Donnerstag, 21. Februar 2019

Accattone (Pier Paolo Pasolini, Italien 1961)

Bei Gunnar. Mit Maren, Ute, Rene, Miriam, Sven und Silke.
Wir sind zurück bei den Italienern – heute: Pasolinis Debüt. Schwarzweiß.
Anständiges Sozialdrama ohne Hoffnungsglanz am Horizont: Der Tod aus dem Elend als Erlösung am Ende.

Dies nur als vorläufiger Platzhalter zwecks Vollständigkeit bis zum Ersatz durch den Gastgeber. (sl 2.4.2019)

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Ein Klassiker, der ganz anders daher kommt als die leichtfüßigen und meist bös endenden Komödien aus derselben Zeit, die oft in ähnlichem Milieu spielen. Kein Witz nirgends, dafür Bachs Matthäus-Passion als musikalische Untermalung, Laiendarsteller, eine harsche, grobe, kontrastreiche Bildsprache und ein erbarmungsloser Blick auf die elenden Gestalten aus der slumähnlichen Vorstadt Roms. Alle sind kriminell und niemand ist sympathisch, das hat einigen von uns überhaupt nicht gefallen. Die Mehrheit fand's zumindest interessant, wenn ich mich richtig erinnere, aber einen neuen Lieblingsfilm hat sicher keiner an diesem Abend entdeckt.

Im Entstehungsjahr wurde der Vertrieb des Films in Italien wegen Blasphemie verboten. Heute urteilt das katholische Filmlexikon: "Die Geschichte eines Jungen in einem römischen Vorstadtviertel, der sich als Zuhälter betätigt, zum Dieb wird und bei der Verfolgung durch die Polizei verunglückt. Ein Meisterwerk des italienischen Films, das durch die Aufrichtigkeit der gesellschaftlichen Beobachtung überzeugt. Die naturalistischen Bilder aus der Welt des Subproletariats fügen sich jedoch über ihre Wirklichkeitsnähe hinaus zu einer modernen Passionsgeschichte, die in ihrer Verbindung von Detailtreue und utopischer Erlösungssehnsucht beeindruckt. Ein Film voller sinnlicher Kraft und gedanklicher Tiefe."

Hier noch eine schöne zeitgenössische Kritik aus der "Zeit" (von "ktl"):

"In den Vorspanndaten von fünf der zwölf Filme des Regisseurs Mauro Bolognini konnte man den Lyriker und Romancier Pier Paolo Pasolini als Mit- oder Alleinautor der Drehbücher entdecken. Schließlich ließ Pasolini mit seinem ersten eigenen Film, "Accattone" (1960), die Werke des "Fachmanns" Bolognini weit hinter sich. Der Film spielt im selben Milieu wie Pasolonis beide Romane, "Raggazi di vita" und "Una vita violenta" (neuerdings bei Piper): dem Unterproletariat der Nichtstuer, Zuhälter, Diebe in römischen Vorstädten. Der Autor bringt es fertig, verelendeten und getretenen Geschöpfen, die durch ihre übermächtige Bezogenheit auf Umwelt, Situation und, nicht zuletzt, eigene Schwäche zu abstoßenden Figuren herabsinken, gerecht zu werden, das heißt, sie menschlich zu erschließen, ohne sie zu rechtfertigen. Accattone ist Zuhälter. Als er ein Mädchen trifft, das er liebt, versucht er es als Arbeiter, lehnt es aber ab, sich für 1000 Lire (etwa 7 DM) pro Tag halbtotzuschinden. Seine wütende Reaktion ist ebenso blind, wie sie einen wahren Kern enthält: Wahr ist, daß er für seine harte Arbeit einen Hungerlohn erhält; um nichts weiter indes führt sein Entschluß, lieber zu stehlen (wobei er dann umkommt). Pasolinis Film wird von einer eigenständigen, aus dem Neorealismus geborenen, aber über ihn hinausschießenden, mitunter an Buñuel gemahnenden visionären Kraft gespeist."

Im Pigneto, dem Viertel, in dem Accattone überwiegend gedreht wurde, finden sich heute offenbar an mehreren Stellen Street-Art-Reminiszenzen an den Film:


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