Freitag, 30. April 2021

Djam (FRA 2017, Tony Gatlif)

Djam

Zum einjährigen Jubiläum des VVC wollte ich wieder einen Film von Tony Gatlif zeigen, letztes Jahr im März hatte ich nämlich mal mit Gadjo Dilo angefangen, der Grund war aber eher die Story, die ich aber scheinbar nicht richtig erfasst habe, denn es geht (auch) um die Musik des Rembetiko, ich dachte, es geht hauptsächlich darum.

Anwesend waren Tilmann, Jö, Gunnar, Larissa, Miriam und Sven - pünktlich zum Filmstart schalteten sich noch Maren und Andreas dazu. ABo und Silke waren entschuldigt.

Die Story ist eigentlich schnell erzählt: eine junge Griechin, Djam, soll für ihren Stiefvater, den sie "Onkel" nennt, in die Türkei fahren, um dort für den Motor seines Ausflugsdampfer eine Kolbenstange anfertigen zu lassen. Auf den Weg zurück trifft sie die junge in der Türkei gestrandete Französin Avril und versucht sie mit in die Heimat zu retten, das ganze wird zur Odyssee, denn Geldmangel, streikende Bahnarbeiter und andere Unplanbarkeiten machen den Weg zurück zum "Onkel" zum abenteuerlichen Roadtrip.

Und wie schon bei "Gadjo Dilo" wird hier eigentlich neben dieser Rahmenhandlung viel mehr in Kleinigkeiten erzählt, als das man es hier jetzt auf die Schnelle wiedergeben kann. Da ist es dann die griechische Finanzkrise, die Flüchtlingskrise im Mittelmeerraum und eben auch die Bedeutung der Musik in der griechischen Kultur.

Der Film kam gut an. Ich gebe hier jetzt Insider-Informationen aus unserem parallel geführten Chat preis:
Jö:          J'aime cette film et la musique
Gunnar:  Moi aussi.
Larissa:  Ce film est merveilleux!

Andreas fand den Film ganz schrecklich und war schon nach den ersten Minuten sicher, dass der Abend in einer Katastrophe enden wird, Miriam konnte damit leben, war aber auch überhaupt nicht begeistert. Ich fand den Film "okay" hatte aber, wie schon oben erwähnt viel mehr Rembetiko erwartet und war deshalb weniger in Flammen.

Außerordentlich bemerkenswert auf jeden Fall Daphne Patakia, die Darstellerin der Djam, aber auch diverse Nebendarsteller, wie der verzweifelte Pano oder das bekannte Pärchen am Lagerfeuer des bestreikten Bahnhofs. Die Musik im Film spielt natürlich eine wesentliche Rolle und macht (bei mir) Lust auf mehr.(Ich muss unbedingt den alten 2001-Sampler wiederfinden)

Im Nachhinein kommt mir einiges an der Story sehr metaphorisch vor: Avril, die die meiste Zeit ziemlich abwesend und fehl am Platze scheint, als Sinnbild für die europäischen, reichen Staaten, die während Finanz- und Flüchtlingskrise, nicht aktiv werden wollen.
Djams Probleme mit "da unten", wo Avril aber eigentlich lieber nicht hinschauen, geschweige denn helfen will als Sinnbild für die südlichen Mittelmeer-Inseln, die als Haupt-Anlaufziel für viele Flüchtlinge sind. Ach, wahrscheinlich muss ich mir den Film einfach noch einmal anschauen, um ihn auch super zu finden - jetzt weiß ich ja, worum es geht.

Tilmann hat am Ende des Films noch einen Mix mit alten Rembetika Songs gepostet, den ich hier auf keinen Fall vorenthalten will (geht sehr langsam los): Rembetiko Mon Amour

6 Kommentare:

Andreas hat gesagt…

Vielen Dank für den schnellen Blogeintrag! Ich arbeite daran, wenigstens für die vergangene Woche etwas zu schreiben, aber irgendwie habe ich mein Mojo verloren, wie es aussieht. Meine Meinung zu "Djam" ist ja schon ausreichend dokumentiert, aber ich kann mir doch die Anmerkung nicht verkneifen, dass ich die in der Tat vollkommen deplatzierte und überflüssige Figur der Avril eigentlich nur als Sinnbild für die französischen Geldgeber gesehen habe, die irgendeinen Grund gesucht haben, warum die Filmcharaktere den halben Film lang Französisch sprechen. Und dafür muss die Hauptfigur dann eben auch noch in (natürlich) Paris gelebt haben. Mit dem schönen Nebeneffekt, dass sich so die Gelegenheit für einen weiteren der in diesem Film recht zahlreichen Kitschsätze feinster Güte bot: "Die Emigration hat sie umgebracht." Oder so ähnlich. Ich hör lieber auf, sonst steigere ich mich da zu sehr rein ...

Rene hat gesagt…

Ich denke, ein Grund für den hohen französischen Sprachanteil, ist der, dass Gatlif Franzose ist und seit den sechzigern in Frankreich lebt und arbeitet. und der Film unter anderem auch dort produziert wurde.

x hat gesagt…

Na gut, die hätte natürlich auch aus Berlin kommen und Djam mal eine Zeit in Berlin gelebt und Onkel dort das Restaurant gehabt haben können und so weiter und sofort. Oder aus Luxemburg. Oder Belgien. Alles Länder, die nicht für eine ausgeprägte Freizeitmusikkultur à la Rembetiko bekannt sind. Als Franzose als Gatlif den Film für sich und sein dortiges Publikum gemacht. Was, wenn das eine tumbe Deutsche gewesen wäre? Oder eine Belgierin aus einem Dardennebrüderfilm? Ich finde das unerheblich. In Amerika oder Deutschland würden die Leute natürlich nicht in Bars singen und bauchtanzen. Da sitzen die rum und klampfen Gitarre oder singen Glamrock in einem Diner. Wie auch immer.

Andreas hat gesagt…

Na, wenn es außer mir keinen gestört hat, dann wollen wir es einfach mal dabei belassen lassenn.

Gunnar hat gesagt…

Und was stünde an, wenn's noch einen gestört hätte?

Habe Stefan gestern erzählt, dass du in der Telko gesagt hast, wir könnten froh sein, dass er nicht dabei gewesen sei. Hat er drüber lachen müssen.

Gunnar hat gesagt…

Und du habest damit vermutlich recht, meinte er.