Freitag, 2. November 2018
Suspiria (Dario Argento, 1977)
Bei Gunnar mit Sven, Silke und Andreas.
Rene hatte eine "Halloween-Sause" bei sich angekündigt und ich habe pflichtschuldigst als Ersatzgastgeber für eine solche gesorgt. Dario Argentos Horror-Film von 1977 ist legendär, kommt aus Italien und die Neuverfilmung von Luca Guadagnino läuft gerade bei uns in den Kinos, da fiel die Wahl nicht schwer.
"'Suspiria' truly is one of the absolute classics of the horror genre and anyone who considers themselves to be true students of the cinema owe it to themselves to experience it for themselves." (Peter Sobczynski bei rogerebert.com, inklusive einem aktuellen Interview mit Hauptdarstellerin Jessica Harper)
Bei IMDB 7,3 (weibliche User: 7,0). TSPDT's 1000 Greatest Films: Platz 394
Der Film hat sich als völlig durchgeknallte Geisterbahnfahrt herausgestellt, in der alles maßlos übertrieben wird. Der beeindruckende Score der Band Goblin läuft in irrer Lautstärke ziemlich unabhängig vom Geschehen, das so extrem farbig ausgeleuchtet wird, wie wir es noch nie im Film gesehen haben. Die Studiobauten sind höchst artifiziell mit interessanten Details wie extrahoch angebrachten Türklinken und die Gewalttaten wurden so blutrünstig inszeniert, dass man den Film fast schon zum Splatter-Genre zählen könnte. Inhaltlich gibt's trotz des ganzen Theaterdonners aber nur eine kleine, einfache Hexenhausgeschichte.
Silke und Sven fanden das Ganze richtig schlimm, Andreas war eher angetan und hat beim wiederkehrenden musikalischen Thema den Impuls gehabt mitzusummen. Ich war einerseits fasziniert und andererseits enttäuscht davon, dass das Spektakel einfach kein bisschen unheimlich ist. Am verwunderlichsten fand ich die Szene, in der eine der Ballettschülerinnen in einem Raum mit Drahtrollen springt und dort zu Tode kommt. Nicht etwa Stacheldraht – einfach glatter Draht. Sie windet sich und jammert und schreit und stirbt. Vielleicht ist's ja auch gar nicht der sehr harmlos aussehende Draht, sondern die zu laute Musik auf der Tonspur, die sie umbringt.
Heutzutage wird Suspiria ziemlich einhellig als Horror-Meisterwerk gesehen, während zeitgenössische Reaktionen durchaus kritisch waren:
"A horror movie that is a horror of a movie, where no one or nothing makes sense: not one plot element, psychological reaction, minor character, piece of dialogue, or ambience." John Simon, New York Magazin, 1977)
Besonders interessant das Filmlexikon. Hier der ursprüngliche Eintrag: "Eine Amerikanerin kommt in eine Münchner Ballettschule, in der geheimnisvolle Mächte ihr blutiges Unwesen treiben. Dümmliche Mischung aus Horror und Okkultismus, die auf grobe Effekte setzt und die Atmosphäre völlig vernachlässigt."
Und hier der aktualisierte Eintrag von 2018: "Im originalen 'Suspiria' (...) reist die US-Amerikanerin Suzy Banyon nach Freiburg im Breisgau, um an einer Ballettschule zu studieren. Doch schon bei der Ankunft erlebt sie verstörende Begegnungen, die sich von Tag zu Tag häufen. Zögernd geht sie den Anzeigen nach, die auf schwarze Magie und Hexerei hindeuten. Die außergewöhnliche visuelle wie auditiv-filmmusikalische Gestaltung begründet den Ruf, dass „Suspiria“ einer der „experimentellsten Horrorfilme überhaupt“ sei, ein „artifizielles Meisterwerk von bizarrer Eleganz und schmerzender Schönheit“. Die Balletttänzerin, die sich aus einem Meer von Blut erhebt, ist mittlerweile nicht nur eine Argento-Ikone, sondern steht als Ikone für den italienischen Horrorfilm an sich."
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1 Kommentar:
Eine Anmerkung noch: Zwar werden hier reihenweise junge Frauen ermordet, aber den Bechtel-Test besteht Suspiria spielend. Die einzigen Männer sind hilflose Nichtsnutze oder seltsame Freaks.
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