Bei Silke. Mit Rene, Gunnar und Miriam. Dank glücklicher Umstände konnten wir diesen Film nahezu zeitgleich zu seinem Deutschland-Start sehen, in perfekt passendem Format (1.37:1, sog. schmales Akademieformat) für den guten alten Computerbildschirm der Gastgeberin.
Wir sahen eine polnische Liebesgeschichte in den Wirren des Kalten Krieges, mit Abstecher nach Paris, über knapp zwanzig Jahre hinweg. Neben dem unglücklichen Paar stellt die Musik, konkret: der Jazz, ganz klar die dritte Hauptfigur des Filmes. Inspiriert wurde die Geschichte von der seiner eigenen Eltern, wie Pawlikowski in Intervies verriet. Ihnen ist der Film denn auch gewidmet.
Wir waren 2015 hingerissen von Pawlikowskis Ida (2013), ebenfalls in schmerzhaft schönem Schwarzweiß und mit mit dem grandiosen Łukasz Żal hinter der Kamera. Hohe Erwartungen daher, wurden auch nicht enttäuscht. Aber Cold War fällt – so finde ich zumindest – doch ab gegen Ida in erzählerischer und visueller Hinsicht gleichermaßen.
Die IMDB-Wertung (s.u.) sieht das allerdings eher andersrum. Ebenso war die Haltung unter den Anwesenden, so mein Eindruck. Wie die gerade von Gunnar aktivierte Umfrage von 2015 noch mal ins Gedächtsnis rief, erhielt Ida damals 9,7 von 10 möglichen Punkten und wurde damit Jahressieger. Wie wird wohl dann erst die VC-Wertung für Cold War ausfallen? – Wär übrigens lustig, wenn unser Blog mit den Jahreswertungen auch mal ein Referenzmedium würde – nicht in quantitativ-vollständiger, sondern in qualitativer Hinsicht, etwa mit dem Gütesiegel "Vom VC nachdrücklich empfohlen mit 9,7 von 10!!!".
![]() |
| Kein Ort nirgends: Auch in Paris können Zula und Wiktor nicht glücklich zusammen sein |
| Regie | Paweł Pawlikowski |
| Drehbuch | Pawel Pawlikowski, Janusz Głowacki |
| Produktion | Ewa Puszczynska, Tanya Seghatchian |
| Kamera | Łukasz Żal |
| Schnitt | Jarosław Kamiński |
DarstellerInnen:
- Joanna Kulig (Jg. 1982): Zula Lichon
- Tomasz Kot (Jg. 1977): Wiktor Warski
- Agata Kulesza (Jg. 1971): Irena Bielecka
- Borys Szyc (Jg. 1978): Lech Kaczmarek
Regisseur, Hauptdarstellerin, Kamera- und Schnittmann sowie der Film selbst gewannen bereits einiges an internationalen Preisen (s. imdb). Da ist noch mehr zu erwarten denk ich. In das Rennen um die Europäischen Filmpreise, die Mitte Dezember verliehen werden, geht er beispielsweise mit den meisten Nominierungen (5 an der Zahl und damit in allen der für ihn möglichen Kategorien Film, Drehbuch, Kamera, Darstellerin, Darsteller). Vielleicht gibt es 2019 dann auch der Auslandsoscar, wie schon für Ida? Polen hat Cold War jedenfalls dafür eingereicht.
imdb: 7,8 (Ida: 7,4)
Metascore: 90 (Ida: 91)
Letterboxd: 3,9 (Ida: 3,9 – von fünf möglichen Sternen)
Der stimmungsvolle Trailer mit dem Leitmotiv-Lied hier.
Im polnischen Original heißt der Filmtitel Zimna wojna – Kalter Krieg. Im Deutschen wählte man einen selten blöden Doppeltitel: Cold War – Der Breitengrad der Liebe.
Schön ist die Sichtung zu Hause auch deshalb, weil man dann – anders als im Kino oder beim Getränk danach – schön Screenshots zu Vergleichszwecken machen und so noch schnell Wetten gewinnen kann. Der Bildbeweis zeigt: Keine Frage, durchgehend dasselbe Haus für das Folklore-Ensemble "Mazurek", im zweiten nur schöner:
(Silke, 4.12.2018)
P.S.: Gunnar mailte kurz nach dem Abend:
"hier im Anhang die Cold-War-Kritik von Tim Lindemann aus der soeben erschienen Konkret. Deckt sich mit meiner Wahrnehmung.Und hier der Filmlexikon-Eintrag. Klammheimlich ist übrigens das gesamte Lexikon mittlerweile sehr komfortabel auf den Seiten des Filmdienst selbst zugänglich gemacht worden. Ade 2001!"





3 Kommentare:
Im Original echt "Kater Krieg"! Wie wird das ins Englische übersetzt??? Pussy Wars? Da wird der Sinn doch dann total verdreht???
So überragend wird die VC-interne Wertung für den "Kalten Krieg" nicht werden. Gleich nach dem Film gab's am Abend von der Hälfte der Anwesenden Fundamentalkritik. Das Verhalten der Protagonisten und damit die Liebesbeziehung sei überhaupt nicht nachvollziebar, hieß es. Miriam und ich mussten die Verteidigung übernehmen. Das heißt nicht, dass das aus meiner Sicht gleich der beste Film der Welt ist. Ich fand "Ida" auch besser.
Und es würde mich nicht wundern, wenn der IMDB-Score wie so oft im Verlauf der Zeit ein wenig absackte und schließlich nicht höher als bei "Ida" wäre.
Kommentar veröffentlichen