noch nicht weiß, was sie genau machen will und wie ihr Leben aussehen soll, sie lernt Aksel kennen, zieht bei ihm ein und es beginnen die üblichen Dinge einer Beziehung. Nach einiger Zeit lernt sie Eivind kennen, verliebt sich in ihn und zieht bei Aksel aus und mit dem neuen Mann zusammen. Aksel erkrankt an Krebs. Julie und er treffen sich noch einige Male vor seinem Tod und danach geht das Leben für Julie weiter, aber etwas anders als vorher.
Das hört sich nicht besonders spannend und neu an aber uns allen hat es gefallen - nur nicht Sven, dem war es zu uninteressant. Waren es früher Luxus-Probleme von Luxus-Leuten, war es hier eher Kenn-Ich-Probleme von Kenn-Ich-Leuten. Andreas empfand die Story auch eher banal, konnte sich aber an einigen Szenen erfreuen. Alle anderen waren aber sehr, sehr angetan, auch wenn es nicht alle, nach über 2 Stunden, in die Abschluss-Telko geschafft haben, um es dort kund zu tun.
Der Film trägt den Untertitel "Julie (in 12 Kapiteln mit Pro- und Epilog)" und so werden einzelne Abschnitte aus ihrem Leben in diesen Kapiteln mit verschiedenen Stilmitteln dargestellt, was einen besondern Reiz bei dieser schon eher alltäglich Geschichte hat. Mich haben besonders die Kleinigkeiten begeistert, die der Story soviel an Informationen hinzugefügt haben. So zum Beispiel Julies dreißigster Geburtstag, wo über Ihre Geschichte "Oralsex in Zeiten von #MeToo" gesprochen wird und fran in wenigen Sekunden erfährt, dass ihre Mutter, Großmutter, Ur-Großmutter mit 30 schon ganz andere Dinge erlebt haben, bis hin zur Ur-Ur.Ur-Ur-Großmutter, die nie 30 wurde, zu einer Zeit als die Lebenserwartung von Frauen bei maximal 35 lag.
Solche kleinen Dinge machen den Film in meinen Augen ganz groß, so wie die Dialoge mit Aksel kurz vor seinem Tod oder der Besuch bei Julies Vater.
Herausragend sind hier natürlich die schauspielerischen Leistungen der Darsteller (Renate Reinsve erhielt für ihre "Julie" in Cannes die Auszeichnung "bester Darstellerin"), die Dialoge, die Kamera, das Drehbuch und die Umsetzung davon und die Filmmusik.
Genau wie in "Reprise" gab es Rückblenden, Trickfilm-Einblendungen, harte Cuts, Zeitlupen, etc. das niemals Langeweile oder Monotonie aufkommt in dieser ach so "normalen" Geschichte mit Überlänge.
Die Abschluss-Telko war danach dann auch noch ein Highlight, denn die Diskussion über den Film hat noch einiges deutlicher gemacht, was so faszinierend war, auch die Argumente von Sven und Andreas hab ich nachvollziehen können ohne das es meine Faszination für den Film gemindert hat.
Am Ende war ich voll zufrieden und glücklich trotz der Gewissheit, dass wir uns unaufhaltsam auf die Andromeda-Galaxie zubewegen und alles in einer großen Katastrophe enden wird.
5 Kommentare:
Ganz toll, in jeder Hinsicht. Was für ein Start ins neue VC-Jahr bislang.
Gestartet sind wir aber mit dem tollen "Dear, Comrades" von Sven!
Da kommt bestimmt bald auch der Blog-Eintrag, wenn Sven nicht doch noch der "schlechtesten Person der Welt" verfällt.
Endlich mal wieder ein absolutes Filmhighlight für mich - danke, René! Tilmann hat übrigens leider nicht mitgeguckt, und der zweite Freund hieß Eivind, nicht Elvin.
Dear Comrades war auch schon toll, fand ich. Darum "bislang".
Hier ein sehr schöner Kommentar bei Letterboxd. Und noch einer.
Danke für den Hinweis, Text ist korrigiert. Kann mich gar nicht mehr erinnern, welcher meiner Filme, Dich so aus dem Häuschen gebracht hat... Patrick und Jin waren es nicht.
Kommentar veröffentlichen