Wenn es um Kaneto Shindo geht, werden immer „Onibaba“ (1966) und „Kuroneko“ (1968) als dessen beeindruckendste Filme hervorgehoben. „Onibaba“ mussten wir ja vor einiger Zeit aus technischen Problemen abbrechen. Diesmal sollte es „Kuroneko“ (übersetzt Die schwarze Katze) sein. Beide Filme bestechen durch starke schwarz-weiß Bilder, in beiden spielt die Landschaft eine tragende Rolle und beide spielen in einer bürgerkriegsgeplagten Vergangenheit, in der marodierende Samurai morden und brandschatzen. In beiden agieren eine Mutter und Schwiegertochter gemeinsam, weil der Sohn / Ehemann in den Krieg entführt wurde – allerdings unter gegensätzlichen Vorzeichen. In Onibaba sind die Frauen mit dem täglichen Überleben befasst, in Kuroneko sind sie als Geisterwesen verpflichtet Rache zu nehmen. Die Story basiert auf einem Märchen.
Der Film beginnt mit dem Überfall einer Horde Samurai, die zwei Frauen ermorden und schließlich von deren Geistern ihrerseits gemordet werden. Problematisch wird es für die Geisterinnen als der eigene Sohn, bzw. Ehemann Gintoki aus dem Krieg zurückkehrt. Zwar war dieser unfreiwillig zum Kämpfer geworden, hatte sich aber einen guten Ruf erstritten und soll nun das Monster töten, das die Morde an den Samurai begeht. Shige, die vormalige Ehefrau, verwirkt ihr Geisterdasein, nachdem sie sich sieben Tage lang ihrer wiedergewonnenen Liebe hingibt. Der Showdown mit der Mutter endet unklar, aber auch sie wird ihr Geisterdasein verwirkt haben; Gintoki, der letzte Samurai, wiederum wird wahnsinnig und stirbt im Schnee.
Die Inszenierung nimmt Tanz und Theater dramaturgisch auf, spielt mit kontrastreichem Licht und Dunkel und stilisiert die vergangene Zeit als künstlich wirkende Welt. Rene merkte an, dass es unklar bliebe, wann der Wald im Studio gebaut oder natürlich war. Die Bildkompositionen betonten auf der einen Seite architektonische Symmetrien, auf der anderen Seite blieben Szenen hinter Tüchern oder inmitten von Nebeln verklärt. Am Ende bedeckt eine dichte Schneedecke den toten Sohn / Samurai.
Kaneto Shindo (1912-2012) hat eine Sonderstellung im japanischen Kino, wenn ich das richtig verstehe. Er begann als Assistent bei Kenji Mizoguchi, neben Ozu, Naruse (beide schon mehrfach in VC gesehen) und Gosho, einer der bekanntesten Regisseure des klassischen Kinos in Japan. Er drehte mit „Kinder von Hiroshima“ einen der ersten Filme über die Atombombenkatastrophe, gründete seine eigene Produktionsfirma, schrieb 243 Drehbücher und war bis ins höchste Alter als Filmemacher aktiv und drehte insgesamt 48 Filme. Shindo wurde 100 Jahre alt. Er gehörte wohl nicht zur New Wave wie Nagisa Oshima oder Yoshishige Yoshida, reiht sich aber ebensowenig ins traditionelle Geschichtenerzählen ein. Starke Frauengestalten bestimmen vielfach die Handlung seiner Filme.
Bei „Kuroneko“ arbeitete er wieder mit seiner langjährigen Geliebten und späteren Frau Nobuko Otawa (1924-1994; in der Rolle der Mutter) zusammen, die in den allermeisten seiner Filme tragende Rollen hatte. Die Darstellerin der Tochter Shige, Kiwako Taichi, hatten wir schonmal, in „Fire Festival“ als Kimiko gesehen. Kei Sato, der den Warlord Raiko spielte, hatte die männliche Hauptrolle in „Onibaba“ und Rollen in anderen Shindo- und diversen Oshima-Filmen (im VC auch 2008 in Oshimas „Naked Youth“). Der Bauer, dem der heimkehrende Gintoki begegnet, war Taiji Tonoyama, der – ebenso bei vielen Oshima-Filmen dabei – im VC in „Pigs and Battleships“ zu sehen gewesen war.
Die Meinungen zum Film klafften stark auseinander: So war der Film für Miriam eine Zumutung, Rene dagegen war voller Begeisterung. Meine eigene Haltung ist zwiegespalten aber die Bilder und die Anlehnungen an das traditionelle Kibuki-Theater haben auch mich sehr angesprochen. Virtuell anwesend waren: Andreas B, Andreas S, Gunnar, Maren, Miriam, Rene, Silke, Sven, Tillmann und Vorführer-Jö.



8 Kommentare:
Schöner Beitrag - schöner Film. Ich fand ihn wirklich gelungen, tolle Musik, sensationelle Bilder und auch Make-Up und Kleidung waren bemerkenswert.
Gute Wahl - Danke!
Hat mir auch gut gefallen. Vor allem formal: visuell wie akustisch (tolle Sounds, tolle Musik). Bloß waren meine Erwartungen durch Onibaba seeeeehr hoch. Und da kann der Nachfolger nicht mithalten.
Und danke für die Einordnung in die japanische FIlmgeschichte.
Vielleicht ist das Problem auch, dass der Film mit einer solchen Wucht beginnt. Das weckt Erwartungen, die die Geschichte dann nicht erfüllt.
Maren war auch dabei.
Gleich geändert. Sorry.
Gleich geändert. Sorry.
Danke für die Einordnung, Jö!
Silke und ich wähnten uns auch oft im Tanztheater.
Ich fand den Film sehr poetisch - das passt gut zu der Märchen-Vorlage. Allerdings auch ein wenig kräftezehrend, daher war ich zu groggy für ne Telko.
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