
An einem der vielen heißen Abende dieses heißen Sommers bei Maren und Gunnar draußen auf dem Balkon. Anwesend waren außer den Gastgebern Miriam, Sven, Dieter und nur zum Vorfilm Andreas, der Elisa dann doch lieber zuhause zum Einschlafen hingelegt hat. Sven kannte den Film bereits, wie zu befürchten war, wusste das aber leider erst sicher, nachdem wir schon angefangen hatten zu gucken und hat freundlicher- und erfreulicherweise kein Veto eingelegt. "Mediterranea" erzählt nüchtern und unsentimental von zwei Immigranten aus Burkina Faso, die es bis nach Rosarno in Kalabrien geschafft haben. Der Verzicht auf Dramatisierung, Emotionalisierung und eine "Message" macht den Film weniger leicht zugänglich als Filme der Dardennes oder von Ken Loach und hat ihm vermutlich größere Popularität verwehrt. Die Kritiker sind mehrheitlich begeistert, die Amateur-Gucker dagegen etwas weniger enthusiastisch (einerseits Metascore 77, andererseits IMDB-User nur 6,5; bei Rotten Tomatos noch deutlicher: Tomatoscore (Kritiker) 90%, Audience Score 53%)
Was wir beim Gucken nicht wussten: Die Darsteller sind allesamt Laien, der Hauptdarsteller spielt im Wesentlichen seine eigene Geschichte, er kommt tatsächlich aus Burkina Faso, ist tatsächlich in Rosarno gelandet und dort gab es auch wirklich 2010 die gezeigten Ausschreitungen. Carpignano hat vorher zwei Kurzfilme und gerade erst einen zweiten Spielfilm gemacht, die allesamt in Rosarno spielen und mit teils identischen Darstellern und Figuren verwandte Geschihten erzählen.
Im Guardian schrieb Jordan Hoffman: "If a movie as rich and understanding as Mediterranea suddenly appeared every time we read about a difficult issue in the paper, maybe all of the world’s problems could be solved." Wie trügerisch diese Hoffnung ist, mussten wir leider selbst erleben. Bei dem unerquicklichen Gerede im Anschluss wurde überdeutlich, dass auch ein so behutsam und objektiv erzählter Film bei jemandem, dessen Denken offenbar von AFD-Ängsten bestimmt wird, überhaupt nichts bewirkt außer wirren Abwehr-Reflexen. Ein unvergesslicher Abend.
Hier ein Interview mit dem Hauptdarsteller:
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