Freitag, 13. September 2024

Banditi a Milano (Italien 1968, Carlo Lizzani)

 

Warum der Film im englischen The Violent Four betitelt wurde? Klingt wahrscheinlich knackiger als das spröde "Banditen in Mailand". Wobei der Film im Dokumentarstil beginnt und nüchtern von aktuellen Verbrechern berichtet, die viel brutaler seien, als es die alten Gentleman-Gangster vormals waren. Einer der letzteren kommt noch zu Wort: irgendwie sei man stilvoller gewesen. 

Wie dem auch sei: in der Telko im Nachgang – eine Hamburger Runde bei Andreas im Herrengraben mit Gunnar, Lisa, Katrin, Stefan (!) und Ute plus einem einzelnem Telefonierer aus Berlin (Vorführer Jö)  – wurden diese Fragen kontrovers erörtert. Die eine Fraktion gewann dem Film hohen Unterhaltungswert ab (spielerische Form, non-lineare Erzählung, Fragmente, die sich spät zu einem Gesamtbild erschließen, Spannung), die andere bemängelte, hm, Mängel (keine Charakterentwicklung, langweiliger Plot, fehlende Spannung). Demgegenüber hielt die erste Fraktion entgegen, dass dies doch gerade gut sei. Die andern waren, nun ja, nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Mir haben die 60er Autojagden, Massenaufläufe von Polizeitrupps auf der Suche nach dem Bösen und die ungewöhnliche Erzählstruktur mehr Spaß gemacht, als sonst bei Gangsterfilmen. Die Nüchternheit der Erzählung sprach mich an.

Wie dem auch sei: eine kleine Nebenrolle hatte Margaret Lee, die dieses Jahr verstorben ist. Letzt schaute ich einen YouTube-Clip darüber, welche Schauspieler/innen dieses Jahr schon gestorben waren. Da ich schon immer etwas für platinblonde 60er-Damen übrig hatte, recherchierte ich und kam auf diesen Film von Carlo Lizzani, der mit noch einem weiteren, neben diesem, auf Gunnars 100 italienische Filme-Liste vertreten ist. Das ist eine offizielle Liste des italienischen Kulturministeriums von Filmen, die zum kollektiven Gedächtnis beigetragen haben. Auch hier bei Wikipedia.

Der Film lief seinerzeit auf der Berlinale. Hätte in Cannes laufen sollen, wurde aber wegen der Mai-Unruhen abgesagt. Für das beste Drehbuch gab es einen David-di-Donatello-Preis. 

Eigentlich wollte ich ja Fellinis Casanova zeigen, aber dagegen wurde großer Unmut laut. Obwohl doch Donald Sutherland die Hauptrolle hatte! Ich wette, ein großer Fehler, der da in Hamburg begangen wurde.

Das war's.


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