Silke gab im VVC heute die Vorführerin. Dabei waren Andreas, Gunnar, Tilmann, Miriam, Sven, Silke und ABo sowie – zunächst, dann entschwunden mit unterschiedlich glaubwürdigen Ausr… äh … ENTSCHULDIGUNGEN – die Ver… äh … ABBRECHER Rene, Maren und auch Carmen.
Wer sich fragt, wie das gemacht wurde, dem hilft Wikipedia weiter:
Ihre Animation mit Silhouetten fotografierte sie auf einem selbstgebauten Tisch. Eine Glasplatte wird von unten beleuchtet, darauf werden die aus schwarzer Pappe geschnittenen und beweglichen Figuren gelegt. Eine oberhalb des Tisches angebrachte Kamera fotografiert die Szene. Die frühen Stummfilme verlangten 16 Aufnahmen je Sekunde.
Wir sahen die restaurierte Fassung von 1999, dem 100ten Geburtstag von Reiniger, die als der Originalfassung des Films gleichwertig gilt. Sogar die Originalpartitur der Filmmusik wurde gefunden und kam zum Einsatz; sie hatte zudem wichtige Hinweise auf den intendierten Schnitt gegeben. Die 124 einstigen Zwischentitel wurden auf einer Zensurkarte zum Film gefunden. Welch ein Puzzlespiel.
Die beiden Vorfilme waren: Harlekin (1931) und Papageno (1935). Selbst wenn der Plot und die Erzählweise uns jeweils nicht so vom Hocker haute – die Bilder, die Reiniger und Team konstruierten, waren von betörender Schönheit, wie Maren es auf den Punkt brachte. Dass man mit Papierschnipseln eine bewegte Wasseroberfläche so überzeugend darstellten kann, und das bereits in der Weimarer Zeit, ließ mich Bauklötze staunen ebenso wie über die farbleuchtenden und liebvoll bis ins Detail gestalteten Hintergründe. Visuell jedenfalls hat der Film bis heute nichts von seiner Faszination verloren.
Wer mehr sehen will: Der Master hat inzwischen in der Mediathek hinzugefügt Cinderella (1922) und Carmen (1933).
In der TSPDT-Liste der besten 1000 Filme rangiert „Achmed“ übrigens auf Platz 982.
Ich hatte zuvor mal gelesen, dass Reiniger weltweit Einfluss genommen hat auf Filmschaffende und ihre Werke, genannt wurde u.a. „The Night of the Hunter“ (USA 1955) von Charles Laughton und seinem Kameramann Stanley Cortez (explizit bspw. im Wikipedia-Eintrag zu diesem im wahrsten Sinne des Wortes Film noir). Ich hab den inzwischen endlich mal gesehen (großartig, find ich) und sehe hier visuell viele Einflüsse vom deutschen Expressionismus – etwa das bewusst künstlich gehaltene Szenenbild. Wer den kennt, hat wahrscheinlich auch Reiniger mindestens zur Kenntnis genommen. Hier einige Stills aus dem bösen Kinderschocker-Alptraum, die man als visuell ähnlich zu Reinigers Bildgestaltung ansehen kann, wenn man will:
That's all for today, folks. Vielleicht folgt mal mehr zum Thema Reiniger, ihren traumhaften Bildarrangements und intertextuellen Bezügen, wenn mehr Zeit.









4 Kommentare:
Danke für all die Infos. Und für die Mühe, Stills aus dem Mitchum-Film rauszusuchen. Die sehen wirklich nach Scherenschnitt aus.
Superwortschöpfung übrigens, Illustrer als Substantiv. Wäre ein schöner Titel: Die Illustren. Klingt fast ein bisschen nach Illuminaten.
Vergrippt zu sein, hat auch Vorteile. Man kann zum Beispiel wieder mal eine Serie gucken. Die neueste Staffel von „Babylon Berlin“ etwa. Zu meiner Verblüffung wurde eine erzählte Rückblende in das Jahr 1915 illustriert im Stil von Lotte Reininger – bewegte Scherenschnitte vor bunten Farben. Sehr gelungene Hommage.
„Babylon Berlin“, 4. Staffel, Folge 11, Minute 28:20– 29:50.
Noch in der ARD-Mediathek verfügbar bis 14.06.2024 unter:
https://www.daserste.de/unterhaltung/serie/babylon-berlin/videos-extras/staffel-04/babylon-berlin-staffel-4-folge-11-100.html
Erstaunlich. Das macht mir die Serie ja gleich ein bisschen sympathischer.
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