Bei Andreas sahen Sven, Silke und Gunnar einen gar seltsamen Film. Italienisch zwar, aber mit dem, was wir in letzter Zeit so gesehen haben – etwa dem „Mädchen mit dem leichten Gepäck", immerhin vom selben Regisseur, nämlich Valerio Zurlini – hatte er nichts zu tun (und auch nicht mit Zurlinis 70er-Jahre-Film "Oktober in Rimini", den wir vor Jahren im Videoclub hatten). Bei der "Tatarenwüste" gab es eher Anklänge an Tarkowskij und Antonioni, mit anderen Worten: Es passierte sehr wenig. Genau genommen war die Ereignislosigkeit, oder besser: das tatenlose Warten sogar das eigentliche Thema des Films.
Die, die da warten, sind Soldaten und Offiziere eines fiktiven europäischen Königreichs zu Beginn des 20. Jahrhunderts, die eine irgendwo am Rande dieses Imperiums gelegene Bergfestung bewachen sollen. Im Verlauf des Films häufen sich die Hinweise auf den drohenden Angriff eines riesigen Heeres aus der nahe liegenden "Tatarenwüste" – daher der Name des Films. Warum diese Gefahr von den Vorgesetzten permanent geleugnet wird, bleibt, wie so manches andere, unklar. Als der weit überlegene Feind dann tatsächlich anrückt, also mutmaßlich bald doch mal etwas passieren wird, hört der Film jedenfalls konsequenterweise auf.
Nicht uninteressant das Ganze, aber auch ganz schön zäh, und das internationale Starensemble (u. a.Vittorio Gassman, Helmut Griem, Philippe Noiret, Fernando Rey, Jean-Louis Trintignant und Max von Sydow) hat's auch nicht so richtig rausgerissen. Der eigenliche Star des Films war eh die Kulisse, nämlich die uns allen zuvor unbekannte absolut spektakulär gelegene Zitadelle von Bam, einer Stadt im Südosten des Iran.
Traurigerweise mussten wir allerdings gleich nach der Entdeckung dieser tollen Sehenswürdigkeit via Wikipedia erfahren, dass sie 2003 nahezu vollständig einem Erdbeben zum Opfer gefallen ist. Sie wird aber wieder aufgebaut, immerhin (siehe rechts).
Zum Film noch die Info, dass es sich um die Verfilmung eines in
Frankreich und Italien offensichtlich recht berühmten gleichnamigen
Buchs von Dino Buzzati handelt.
Zu guter Letzt möchte ich mit euch noch eine ziemlich unglaubliche Entdeckung teilen, die ich während der Recherche zu diesem Eintrag gemacht habe: die Internet Movie Firearms Database! Nie wieder werden wir uns den Kopf zermartern müssen, mit welcher Maschinenpistole John Travolta in "Pulp Fiction" erschossen wird (einer MAC-10) oder welchen Revolver Michael Corleone in der Restaurant-Szene verwendet (eine Smith & Wesson Modell 36). Schön, dass es Menschen gibt, die für so etwas Zeit haben.
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