Freitag, 6. Oktober 2023

Violent (CAN 2014, Andrew Huculiak)

Violent (2014)

Heute Abend gab es einen komischen Indie-Film aus Kanada, der in Norwegen spielt. 

Erzählt wird eine Coming-of-Age Geschichte einer jungen Frau, die aus ihrer Einsamkeit ausbrechen und eine neues, besseres Leben beginnen möchte - doch alles ist vergeblich, denn ihre Welt geht unter.

...und das gleich am Anfang. Wir sehen die Autofahrt zum Bergen-Airport und mitten auf einer Brücke explodiert ein Kraftwerk (oder ähnliches) und die Szene endet mit einem Licht-(Atom)-Blitz. Bevor die Protagonistin Dagny von der Druckwelle dahingerafft wird, präsentieren sich ihr in fünf Episoden die Menschen, die sie geliebt haben. Astrid, die kleine Schwester, Embla, ihre beste Freundin, Bengt, ein Bekannter der Mutter und ihr neuer Arbeitgeber, Andrew, ein neuer Freund, und der Großvater.

It feels like water.
It feels like electricity.
It feels like a humming fridge.
Then she saw the people who loved her most.

Ende der Geschichte.

ABo hab ich, glaube ich, mit diesem Film den Abend versaut, denn er hat sich schon vor der Abschluss-Telko "totally lost" abgemeldet. Silke hat lieber deutsche Comedy-Serien über Menopausen angescheut (hab ich sofort verstanden). Tilmann fand den Film teils/teils aber genervt hat ihn die drohende Spannung, dass da noch was ganz schreckliches passieren könnte. (Hey, zum Glück ist nur ganz Bergen in die Luft geflogen) und der einzige mit dem ich reden konnte - Gunnar war einziger Real-Gast bei diesem Mini-VC - hat wieder gezetert, dass das Licht Scheiße ist. Also es gab für ihn auch einige gute Dinge - einige schöne Aufnahmen und die Story von "Bengt" war bonfortionös.
Aber weder Tilmann noch Gunnar haben verstanden, dass die Klammer des Films (die Explosion) wirklich vorhanden, gezeigt wurde und wahrnehmbar war.

Gunnar war dann etwas schockiert, dass er es nicht kapiert hat und scheinbar nur lose (schlecht ausgeleuchtete) Episoden mit kruden, avantgardistischen Szenen von herumfliegenden oder schwebenden Dingen gesehen hat.

Ich war eigentlich ganz dankbar, dass Gunnar da war, denn wir haben doch einige Male herzlich gelacht - alleine wäre ich wahrscheinlich ziemlich schlecht drauf gekommen, denn die eigentliche Katastrophe war die Einsamkeit von Dagny, die sooo unglücklich war, dass in fast jeder Szene ihre Qualen deutlich wurden. Blicke kurz vorm Heulen, Einstellungen in dem sie ganz allein im Fokus stand. Die Szenen ihrer "neuen" Wohnung total deprimierend.

Ich hatte eigentlich was ganz anderes erwartet - der Film ist mir Anfang des Jahres bei Amazon Prime aufgefallen (ja, ich geb es zu - es war wieder das Film-Cover, dass mich gecatched hat) und als ich bei IMDb die Bewertungen und den Kommentar gelesen hatte 
There was no production vehicle, so the crew carried all the gear to the locations, often walking over 10 kilometers per day.
dachte ich: das wird ein norwegisches Naturspektakel - weit gefehlt!

Mir hat der Film gut gefallen - auch wenn der Inhalt teilweise etwas zu "gewollt" daherkam - scheiß auf Ton & Beleuchtung bei einem Erstlingswerk und Low-Budget Produktion. Für mich war die Einsamkeit spürbar & das hat mich getouched.

Wer jetzt total abgeturned ist - schaue sich NUR die Episode mit Bengt an - das war ganz großes Kino. Komödie, Horror und Gesellschaftsdrama in einem. Wer kriegt sowas hin & der Bengt-Darsteller war oskar-verdächtigt. Alleine dafür lohnt sich dieser Film.

Gunnar hat mich am Ende beim Mario-Cart fahren einmal gewinnen lassen und eine Haribo-Himbeere übergelassen - ich sag jetzt nicht, was das mit mir gemacht hat aber jetzt geht's mir besser.

It feels like water.
It feels like electricity.
It feels like a humming fridge.

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