Als letzter VC-Film vor Weihnachten, bzw. ja sogar 2026 schien mir eine Komödie genau richtig. Andreas schaute mit Verspätung und „großem Vergnügen“ mit, obwohl er den Film kannte; mit Sven lachte Carmen, und bei mir vergnügte sich Kaori mit. Tilmann schaltete sich zur Spättelko dazu. Worüber wurde viel gelacht und worüber gemeckert?
Spinal Tap sind eine englische Hard-Rock-Band, die auf Comebacktour durch die USA gehen. Sie besteht aus den Schulfreunden Nigel Tufnel und David St. Hubbins, dem Bassisten Derek Smalls, Keyboarder Viv Savage und ständig wechselnden Schlagzeugern. Zu Beginn füllen sie die Häuser mit begeistertem Publikum, aber je länger der Film dauert, desto weniger Besucher kommen; Konzerte werden abgesagt; es kommt zum Streit mit dem Manager; die Freundin des einen Bandmitglieds – Jeanine – wird Managerin; die Band tritt auf Privat-Veranstaltungen auf; ein Schulfreund verlässt die Band, die noch tiefer sinkt; bis schließlich jenes verlorengegangene Bandmitglied wieder kommt, mitspielt, alles wird wie früher; Ende. Die Band wird wohl Big in Japan.
Dabei werden alle Klischees durchgekaut, die es zur Rockmusik der 1970er Jahre gibt und mit trockener Selbstverständlichkeit. Angefangen mit den Sweet-artigen Haaren; Deep-Purple-Bärten; Musik, die ein Spektrum von Glam, über Hard und Prog abbildet und schließlich die Träume „mal mit einem Symphonieorchester“ was zu machen, nicht auslässt. Jon Lord, von Deep Purple, schrieb 1973 ein Stück für Rockband und Symphonieorchester – also alles im Kontext. Natürlich auch das Musikerleben On-the-road lebt von den Klischees – die Freundin, die endlich dazustößt und viel Esoterisches redet; der arrogante Kollege, dem man im Hotel begegnet; der peinliche Sexismus auf Plattencovern. Und noch viel mehr: der Film ist voller Details, die nicht nacherzählt sein wollen. Oder doch? Die Schlagzeuger – Running Gag – verschwinden regelmäßig auf spektakuläre Weise. Die Frühphase der Band wird als S/W-farbener TV-Auftritt eingespielt. Die Stonehenge-Themenbühne scheitert an den Maßen. Und so weiter. Sehr komisch das Ganze, wollte ich nochmal erwähnen.
Aber neben der Satire über eine Rockband ist dies auch eine Satire über Dokumentarfilm. Rob Reiner spielt den Filmemacher Martin "Marty" Di Bergi, der diese Band schon als Kind liebte und sich wahnsinnig darüber freut, mit ihnen auf Tour gehen zu dürfen. Seine Fragen, liebevoll in Verehrung gestellt, stoßen auf stumpfe Antworten. Er aber macht unbeirrt weiter und verliert seinen Glauben an die Sache – also die Band – nicht.
Das ist alles sehr überzeugend gemacht, wunderbar. Ich fühlte mich an The Rutles in „All You Need Is Cash“ (1978) erinnert, den ich mal bei Gunnar gesehen habe, vielleicht sogar auch bei einem Videoclub ?
Aber zurück zum Film. Neben der Band aus dem oben erwähnten Christopher Guest (Nigel Tufnel), den Comedians Michael John McKean (David St. Hubbins), Harry Shearer (Derek Smalls) und David Kaff (Viv Savage) spielt June Chadwick Davids Freundin Jeanine. Dazu gab es einen Kurzauftritt von „The Avengers“ Patrick Macnee (John Steed) als Musikbusiness-Exec Sir Denis Eton-Hogg.
Bei Wikipedia wird noch ein Kurzfilm „Spinal Tap: The final tour“ (1998) in der Filmografie von Michael John McKean gelistet – dies ist eine Demo-Version für den Film, mit gleichen und alternativen Szenen, weiß imdb. Und im letzten Film von Rob Reiner, 2025 gedreht, geht es wieder um Spinal Tap: „Spinal Tap II: The End Continues“. Die Band ist dabei, auch Jeanine, und ein neuer Schlagzeuger nehme ich an.
Ach so. Ich habe gar nicht übers Meckern geschrieben. Dazu habe ich jetzt keine Lust mehr.
Jö

6 Kommentare:
Danke für Film, Blog-Post und dessen tolle Schlusspointe!
Anonym, das bin in diesem Falle ich, Andreas. Es war wohl mal wieder eine Anmeldung fällig.
Ich packe Reiners letzten Film "Spinal Tap II – The End Continues" in die Mediathek. Unter anderem spielen Paul McCartney, Elton John und Questlove mit.
Habt ihr gemerkt, dass der Sänger von Spinal Tap niemand anderes ist als Chuck "Aluhut" McGill, der Bruder von Jimmy in "Better Call Saul"?
Nö. Genauso wenig wie wahrscheinlich irgendwem aufgefallen ist, dass die Stimme des Bassisten (der allerdings auch nur wenig Dialog hat) einem aus den "Simpsons" hätte bekannt vorkommen können. Harry Shearer spricht u. a. Mr. Burns, Smithers, Ned Flanders, Principal Skinner und Kent Brockman!
Habe letztens "Spinal Tap II" geguckt. Erstaunlich gut, kann ich Freunden des ersten Teils empfehlen.
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