Samstag, 25. Mai 2019

Wuthering Heights (UK 2011, Andrea Arnold)


Bei Silke. Mit Gunnar, Sven und – eine erstmalige Wiederkehr nach rund einem Dutzend Jahren – Eva Weikert.

Es gab die jüngste Verfilmung des altbekannten Stoffs von Emily Brontës gleichnamigen Roman von 1847, aber in wohl noch nicht gesehenen Bildern mit einer wilden, wettergepeitschten Landschaft sowie Schlamm, Kälte und Nebel. Und mit dem ersten schwarzen Heathcliff, ein Findelkind, dem Stiefbruder Hindley denn auch mehr als einmal das N*-Wort entgegenschleudert. Seine Stiefschwester Catherine und er hingegen sind einander bis zur Obsession zugetan, aber die Umstände sind nicht für sie. Übrigens auch nicht für die Tiere, mit denen fast ausnahmslos mitleidlos umgegangen wird: Welpen werden an ihrem Halsband an Zaunpfähle gehängt, Kaninchen gefangen und getötet, Federvieh der Hals aufgeschlitzt. Die unzuverlässige Haupt-Erzählerin des Romans Nelly ist hier im Film nur eine Nebenfigur. Behandelt wird auch nur die rund erste Hälfte des Romans, in dem dann das Elend in eine zweite Generation geht mit Hindley Sohn, Catherines Tochter und Heathcliffs Sohn.

Andrea Arnold verfilmte hier erstmals nicht ein eigenes Projekt, schrieb aber zusammen mit Olivia Hetreed das Drehbuch. Ihren Stamm-Kameramann Robbie Ryan ließ sie wieder verstörend-schöne Bilder liefern. Ryan kennen wir neben Arnolds „American Honey“ auch von Loachs „I, Daniel Blake“; er wurde bereits vielfach für seine Arbeiten ausgezeichnet.

Zu unserem Befremden wertet imdb nur mit 6,1 und Metascore immerhin mit 70. Auch Roger Ebert war nicht richtig begeistert, lobte zwar die Qualitäten des Films, vermisste aber schmerzlich die Unterhaltung und moserte denn auch: „I suppose life on an isolated moor was like that at the time, but do we need this much atmosphere?“

Fanden wir schon. Richtig guter Film mit beeindruckender Visualität, so die einhellige Meinung.

Hier noch ein Interview mit Andrea Arnold zum Film:
www.tribecafilm.com/stories/512c18cb1c7d76d9a9000a7d-andrea-arnold-was-nearly
Hier sagt sie etwa zur Wahl des Formats, das dem Bildschirm der Gastgeberin so gut entgegenkommt:
We shot a 4:3 ratio and did some tests and shot directly on the screen. It just looked so gorgeous. It’s a very beautiful, respectful frame for a single person. That’s why I like it, I think. The actors are not dwarfed by the space around them. The frame focuses around them and gives them respect. There’s no filler.

2 Kommentare:

Gunnar hat gesagt…

Visuell völlig ungewöhnlich und unerschrocken. So dicht dran, so eng die Anschnitte, so unruhig, schmutzig und unkonventionell: Sowas habe ich noch nicht gesehen. Für die Wirkung war vermutlich auch das Sound-Design verantwortlich, das mir aber nur ab und zu aufgefallen ist. Es schnaubt und raschelt und dröhnt und knarzt in einem zu und wirkt so, als seien die Geräuschquellen alle ganz nah dran.

Liegt der miserable IMDB-Wert vielleicht an der Heathcliff-Besetzung? Reflexhafte Totalabslehnung bei einigen Zuschauern? So wie beim Ghostbusters-Remake mit Frauen in sämtlichen Hauptrollen? Wut wegen vermeintlicher Kapitulation vor übertriebenden Forderungen nach Political Correctness? "Jetzt machen Sie uns auch noch die Klassiker kaputt! Die Zecken haben vor gar nichts Respekt!"

Andreas hat gesagt…

Kleiner Fun Fact vom VC-Statistiker (den Ihr aber vielleicht schon an dem Abend thematisiert hat): Welchen Film zeigte unsere aktuelle Rückkehrerin Eva am 8. März 2007, also relativ kurz vor ihrem Ausstieg aus unserer Runde, in Anwesenheit von Gunnar, Jens, Sven, Silke, Stephan Lamm, Tish und meiner selbst? Genau: "Wuthering Heights", allerdings in der klassischen Verfilmung von 1939 mit Lawrence Olivier. Das mit Evas Ausstieg lässt sich übrigens anhand unseres Blogs noch etwas näher präzisieren: Bei dem "runden Dutzend Jahre" Auszeit handelte es sich um ziemlich exakt elf. Ihr letzter Film war nämlich die finnisch-schwedische Komödie "Populärmusik aus Vittula" bei Sven am 13. Juni 2008.