In kleiner Runde (Miriam, Sven und Gastgeber Andreas) gab es mit "Schmutziger Lorbeer" (so der schöne deutsche Titel) einen Film übers Boxgeschäft zu sehen, der letzteres mal wieder ganz schön schlecht aussehen lässt. Die Handlung: Ein Journalist in einer finanziellen Krise lässt sich vom kriminellen Boss eines Boxsyndikats dazu überreden, für viel Geld als Presseagent an einem großen Betrugsgeschäft mitzuwirken. Es soll nämlich ein körperlich riesiger, aber boxtechnisch untalentierter Kämpfer durch getürkte Kämpfe (und eben gefällige Presseartikel) zum Herausforderer des amtierenden Schwergewichtsweltmeisters aufgebaut werden.
Die Story überzeugt nicht so recht; zu offensichtlich ist der Betrug, als dass man glauben könnte, dass die Gangster damit durchkommen. Aber die Mängel des Drehbuchs machen in meinen Augen die straffe, mitreißende Inszenierung und vor allem die schauspielerischen Leistungen mehr als wett. Humphrey Bogart macht in der Rolle des korrupten Journalisten Eddie Willis das, was er am besten kann: Er spielt einen harten Zyniker, der dann im entscheidenden Moment doch das Richtige tut. Dass er das hier mal wieder sehr gut macht, ist nicht selbstverständlich, war doch die Rolle in "The Harder They Fall" seine letzte – ein halbes Jahr nach der Premiere des Films, am 14. Januar 1957, ist er an Speiseröhrenkrebs verstorben.
Noch stärker ist allerdings Rod Steiger als Gangsterboss Nick Benko, den er als realen Menschen mit Gefühlen porträtiert, ohne dem Charakter auch nur ein bisschen von seiner monströsen Bösartigkeit zu nehmen. Eine schaupielerische Meisterleistung, wenn Ihr mich fragt.
Sehr gut gefallen hat mir auch die Darstellerin der einzige Frauenrolle von Bedeutung. Die mir bis dato unbekannte Jan Sterling spielt Eddies Frau, die das böse Spiel durchschaut und Eddie wegen seiner Mitwirkung daran verlässt, vollkommen nüchtern und ohne jede handelsübliche Dramatik.
Mike Lane als tapsiger Boxriese Toto Moreno war eigentlich auch nicht schlecht, aber seine Rolle krankt am meisten von allen an den oben erwähnten Drehbuchschwächen. Dass Toto ernsthaft glaubt, dass er ein Top-Boxer ist, ist einfach nicht überzeugend.
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| Eddie hat halt doch ein gutes Herz: Am Ende gibt er dem um sein Geld betrogenen Toto sein eigenes Honorar |
Sehr überzeugend dagegen Max Baer als Heavyweight-Champion Buddy Brannen, der Toto in seinem letzten Kampf schlimm zurichtet. Dass Baer das so lebensnah rüberbringen konnte, liegt vor allem daran, dass er als Ex-Boxer einfach seine eigene Geschichte reproduzieren konnte, die dem Drehbuch von "The Harder They Come" zugrunde lag. Mehr zu seiner bemerkenswerten Vita hier. Ich wollte eigentlich ein Foto aus einem der realen Kämpfe posten, auf die der Film anspielt, aber dann bin ich über dieses schöne Video gestolpert, in dem der Jude Baer den NS-Repräsentanten Max Schmeling 1933 nach allen Regeln der Kunst vermöbelt:
Lobend zu erwähnen wären schließlich noch die ziemlich realistisch wirkenden, stark gefilmten Boxszenen und die Eingangssequenz, die das Herz eines jeden New-York-Freundes aufgehen lässt.
Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen, und den anderen beiden wohl auch.
Wäre noch die übliche Frage zu klären, welche der Mitwirkenden wir schon im Videoclub gesehen haben. Bogart tauchte meines Wissens bislang nur einmal auf, und zwar im Dezember 2006 in dem Film "In a Lonely Place", gezeigt von Angela, mit Stefan, Silke, Eva, Stephan und meiner Wenigkeit als Gästen. Ganz guter Film, wenn ich mich recht erinnere.
Rod Steiger durfte mit "Harder" überraschenderweise sogar seine Premiere im VC feiern, wenn ich nicht irgendetwas übersehen habe. Nicht sicher bin ich mir bei Jan Sterling bzw. bei der Frage, ob wir den Billy-Wilder-Film "Ace in the Hole" bzw. "Reporter des Satans" mal im VC geguckt haben. Ich meine ja - kann sich jemand daran erinnern? Jedenfalls spielt sie da mit.
Erstaunlich finde ich, dass Regisseur Mark Robson ansonsten kaum etwas Bekanntes gemacht hat. Der einzige andere Film von ihm, den ich kenne, hat mit "The Harder They Fall" herzlich wenig zu tun: Es handelt sich um den von mir heiß geliebten Streifen "Earthquake"/"Erdbeben", den zweifelsohne besten unter den Katastrophenfilmen der Siebziger.
So, und wer nach diesem Sermon immer noch mehr über "The Harder They Fall" wissen möchte, kann diese interessante Rezension lesen: https://www.theaceblackblog.com/2016/03/movie-review-harder-they-fall-1956.html



3 Kommentare:
Unglaublich, dass Totos Darsteller Max Baer tatsächlich ein Boxer war und immerhin einer, der Max Schmeling (1933!) besiegt konnte. Bemerkentswert, dass ein Boxer einen so schlechten Boxer spielen kann.
Nein, nein, Max Baer hat den Champion gespielt, Buddy Brannen, der Toto im letzten Kampf so gnadenlos auseinandernimmt!
Danke für den umfassenden Sermon!
Wer isr "Anonym"? Und warum?
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