Samstag, 4. Mai 2019

Call Me By Your Name (Luca Guadagnino, 2017)


Bei Gunnar, mit Maren, Silke, Andreas und Sven. Die Geschichte einer flirrenden ersten Liebe in einem ebenso flirrenden italienischen Sommer hat außer uns Gastgebern in unserer VC-Runde niemandem sonderlich gefallen. Sven hat zumindest die Ausstattung gelobt, ansonsten waren die Abgeneigten sich darin einig, dass der Film lang und langweilig sei.

Das Drehbuch hat James Ivory geschrieben, im Alter von 88 Jahren. Vielleicht erinnert ihr euch noch an "Zimmer mit Aussicht" seine Regie-Arbeit von 1985. Auch eine polyglotte Liebesgeschichte, im Sommer, in Italien, mit homoerotischen Andeutungen. Lief damals monatelang im frisch von Flebbe wiedereröffneten Holi-Kino.

Metacrititc: 92, IMDB: 7,9, Platz 178 auf der Meta-Liste TSPDT-21 (bestbewertete Filme des 21. Jahrhundert)

Das Filmlexikon: "Entspannt und fast beiläufig inszenierte Romanverfilmung, in der sich das Geschehen und die allmähliche Annäherung der Hauptfiguren mit sensibler Folgerichtigkeit entfalten. Dabei weist der hervorragend interpretierte Film in seiner Einlassung auf Sehnsucht und Vergänglichkeit weit über die Erzählung von erwachender Sexualität und homosexueller Romanze hinaus."

Marietta Steinart in der Zeit: "Guadagnino hat in Crema, der norditalienischen Stadt, in der er lebt, gefilmt und man spürt seine Liebe zu diesem Ort. Die Freude, an einem schwülen Tag in einen kalten Fluss zu springen; ein frisch gefangener Fisch, der nach Luft schnappt; eine entkorkte Flasche Rotwein; junge Mädchen, die in Badeanzügen radeln; alte Männer, die in der Bar im Dorf Karten spielen. Aus einem Autoradio dröhnt Love My Way von den Psychedelic Furs, sonst zirpen nur Grillen, oder klassische Klavierstücke unterlegen die zutiefst erotische Geschichte mit einem melancholischen Schimmer. Die Bilder stammen von dem thailändischen Kameramann Sayombhu Mukdeeprom, der schon für Apichatpong Weerasethakul (Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben) gearbeitet hat und der die Sinnlichkeit in jedem Bild spürbar macht. Als Zuschauer meint man das Salz auf den verschwitzten Körpern und die reifen Früchte in diesem Garten der Versuchung zu schmecken. Es ist ein Film, in dem man leben möchte."

Und Anthony Lane im New Yorker: "The film’s release could not be more propitious. So assailed are we by reports of harmful pleasures, and of the coercive male will being imposed through lust, that it comes as a relief to be reminded, in such style, of consensual joy. 'I don’t want either of us to pay for this,' Oliver says. By falling for each other, he and Elio tumble not into error, still less into sin, but into a sort of delirious concord, which may explain why Elio’s parents, far from disapproving, bestow their tacit blessing on the pact.

More unusual still is that the movie steers away from the politics of sexuality. Elio makes love to Marzia, on a dusty mattress, in a loft like an old dovecote, only hours before he meets with Oliver at midnight, but you don’t think, Oh, Elio’s having straight sex, followed by gay sex, and therefore we must rank him as bi-curious. Rather, you are curious about him and his paramours as individuals—these particular bodies, with these hungry souls, at these ravening moments in their lives. Desire is passed around the movie like a dish, and the characters are invited to help themselves, each to his or her own taste. Maybe a true love story (and when did you last see one of those?) has no time for types."

Vorab gab es "Une robe d'été" von Francois Ozon, an den ich sofort denken musste, als ich zum ersten Mal ein paar beschreibende Sätze über den Hauptfilm gelesen hatte. Es war eine Wiederholung, ich hatte den Kurzfilm vor zig Jahren schon einmal vorab gezeigt, aber keiner konnte sich erinnern.


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