Leider weiß ich nicht mehr, wer alles im virtuellen Raum anwesen war, aber ich meine, wie wären gut besetzt gewesen. Wer den Film nicht gesehen hat, möge es hier kund tun.
Nach Daratt ist Un Homme qui crie der zweite Film im VC von Mahamat-Saleh Haroun. Er erzählt die dramatische und tragische Geschichte von Vater und Sohn unter den fiesen Bedingungen des Bürgerkriegs und der Konkurrenz um den Arbeitsplatz. Familienvater Adam hat als Bademeister im Luxushotel in N'Djamena den Job seines Lebens. Als ehemaliger (Schwimm-) Champion, so auch sein Rufname, fühlt er sich hierfür berufen.
Die neue chinesische Managerin aber degradiert ihn zum Parkplatzwächter.
Und ersetzt ihn durch seinen Sohn Abdel, der nicht der strenge Bademeister und Schwimmlehrer ist, sondern auch den Pool-Animateur gibt und als junger, gut aussehender Mann bei den Gästen besser ankommt als sein grauer und bürokratischer Vater. Um Abdel dem Einsatz als Soldat zu entziehen, hat Adam bislang regeläßig dem korrupten "chef de quartier" ein Lösegeld bezahlt. Jetzt aber in der Konkurrenzsituation bezahlt er nicht mehr. Prompt wird Abdel zum Kriegseinsatz abgeholt, was Adam regungslos durchs Fenster beobachtet ohne einzugreifen.
Er sieht ihn erst wieder als er ihn sterbend aus dem Lazarett rausschmuggelt um ihn dann im Fluss schwimmend zu "begraben". Adam hat seinen Job wieder, der aber überflüssig wird, weil kriegsbedingt die Gäste und das Personal ausbleiben und er schließlich mit der Managerin allein im Haus ist.
Harte Kost, wie René meinte, und natürlich hat er Recht. Harte Fragen zu persönlicher Moral unter schwierigen sozialen und politischen Bedingungen sind zu klären. Eigentlich ist es keine Frage, dass man seinen Sohn nicht in den Krieg schickt um den Job zu retten. So einfach das klingt, so deutlich wird aber auch Adams Dilemma und sein Schuldgefühl nach der tragischen und falschen Entscheidung.
Darüberhinaus fällt auf, dass die Frauen nur als passive und leidtragende Figuren erscheinen. Die Mutter, die unter der Sprachlosigkeit zwischen Vater und Sohn leidet und die vergeblich Hilfe von ihrem Mann fordert als der Sohn abgeholt wird. Die schwangere Verlobte, die sich der Familie erst vorstellt als Abdel schon im Krieg ist und vergeblich auf dessen Rückkehr hofft und zudem noch von Adam hören muss, dass er Schuld ist an Abdels Einberufung. Diese Schicksalsergebenheit und Passivität der Frauen erschien mir unplausibel und nicht glaubwürdig. Die einzige Frau, die hier ihren Willen kund tut, ist die chinesische Managerin. Die Reduzierung der Frauen in der Familie entspricht nicht meinen Erfahrungen mit Frauen, die ich z.B. in Nigeria und Uganda kennen gelernt oder auch in anderen Filmen gesehen habe. Der Realismus-Anspruch des Films greift hier leider nicht.
Schön sind die Aufnahmen aus N'Djamena und der Landschaft des Tschad, die meist entstehen wenn Adam mit seinem Motorrad unterwegs ist.
Un Homme qui crie ist der erste tschadische Film, der in Cannes im Wettbewerb lief und bekam den Jurypreis.





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