Sonntag, 31. Dezember 2017

Die besten VC-Filme im Jahr 2017

[gepostet von Gunnar am 1.1.2019 um 23:37]

Jetzt geht’s auf einmal Schlag auf Schlag: Für 2017 sind auch alle Ergebnisse da und die 2018er Umfrage, die seit heute erst verfügbar ist, wurde auch schon von fast allen Teilnehmern bearbeitet.

Vorab: Der Durchschnittswert ist nicht weiter gestiegen, er bleibt bei 6,7. Ob die magische 7,0 wohl erreichbar ist?
Hier sind sämtliche Daten für 2017.

Und das hier ist ein Screenshot des Spitzenfelds:




Unsere sechs bestbewerteten Filme des Jahres sind ein nahezu homogener Block aus schwarz-weißen, europäischen Sechziger-Jahre-Filmen. Nur der Ettore-Scola-Film mit Mastroianni und Loren, „Una giornata particulare“, ist ein paar Jahre jünger, von 1977 und auch nicht wirklich schwarz-weiß, sondern hat ganz blasse Farben, fast ohne Sättigung. (Ich kann mich nicht erinnern, schon jemals vorher solche Farben in einem Kinofilm gesehen zu haben.) Und „Detour“, das Film-Noir-B-Picture, mit dem uns Silke erfreut hat, ist natürlich älter und kommt aus den USA.

Ganz an der Spitze steht erfreulicherweise eine veritable VC-Entdeckung: „Io la conosceve bene“ von Antonio Pietrangeli, ein hierzulande vergessener Film eines bei uns nahezu unbekannten Regisseurs. Kennengelernt haben wir ihn, weil Sven vorher schon „Adua e le compagne“ ausgegraben hatte (Platz sechs auf unserer Bestenliste), der uns neugierig gemacht hat, so überraschend toll wie er in vielerlei Hinsicht ist.

Auf Platz zwei liegt „Sedotta e abbandonata“ die zweite quirlige Komödie in Pietro Germis Ehemoral-in-der-Provinz-Trilogie, mit – wie bei „Io la conoscece bene“ – Stefania Sandrelli in der Hauptrolle, die damit ganz klar der „VC-Star des Jahres“ ist.



Den ersten Teil der Trilogie hat Andreas übrigens 2015 gezeigt. Teil drei ist Cannes-Sieger von 1966, heißt „Signore & signori“ und wieso wir den noch nicht geguckt haben, ist mir schleierhaft.

Der drittbestbewertete Film des Jahres hat einen polnischen Regisseur – Jerzy Skolimowski – kommt aus Belgien und die Hauptrolle wird von Truffauts Antoine-Doinel-Darsteller gespielt, dem großartigen Jean-Pierre Lèaud. Noch eine erstaunliche Ausgrabung unseres VC-Trüffelschweins Sven, noch ein Schatz aus den Sechzigern, den unverständlicherweise keiner kennt.

Wo sonst als bei uns im VC hätten wir solche Entdeckungen machen können? Nicht im Metropolis oder anderen kommunalen Kinos in Deutschland und schon gar nicht im Fernsehen. Tolle Sache, unsere kleine Institution.

Daneben gelegen haben wir natürlich auch des öfteren in diesem Jahr, der mit Abstand am schlechtesten bewertete Film ist diese japanische Fischgeschichte, die uns im Alleingang den Schnitt versaut hat. Auch Trüffelschweine haben mal einen schlechten Tag. Auffällig ist bei den anderen Titeln ganz am Ende der Liste, dass die allesamt nicht nur gut bei IMDb und der Kritik wegkommen, sondern auch von Leuten mit Rang und Namen stammen: Josef Hader, Sean Penn, Julio Medem, Denis Villeneuve. Die geprüfte Qualitätsware fiel bei uns 2017 durch und die Obskuritäten haben wir gefeiert.

In einigen Fällen liegen wir recht weit auseinander, wenn man die einzelnen Bewertungsbögen vergleicht. Auffällig wird's immer, wenn die eigene Bewertung merklich vom Schnitt abweicht: Diesmal wundere ich mich etwa darüber, dass einer meiner Favoriten des Jahres, Joachim Triers „Louder Than Bombs“, den Rene in seinem ersten VC-Jahr gezeigt hat, nur im Mittelfeld vor sich hin dümpelt.

1 Kommentar:

Gunnar hat gesagt…

In deutschen Kinos könnte man solche Entdeckungen zwar nicht machen. Aber in New York. "Signore e signori"ist gerade erst im Moma in diesem Rahmen gelaufen.

Und 2015 gab's eine Pietrangeli-Retrospektive. Letzten Winter war Dino Risi dran. Mikio Naruse wurde auch gezeigt. Ich zieh' da jetzt hin. Da kann ich dann auch noch viel besser über Gentrifikation jammern.