Freitag, 1. Mai 2020

Kundo - Age of the Rampant (SKR 2014, Jong-bin Yoon)

Kundo - Age of the Rampant
Am fünften Tag des virtuellen Videoclubs gab es mit Kundo scheinbar den ersten Eastern nach langer, langer Zeit oder vielleicht überhaupt. Zu dieser Premiere versammelten sich Andreas, Gunnar, Maren, Sven, Silke und Andreas B., Miriam, Larissa und Tilman (war es auch seine Premiere?? Ich glaube schon) – nach anfänglichen technischen Schwierigkeiten wurde um 21:30 Uhr gestartet.

Die Story ist simpel und nichts neues. Der arme Schlachter Dolmuchi will den Tod seiner Mutter und seiner Schwester rächen, die auf Befehl des bösen Jo-Yoon getötet wurden. Er schließt sich einer Handvoll Rebellen an, beklaut die Reichen, schenkt es den Armen und beim Showdown am Ende, man ahnt es, haucht der Bösewicht seinen letzten Atem aus.

Für mich war das wunderbares Unterhaltungskino von der ersten bis zur letzten Minute. Gute Story (es wurde erklärt, wie Jo-Yoon zum Bösewicht wurde ohne dass es dafür 3 Filme als Vorgeschichte brauchte), die Kampfszenen waren gut choreografiert ohne großen, störenden Einsatz von Seilen und Drähten, dass man sich fragen muss, wie kann ein Mensch 4 Minuten durch die Luft fliegen), Musik war ein herrlicher Mix aus Morricone und Western-Zitate. Das Setting und die Kostüme waren gut gewählt und die Gewalt war gewaltig aber niemals ausufernd oder splattermäßig.

Für die anderen Beteiligten war es jetzt kein Highlight. Für Miriam und Silke war es nicht ihr Genre und dann gab es verschiedene Kritikpunkte, die ich nicht nachvollziehen konnte. A) Der Bösewicht war die ganze Zeit zu perfekt böse und hatte nie eine Schwachstelle gezeigt. (hat es so einen Kritikpunkt jemals bei einem "James Bond" Film gegeben oder wurde das bei Darth Vader als negativer Punkt in einem "Star Wars" Film geäußert??)
Die Zitaten-Sammlung war teilweise zu viel oder übertrieben. Silke hat sogar Bezüge zu "Herr der Ringe" gesehen, hmmm ja, es gab sogar welche zu "The Shining" durch den Bauern, der eine Axt in den Händen hatte und zu "2001 - Odyssee im Weltraum" durch die Steintafeln vorm Kloster und an die Anleihen an "Fluch der Karibik" durch das Fernrohr in den Anfangsszenen will ich gar nicht erst anfangen.
Natürlich wurde auch IMDb (6.8) und Metacritic bemüht (56 based on 7 critic) - leuchtet mir sofort ein :-D
Dann wurde die ziemlich toughe und selbstbewusste Ma-hyang als Quoten-Schlumpfinchen enttarnt - ich bin überzeugt, dass das auch zu Abwertungen bei "House of Flying Daggers" und "Tiger & Dragon" geführt hat.
Sven war der Humor bei der ganzen Grausamkeit und Gewalt zu viel oder zu unpassend, während Andreas eher die Stellen ohne Humor doch arg aufgestoßen sind. Dann war der Film deutlich zu lang - sicher man hätte alles kürzen können aber für mich war nie Geplänkel oder Abschweifungen im Spiel. "Once Upon a Time in Hollywood" ist für mich ein Film mit unerträglicher Überlänge.

Also: Mein Fazit – super Unterhaltung mit Witz und guter Story. Es braucht am Ende eine wirklich Menge an Gewalt um zu zeigen, was alles passieren muss, bis sich die Bauern erheben und gegen ihr Schicksal ankämpfen – „Allein seid ihr Diebe zusammen seid ihr das Volk“ - passt also zum Tag der Arbeit.

Maren, Larissa und Tilmann fand den Film sehr gut.

Am Ende fällt mir dazu eigentlich nur ein Zitat von Homer Simpson ein: "But that's the great thing about art. Everyone can have their own opinion on why it sucks."

11 Kommentare:

Gunnar hat gesagt…

Dank für den erneut rasend schnell erstellten Blog-Eintrag. Beschämend für uns Trödler.

Bei deiner Zusammenfassung der Reaktionen gestern guckst du vielleicht ein bisschen zu sehr auf geäußerte Kritikpunkte und zu wenig auf die deutlich überwiegende Zustimmung. Könnte damit zu tun haben, dass keiner so uneingeschränkt begeistert war wie du. Aber bis auf Silke und Miriam haben doch alle den Film gern gesehen!

Ich auch, aber gut fand ich den Film trotzdem nicht. Mir ging es so, dass ich die Eingangssequenz inklusive dem Vorspann richtig toll fand. Die dadurch erweckten Erwartungen wurden dann aber vom Rest des Films nicht richtig erfüllt. Die Inszenierung war 1A, die Action-Sequenzen waren großartig, die formalen Spielereien wie Splitscreen und Extrem-Zooms wirkten passend und souverän. Aber die Figuren waren so dermaßen flach und egal, dass ich einfach kein Interesse am Fortgang des Ganzen entwickeln konnte. Was macht die Hauptfigur aus? Erst ist er nur dämlich und dann wird er wegen seines bemerkenswert großen Pimmels von den Räubern aufgenommen und da wird er dann ruckzuck zum heldenhaften Rächer und schlauem Robin Hood. Der Gegenspieler ist einfach nur ein Superböser, ein Teufel. Gegen Ende gibt’s dafür eine psychologische Erklärung, die plump, doof und aufgesetzt ist. Darth Vader oder Dr. No sind auch nicht besser, das stimmt. Aber wenn die Figuren schon so öde sind, dann muss wenigstens der Plot interessant sein. Ist er aber nicht, es folgen einfach nur Kampfszene auf Kampfszene. Mal greift die eine Seite an, dann wieder die andere. Und dieses Handlungselemente mit den den unterdrückten Bauern, die schließlich im völkischen Aufstand aufbegehren, ist populistischer Quark.

Was hätte es für mich rumreißen können? Vielleicht wenn der Regisseur Jong-bin Yoon sich von Tarantino auch in Bezug auf Dialoge hätte inspirieren lassen. Das Gerede ist aber nicht der Rede wert.

Kurz: Das Drehbuch ist das Letzte. Und da kann der begabteste Regisseur mit einem Riesenbudget, guten Darstellern, haufenweise guten Ideen und gutem Geschmack beim Zusammenklauen fremder Ideen nichts retten.

Miriam hat gesagt…

@Gunnar: Dafür, dass Du den Film gern gesehen hast, ist die Kritik dann aber doch ganz schön vernichtend...

Gunnar hat gesagt…

Die Choreographie war atemberaubend gut. Formal überhaupt alles. Kann man gucken. Aber bleibt unbefriedigend.

Rene hat gesagt…

@Gunnar: Ja, so ist das wohl, wenn man nen Film gut fand aber am Ende irgendwie immer noch der Wurm gesucht wird. Du erinnerst Dich an "US"???
Ich hab auch nicht den Wunsch, dass ihr genauso begeistert seid wie ich und ich kann auch damit leben, wenn Miriam und Silke sagen, es ist nicht ihr Genre.
Heavy Metal ist auch nicht mein Genre alle Jubeljahre versuch ich es und jedesmal nervt es mich wieder. Ich fand nur die im Beitrag genannten Kritikpunkte unverständlich. An ein Drehbuch, dass das letzte ist und öde Dialoge kann ich mich nicht erinnern.
Ich denke, es hat wohl viel mit Erwartungen zu tun. Ich habe gestern ein paar coole Roundkicks und viel Säbelrasseln erwartet und das wurde mehr als erfüllt. Ich wollte keine Bergmann Dialoge und auch keine ausgetüftelte Story - das man sagt, wow der Twist war jetzt aber echt überraschend.
Ich habe auch keine Lovestory gewollt und war echt froh, dass der Schlachter nix mit Schlumpfinchen anfängt und so war es auch.
Ich weiß auch, dass dieser Film nicht denn Oskar gewonnen hat oder in Zukunft irgend einen Preis einhamstert. Er hat mich gestern einfach super unterhalten. Punkt! Da muss ich jetzt nicht noch nach dem Haar suchen...

@Miriam: ja irgendwie komisch... Gern Gesehenes mit allerletztem Drehbuch
:-D
Das kann ich nun wieder feiern...

Larissa hat gesagt…

uff, Miriam spricht auch für mich mit)

Larissa hat gesagt…

Aber die Figuren waren so dermaßen flach... - So fand ich es auch, wobei es mir nicht so sehr gestört hat, weil ich den Film als "typisch asiatisch-historischer Kampfkünstefilm" eingestuft habe. ziemlich rassistisch von mir, muss ich zugeben 🙄

Larissa hat gesagt…

Unknown ist Larissa

Larissa hat gesagt…

(Larissa weiß nich, wie sie hier im Blog sichtbar wird!!)...

Also, nicht, dass ich den Film SEHR gut fand, lieber Rene!
Mir hat der Film gefallen wegen der ursprünglichen Naivität, mit der das absolute Böse und unerträgliche Unwissenheit gar Verblödung des Volkes gegenübergestellt sind. Über diesem Konstrukt steht dann noch ein buddhistischer Mönch: wann darf man töten und aus welchem Grund darf man es nicht? Und noch ein paar mehr seiner Sprüche, die der Philosophie der Gewalt gegenüber stehen.
Die Bande selbst war für mich zweitrangig. Dass das Böse stirbt, war ja klar. Also, war ich gespannt, um welche Figur es am Ende gehen wird...
"Allein seid ihr Diebe, zusammen seid ihr das Volk" - nach wievielen Toten?

herrlich naiv dargestellt, tanzen die "flachen" Figuren die schönen blutigen Choreographien zur Western-Musik in Bambus-Kakteen Wäldern in einem Revolution-Musical mit einem Hauch von Buddistischer Philosophie.

Naiv ist in diesem Falle als ein Lob gemeint!

Gunnar hat gesagt…

@Rene: Ist aber nicht wie bei "Us". Den fand ich gut. Und alle anderen fanden ihn richtig scheiße. Da gab' nicht den kleinsten positiven Aspekt, den irgendjemand entdecken konnte.
Andreas, Sven, Larissa, Tilmann, Maren und Maren haben sich gestern positv geäußert. Sogar ich habe mich zur Form positiv geäußert. Nur zwei von zehn fanden ihn komplett daneben. Wird sicher nicht der Film des Jahres, aber hat sich doch besser geschlagen als die meisten anderen Filme, die wir in den letzten Wochen gesehen haben.

Gunnar hat gesagt…

@Unknown: Unter dem Texteingabfeld im Kommentarformular wirst du doch aufgefordert, eine Identität zu wählen. Da könntest du einen anderen Namen als Unknown eintragen.

Larissa hat gesagt…

Larissa ist Larissa