Freitag, 27. Mai 2022

Heroic Purgatory (Japan, 1970, Yoshishige Yoshida)

Nachdem ich vor kurzem Kiju Yoshidas bekanntesten Film "Eros + Massacre" (1969) mit großer Begeisterung sah, wollte ich einen weiteren nachlegen, der die gleichen 'kompromisslosen' Qualitäten hat. "Heroic Purgatory" folgt formal dem Vorgängerfilm mit den ständig neuen Bildkompositionen, die den Raum phänomenal (wie ich finde) ins Bild rücken. Gesichter sind zwischen Balustradenstäbe, ganz in die Ecken oder in Spiegel gerückt, sie werden unvermittelt abgeschnitten und man hat den Eindruck, die Figuren bewegen sich extra an eine bestimmte Stelle, um das Filmbild an eben dieser Stelle zu beleben und nicht, weil die Handlung dies nötig hätte. Die Handlung wiederum lässt sich kaum zusammenfassen. 

Wenn man dieser Kritik bei  Nippon Kino folgt, dann ist die ausfransende Handlung ein bewusster Bruch mit filmischen Konventionen und Traditionen. Yoshishige (Kiju) Yoshida wird der japanischen New Wave zugerechnet, hatte aber außerhalb Japans wenig Aufmerksamkeit erhalten. Ich selbst bin zwiegespalten: einerseits begeistern mich die Kompositionen, die Bildausschnitte, in denen gerade mal die Köpfe zu sehen sind. Auch die Räume mit Computerbändern, Verhörszenen vor einer Vielzahl von Monitoren, Lagerhallen, die Entführung in bracher Landschaft begeisterten mich – ich musste an Alphaville denken, in denen die Architektur einerseits Moderne, andererseits auch Zukunft suggeriert. Andererseits werden die Schauspieler*innen teils sehr steif geführt. Es entsteht eine extreme Künstlichkeit. 

Die Hauptrolle der Ehefrau Nanako, die zu Beginn die siebzehnjährige verlorene Ayu bei sich und ihrem Mann aufnimmt, übernahm Mariko Okada, die im Videoklub in den Filmen "Floating Clouds" und "Flowing" von Mikio Naruse sowie "Late Autumn" von Ozu zu sehen war. Sie ist die Ehefrau von Yoshida. Der oben verlinkte Text von Nippon Kino hebt hervor, dass gerade das letzte Drittel bemerkenswert sei, weil der Regisseur den Film als Liebeserklärung an seine Frau gedreht habe. Ich fand diesen Eindruck sehr plausibel; wie überhaupt dieser Text alles besser beschreibt, als ich hier. 

Mit dabei waren Vorführer Jö, Rene, Larissa, Silke, Andreas und Miriam. In der Telko vorab auch ABo.

 
aufgefallen war das Modeheft mit deutschem Titel aber englischen Unter-Titeln
 
 
 
 

3 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Schöner Satz aus dem verlinkten Artikel: "Die gesamte Essenz des Films scheint darauf ausgerichtet zu sein, den Zuschauer zu verwirren."

Larissa hat gesagt…

Ich finde "diesen inhaltlichen Mindfuck" sehr aufregend!
"ein bewegendes Meisterwerk über die Relativität der Wahrheit und die wahre Liebe" hätte es werden sollen. Das hilft mir enorm weiter))
Ich glaube, ich würde sehr gerne das letzte Drittel des Films nochmal anschauen..

Kiju Joshida - "der radikalste und experimentellste der gesamten Nuberu Bagu-Bewegung, ein Regisseur, der durch seine antikommerziellen und provokativen Filme schockte.."
Danke Jö für diese Entdeckung!

Gunnar hat gesagt…

Gerade nachgeholt. War von der ersten Minute an hingerissen von den Bildkompositionen. Ich glaub' ich hab' noch nie so etwas Tolles gesehen. Überhaupt formal alles toll, auch die Musik. Aaaaaaaaber das endlose Gelaber und die völlig unübersichtliche Handlung, die ja offenbar nicht egal ist – Yoshida scheint ja ein politsches Anliegen zu haben – macht den Film sehr schwer verdaulich. Letztlich eine frustrierende Erfahrung.