In einem unbekannten Land, vor gar nicht allzu langer Zeit...
Genau, in diesem Film geht es um Insekten und Frauen - er handelt von der dominanten Cynthia (Sidse Babett Knudsen - Kreisch) und ihrem Sub Evelyn (Chiara D'Anna - Seufz), die ein schräges Rollenspiel als Beziehung führen.
Cynthia regiert in ihrem Haus mit harter Hand, Evelyn muss putzen, schrubben und Schlüpper waschen ohne Pause, ohne Unterlass. Da natürlich nie alle Arbeiten zur Zufrieden erledigt werden, gibt es jeden Abend drastische Strafen:
Überstunden bei Fußmassagen, als Toilette missbraucht zu werden (hier hatte Silke, in ihrer unbedarften Art, die Vermutung, es handelt sich um eine Attacke mit Sprühsahne - woran man so alles denken kann, wenn die Bilder fehlen und nur Geräusche geboten werden!) oder es geht für mehrere Stunden in die Holzkiste.
Was am Anfang nach böser Alten und armen, jungem Hascherl ausschaut, entpuppt sich nach einigen Repetitionen als genaue Regie-Anweisungen von Evelyn an Cynthia, die mit diesen Erniedrigungen eigentlich gar nicht klar kommt und lieber in Jogginghosen mit der Geliebten Zärtlichkeiten austauschen möchte. So sind dann die interessanten Szenen die, wo Cynthia aus der Rolle fällt und die täglichen Routinen nicht mitspielt.
Als Cynthia kurz vor Ende gesteht, dass sie so nicht weitermachen kann, erwidert Evelyn, dass es nicht schlimm sei, es gehe ja um ihre Liebe und das Rollenspiel wäre ja nur "reiner Luxus".
In den letzten Szenen erlebt man dann den gleichen Ablauf der Geschichte wie vorher.
In der fiktiven Welt von Peter Stricklands Film gibt es keine Männer - der Duke des Titels und das Stoppwort "Pinastri" beziehen sich auf Tag- und Nachtfalter, die in dem ganzen Film scheinbar eine wichtige Rolle spielen - es war aber irgendwie nicht klar welche.
Im Nachhinein scheint es aber auch nicht wichtig zu sein, ob diese Beziehung eine homosexuelle unter Frauen ist, ob Männer oder Frauen in der Geschichte vorkommen oder ob der Regisseur ein Mann oder eine Frau ist.
Den Anwesenden (Gunnar, Maren, Sven, Silke, Miriam und mir) war beim Abspann auch nicht 100%ig klar, was man dazu sagen soll. Scheinbar haben wir alle andere Vorstellungen und Erfahrungen von Beziehungen.
Für den einen mag es ein langweiliger Lesbenfilm ohne nennenswerte Sexszenen sein, für den anderen eine gut gemachte Hommage an die Sexploitation Filme der 70er (die blöde Nachbarin Lorna war früher scheinbar eine bekannte Softporno-Aktrice und wer musste nicht lachen, als im Vorspann Credits zum Parfüm auftauchten), für jene ein Einblick in BDSM der harmloseren aber realistischeren Art als bei "Sixty Shades of Grey" und für solche eine Abhandlung der Frage, was macht Beziehung aus und was kann Liebe leisten und was nicht.
Für mich persönlich hatte der Film eine Menge - meine spontane Schulnoten-Wertung von 3 möchte ich auf eine glatte 7.2 im IMDB Rating ummünzen. Der Film war glänzend fotografiert, die Soundeffekte und Musik hätten mehr sein dürfen - die Handlung lässt viele Gedankenspiele zu. Ich denke, im Namen aller zu sprechen: Es war kein schlechter Film.
Danach hatten wir auf jeden Fall einen vergnüglichen Abend: 3 Rotwein-, 9 Bierflaschen, 3 Gin-Tonics und 3 Gläser Rum sprechen für sich.
Ich bin gerade geneigt, mir einen Haushaltssklaven anzueignen und eine Dose Sprühsahne zu kaufen.
p.s.: Netter Gimmick am Anfang: Zu Filmbeginn steht Evelyn vor dem Haus ihrer Domina. In dem Moment, wo sie die Klingel drückt, geht die Hausklingel bei mir in der Wohnung. Miriam war angekommen. Aufgrund einer fehlenden Rollenspiel-Anweisung hab ich sie dann sofort rein gelassen. ;-)

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