Freitag, 16. April 2021

Dark Waters (USA 2019, Haynes)

VVC-Vorführer: ABo; Teilnehmer*innen: Tilmann, Miriam, Jö, René, Gunnar, Andreas, Silke, Sven und teilweise Carmen. Der Film-Tipp kam von Claus Kleber bzw. dem heute-journal ca. November 2020 – wurde gleich notiert auf meiner Zeigen-Liste.

Antje Wessels fasst den Film so zusammen: 

„Cincinnati, 1998. Der erfolgreiche Wirtschaftsanwalt Rob Bilott (Mark Ruffalo) gerät in einen Zwiespalt, als ihn zwei Farmer auf merkwürdige Vorgänge in Parkersburg, West Virginia, aufmerksam machen, wo eine große Zahl von Kühen auf rätselhafte Weise verendet ist. Die Farmer vermuten dahinter den Chemiekonzern DuPont, für den Bilott selbst als Anwalt arbeitet. Trotz dieses Interessenskonflikts will der gewissenhafte Jurist den Fall vorbehaltlos aufklären und findet tatsächlich schnell belastende Indizien, die auf einen Umweltskandal von ungeheurem Ausmaß hindeuten. Unterstützt von seinem Boss Tom Terp (Tim Robbins) und seiner Frau Sarah (Anne Hathaway) stürzt sich Bilott aufopferungsvoll in eine langwierige Auseinandersetzung, die ihn seinen Ruf, seine Gesundheit, privates Glück und vielleicht sogar sein Leben kosten könnte …“

Der Film fiel bei fast allen TelKo-Teilnehmern durch:

  • Zu vorhersehbar (René kannte das Ende nach 10 Minuten),
  • zu sehr auf Rob konzentriert (Jö),
  • zuuu lang (hörte laut Andreas gefühlt nie auf).
  • Aus dem Stoff hätte laut Sven besser ne spannende Doku Marke Michael Moore gemacht werden sollen als n Spielfilm.
  • Als einziger erwähnenswerter cineastische Aspekt wurde lediglich die Kameraführung von Gunnar gelobt.

Antje Wessels hingegen meint:

„Fazit: Mit seinem gleichermaßen hervorragend gespielten und inszenierten Justizthriller ‚Vergiftete Wahrheit‘ ist Regisseur Todd Haynes nicht weniger als der wichtigste Film des Jahres gelungen.“

Als Naturwissenschaftler interessierte mich die zugrundeliegende Chemie:
    Teflon (auch PTFE genannt) wurde 1941 von einem DuPont-Chemiker eher unabsichtlich entwickelt. Es hat die besondere Eigenschaft, an fast nichts zu haften. Wie aber Teflon auf Metall aufbringen, wenn es an fast nichts haftet? Hier kommt der chemische Hauptprotagonist des Films ins Spiel: Perfluoroktansäure (PFOA). Dieser Stoff kam im Rahmen des Manhattan-Projekts zum Einsatz; das Militär benutzte nämlich PFOA für die Teflonbeschichtung von Behältnissen für Uranhexaflourid. Nach dem Krieg erschloss DuPont mit dieser Art der Metallbeschichtung einen neuen nichtmilitärischen Markt: Es brachte Teflon auf Pfannen auf und revolutionierte so das Braten.
      Der Zusammenhang zwischen Teflon und dem im Film als Killer identifizierten PFOA war mir beim Schauen nicht deutlich geworden. Bei Nachrecherche fand ich folgende erhellende Details:

„Zur Herstellung von Teflon wurde von DuPont lange Zeit PFOA verwendet. PFOA ist ein Stoff, der als Emulgator dafür sorgt, dass sich das Teflon an die Pfanne bindet. Der Stoff ist vermutlich krebserregend, ist aber in der fertigen Teflonpfanne nicht mehr oder kaum zu finden. Das liegt daran, dass PFOA bei 189° Celsius verdampft, bei der Herstellung von PTFE-beschichteten Pfannen aber Temperaturen von mehr als 300° Celsius herrschen.“ (Quelle: https://pfannenhelden.de/teflonbeschichtung-giftig)

Leider verbleiben aber kleine Reste; und diese verdampfen dann, wenn man die Pfanne bei zu hohen Temperaturen verwendet. :-( Deshalb raten die Pfannenhelden von der Verwendung von Teflon-Pfannen ab. Große Mengen verbleiben allerdings offensichtlich im Herstellungsprozess. DuPont hat recht schnell herausgefunden, dass das Zeugs hochtoxisch ist. Aber statt eines sensiblen Umgangs mit PFOA in der Produktion und statt einer sorgfältigen Entsorgung der Reste kam DuPont auf die glorreiche Idee, das Zeugs in Fässer zu packen und zu verbuddeln.
     Kommt das irgendjemandem bekannt vor? Atommüllendlagerproblem – genau! Es gibt leider noch eine Parallele zu unserem bekannten Fässerverbuddelndesaster: PFOA gehört zu den sogenannten „Ewigkeitschemikalien“, d.h. es ist quasi nicht abbaubar. Im menschlichen Organismus hat es nachgewiesenermaßen eine lange „Halbwertszeit“, denn es wird nicht abgebaut und erst im Laufe von Jahren wieder ausgeschieden. So führt es dann zu den im Film erwähnten vielfachen Krebserscheinungen und anderen Krankheiten.
    Zum Glück ist PFOA in der EU verboten – allerdings erst seit dem 4. Juli 2020! 

Es leben die Keramikbeschichtungen.

 (ABo, 19.4.2021, mit freundlicher Unterstützung von SL Productions) 

5 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Das war ja wohl einer der informativsten Blog-Einträge aller Zeiten - ganz herzlichen Dank! Ist man ein realitätsfremder Nerd, wenn man sich wünscht, dass der Film diese Zusammenhänge vernünftig erklärt hätte?

ABo hat gesagt…

Danke für die Blumen - einen Teil reiche ich gleich weiter :-)
Nee, n Nerd ist man nicht, aber vielleicht wissensdurstiger als der mittlere antizipierte Zuschauer.

Rene hat gesagt…

So hat sich der Film auf jeden Fall doch gelohnt :-D

Gunnar hat gesagt…

Jetzt erst gelesen, danke für die Recherche und die Mühe, einen solch rundum gelungenen Beitrag zu schreiben.

Aber warum hast du ausgerechnet diese Antje Wessels zitiert? Der Film ist doch allseits gut besprochen worden. Was Wessels sagt, ist aber wurscht, weil die sich zwar Filmkritikerin nennt, aber Influencerin die richtigere Bezeichnung wäre, wie man schnell feststellen kann, wenn man auf ihrer Website ein bisschen rumklickt. (Ich hatte den Namen noch nie gehört und darum genau das gemacht.) Sie lässt sich von der Industrie bezahlen und entsprechend sind alle Filme, die sie bespricht, toll. Weißt du noch, wie du auf die gestoßen bist? Gab's einen Link zu ihr von einer seriösen Seite?

Silke hat gesagt…

Ich muss gestehen, dass dem keine Beurteilung in qualitativer Hinsicht zugrunde liegt: Ich fand die Wikipedia-Zusammenfassung nicht gut. Unter den IMdB-Kritiken fand sich der Link zum deutschsprachigen Wessel-Blog. Da war die Inhaltsangabe besser; da sie zudem anders als wir eine entschieden positive Auffassung vom Film hat, hab ich ABo die Rezension zur Auswertung vorgeschlagen.

Auf Telegram schon gepostet, gehört ja aber eigentlich hierher:
„Vorhin im DLF Kultur gehört: Bob Marley arbeitete acht Monate bei Dupont in Delaware als Laborassistent. Er starb an Krebs, richtig?“
Gunnar antwortete dort: „Hautkrebs hatte er. // Nee, war nur der Anfang: "Tumorbefall der Leber, der Lunge und des Gehirns". Oha. // Wenn jemand mit ein bisschen Reichweite diese Vermutung mit ein paar erläuternden Links über Twitter oder Facebook verbreiten würde, bekäme er weltweite Aufmerksamkeit. Ratzfatz.“