Bevor ich mich daran mache, über "Le Trou" zu schreiben – und damit über einen grandiosen Film, zu dem sich endlos viel erzählen lässt –, mache ich es mir erst mal einfach und erstatte Bericht über diesen weitaus unbedeutenderen Streifen.
Aber jetzt geht's schon los: Ich (Andreas) war der Vorführer an diesem Abend im Februar, aber wer in Berlin und Hamburg vor den Bildschirmen saß, weiß ich leider nicht mehr. Der Chat lässt nur vermuten, dass Larissa und Alex wegen technischer Probleme nicht dabei waren. Vielleicht hat jemand (Silke?) noch Aufzeichnungen über die Teilnehmerschaft zur Hand?
Neben mir auf dem Sofa saß jedenfalls Katrin. Mit der und, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, auch mit den meisten anderen in der Runde war ich mir einig, dass der Film eher nicht so toll war. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht mehr, warum ich ihn überhaupt ausgewählt habe, wo es doch in unserer Plex-Mediathek so unendlich viele interssante Filme gibt.
Die Inhaltsangabe überlasse ich dem Filmlexikon: "Ein Investment-Banker und seine Frau ziehen Mitte der 1980er-Jahre von New York nach London, um mit den beiden Kindern ein neues Leben anzufangen. Im neuen Heim bröckelt der Familienzusammenhalt beinahe analog zum heruntergekommenen Herrenhaus." So weit, so gut. Dass das Filmlexikon dann in einer kleinen Kaskade von Charakterisierungen den Film als "eindringlich entwickelte Geschichte", "zurückgenommenes Familiendrama", "Lehrstunde der effektvollen Unaufdringlichkeit" und schließlich als "ökonomischen Psychothriller in Zeitlupe" bezeichnet, erscheint mir dann aber doch reichlich übertrieben.
Mich konnte die Geschichte jedenfalls nicht überzeugen. Vor allem hat sich Katrin und mir recht bald die Frage gestellt, warum die Ehefrau (Carrie Coon) sich überhaupt noch mit ihrem Mann (Jude Law) abgibt, der sehr schnell und überzeugend als Vollidiot und Arschloch charakterisiert wird. Dass er in der Schlussszene, nachdem er nun wirklich alles gegen die Wand gefahren hat, was ging, von seiner Familie wieder aufgenommen und an den Frühstückstisch gebeten wird, setzt dem Ganzen dann die Krone auf.
Wie so oft wurde auch bei "The Nest" in unserer Runde konstatiert, dass der Film gut aussah, dass also offensichtlich viel Arbeit in Kameraeinstellungen und Beleuchtung investiert wurde. Ich muss ja sagen, dass mir das langsam inflationär vorkommt – anscheinend sind heutzutage ALLE Filme, die sich potenziell an Typen wie uns richten, von hoher optischer Qualität. Toll gefilmt scheint das neue Normal zu sein, entfällt dadurch aber irgendwie als Merkmal, das einen Film vor anderen auszeichnet (falls Ihr versteht, was ich sagen will). So oder so kann m. E. eine tolle Optik einen Film wie "The Nest" (oder auch "Dark Waters") nicht rausreißen. Also: Wer den Film damals verpasst hat, hat nichts verpasst.
P. S.: Das kann man aber auch alles ganz anders sehen, nachzulesen z. B. hier.

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