Bei Silke. Mit Gunnar, Rene und Sven. Ausnahmsweise an einem Freitag diese Woche. Wir sehen Christine McPhersons letztes Jahr an einer katholischen Highschool in Sacramento. Sie zieht es aber vor, mit dem Filmtitel gerufen zu werden und fürs College an die Ostküste zu gehen, wo es so was wie Kultur gäbe. Im Grunde ist es das Prequel zu Mistress America (2015) und Frances Ha (2012). Gerwig führte hier allerdings das erste Mal allein Regie; auch das Drehbuch stammt von ihr. Als Untertitel taucht manchmal sehr passend für einen Coming-of-age-Film "Time to Fly" auf. Das Filmplakat aber nutzt mich befremdende deutsche Schrift, daher hier statt dessen Lady Birds Wahlplakat zur – Schülersprecherwahl war's wohl. Bei Auseinandersetzungen mit der Mutter bleibt manchmal nur, sich aus Protest aus dem fahrenden Auto zu werfen. Bringt aber einen schicken pinken Armgips ein (Pretty in Pink). Und wenn die Mutter darauf hinweist, was ein Kind so kostet, kann man schon mal die Nennung der Summe verlangen, damit man ihr auf Heller und Pfenning zurückzahlen kann, wenn man später mal reich und berühmt geworden ist. Wenn man allerdings im heimischen Badezimmer von ihr zurechtgewiesen wird, weil man verschwenderisch ein Handtuch für den Körper und auch noch eines für die Haare genommen hat, bleibt nur, sich beschämt zu fühlen. Aber wenn sie dann im Second-hand-Laden das richtige Kleid für Thanksgiving bei der Familie des boy friend findet, fühlt man sich doch mal richtig von ihr verstanden (wieder: Pretty in Pink, erinnert wohl nicht zufällig an Molly Ringwalds Kleid im gleichnamigen Film).
Gefiel allen gut gerade wegen seiner Unaufgeregtheit und weil es keine dramatischen Konstellationen gab, die Autoverfolgungsjagden oder andere spektakuläre Stunts erforderten. Nur Sven meinte, es sei doch nicht so spannend, langweiligen Menschen dabei zuzusehen, wie sie langweilige Dinge tun. Erhielt den Golden Globe für den besten Film und die besten Hauptdarstellerin (Saoirse Ronan) sowie diverse Nominierungen für Preise, deren Vergabe noch in der Zukunft liegt, u.a. für 5 Oscars.
- imdb: 7,8
- Metascore: 94
- Tomatometer: 99%, Audience score: 81%
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Wir stritten anschließend noch ein wenig darüber, ob es viel weniger Coming-of-age-Filme mit weiblichen Protagonisten gibt als mit männlichen oder nicht. Gunnar hat inzwischen Internet-Recherche betrieben, die ich Euch nicht vorenthalten möchte; es gibt also viel zu tun bzw. zu schauen demnächt. Ich habe die Listen um Angaben angereichert, damit wir wissen, was vielversprechend sein könnte und was eher nicht – vielleicht komme ich demnächst noch mal dazu, das zu vervollständigen.
Einiges haben wir bereits gesehen im VC: Mustang, In Bloom, An Education – Juno wohl auch, war ich aber nicht dabei; bei Frances Ha bin ich nicht sicher, ob das nicht den Genrebegriff zu sehr in die 20er ausweitet. Wadjda wollte ich mal zeigen – kannte Sven aber natürlich schon wieder. Und Somersault hatte ich schon bereit gehalten für eine VC-Sitzung, hatte aber ein wenig Angst, weil die Bewertungen nicht sooo gut sind. Als einer von wenigen der gelisteten Filem hab ich Fish Tank gesehen; mochte ich richtig gern, war aber vorher schon Andrea-Arnold-Fan.
7 Female-Centric Coming-of-Age Movies to Watch Like ‘Lady Bird’:
Ich kenne merkwürdigerweise keinen der Filme, von fünfen hab ich noch nicht einmal den Titel je gehört. Weitere von Gunnar genannte Links:
- The Diary of a Teenage Girl (USA 2015, B+R: Marielle Heller. IMDB: 6,9 – Metascore: 87)
- The Edge of Seventeen (USA 2016, B+R: Kelly Fremon Craig. IMDB: 7,4 – Metascore: 77)
- Mistress America (2016, R: Noah Baumbach, B: ders., Greta Gerwig. IMDB: 6,7 – Metascore: 75)
- Girlhood (Frankreich 2014, B+R: Céline Sciamma. IMDB: 6,9 – Metascore: 85)
- Turn Me On, Dammit! (Norwegen 2011, B+R: Jannicke Systad Jacobsen. IMDB: 6,3 – Metascore: 70)
- Wetlands (Feuchtgebiete, D 2013, R: David Wnendt, B: ders., Claus Falkenberg. IMDB: 5,8 – Metascore: 77)
- Pretty in Pink (USA 1986, B: John Hughes, R: Howard Deutch. IMDB: 6,8 – Metascore: 56)
– "Gerwig herself has been open about the many films that inspired “Lady Bird” — she even programmed an entire series at NYC’s Quad Cinema featuring a dozen films that she says helped fuel her creativity — and it while the list is peppered with some surprises, there’s at least one coming-of-age classic that seems obvious: Howard Deutch’s “Pretty in Pink.”
www.raindance.org/10-of-the-best-female-coming-of-age-films-21st-century
www.tasteofcinema.com/2014/20-great-female-coming-of-age-movies-that-are-worth-watching/1. Mustang (2015) Dir: Deniz Gamze Ergüven
2. An Education (2009) Dir: Lone Scherfig
3. Wadjda (2012) Dir: Haifaa Al-Mansour
4. Electrick Children (2012) Dir: Rebecca Thomas
5. Fish Tank (2009) Dir: Andrea Arnold
6. Pariah (2011) Dir: Dee Rees
7. Blood Pulls A Gun (2014) Dir: Ben Briand
8. Samson & Delilah (2009) Dir: Warwick Thornton
9. Girlhood (2014) Dir: Céline Sciamma
10. He Named Me Malala (2015) Dir: Davis Guggenheim
1. Welcome to the Dollhouse (1995) Dir. Todd Solondz
2. An Impudent Girl (1985) Dir. Claude Miller
3. Thirteen (2003) Dir. Catherine Hardwicke
4. Crooklyn (1994) Dir. Spike Lee
5. Turn Me On, Dammit! (2011) Dir. Jannicke Systad Jacobsen
6. Sixteen Candles (1984) Dir. John Hughes
7. Somersault (2004) Dir. Cate Shortland
8. Fat Girl (2001) Dir. Catherine Breillat
9. Ghost World (2001) Dir. Terry Zwigoff
10. My Girl (1991) Dir. Howard Zeiff
11. Fish Tank (2009) Dir. Andrea Arnold
12. Water Lillies (2006) Dir. Céline Sciamma
13. Wetlands (2013) Dir. Peter Wnendt
14. Frances Ha (2013) Dir. Noah Baumbach
15. Electrick Children (2012) Dir. Rebecca Thomas
16. Blue is the Warmest Color (2013) Dir. Abdellatiff Kechiche
17. Pariah (2011) Dir. Dee Rees
18. An Education (2009) Dir. Lone Scherfig
19. Carrie (1976) Dir. Brian de Palma
20. Now and Then (1995) Dir. Lesli Linka Glatter
www.hypable.com/female-led-coming-of-age-movies:
- (oben schon in der Liste) The Diary of a Teenage Girl (USA 2015, B+R: Marielle Heller. IMDB: 6,9 – Metascore: 87)
- Juno
- The Duff
- Mean Girls
- An Education
Hier die Sparte gesehen mit einem special interest:
5 Most Daring Portrayals of Female Coming-of-Age Sexuality in Movies:
Obwohl, jetzt doch noch einige Ergänzungen von mir:
–Brave (Brenda Chapman, Mark Andrews – Pixar, 2012)
–Ginger and Rosa (Sally Potter, 2012)
–Heavenly Creatures (Peter Jackson, 1994)
–Kick it like Beckham (Gurinder Chadha, 2002)
–Kiki's Delivery Service (Hayao Miyazaki – Ghibli, 1989)
–Virgin Suicides (Sophia Coppola, 1999)
–When Marnie Was There (Hiromasa Yonebayashi – Ghibli, 2014)
–Winter's Bone (Debra Granik, 2010)
- Somersault (AUS 2004, B+R: Cate Shortland. IMDB: 6,8 – Metascore: 73)
- (oben schon in der Liste) Wetlands (Feuchtgebiete, D 2013, R: David Wnendt, B: ders., Claus Falkenberg. IMDB: 5,8 – Metascore: 77)
- (oben schon in der Liste) Turn Me On, Dammit! (Norwegen 2011, B+R: Jannicke Systad Jacobsen. IMDB: 6,3 – Metascore: 70)
- Blue is the Warmest Color (La vie d’Adèle, Frankreich 2013, R: Abdellatif Kechiche, D: ders., Ghalia Lacroix; nach dem Comic von Julie Maroh, IMDB: 7,8 – Metascore: 88, Palme d’Or winner)
- Pariah (USA 2011, B+R: Dee Rees. IMDB: 7,2 – Metascore: 79)
- Ghost World
- Fucking Åmål (Schweden 1998)
- Nach fünf im Urwald (D)
- In Bloom (Georgien)
- Ida (Polen)
- Easy A a.k.a. Einfach zu haben (IMDB: 7,1 – Metascore: 72)
- The Fault in our Stars a.k.a. Das Schicksal ist ein mieser Verräter (USA 2014, IMDB: 7,8 – Metascore: 69)
Obwohl, jetzt doch noch einige Ergänzungen von mir:
–Brave (Brenda Chapman, Mark Andrews – Pixar, 2012)
–Ginger and Rosa (Sally Potter, 2012)
–Heavenly Creatures (Peter Jackson, 1994)
–Kick it like Beckham (Gurinder Chadha, 2002)
–Kiki's Delivery Service (Hayao Miyazaki – Ghibli, 1989)
–Virgin Suicides (Sophia Coppola, 1999)
–When Marnie Was There (Hiromasa Yonebayashi – Ghibli, 2014)
–Winter's Bone (Debra Granik, 2010)
10 Kommentare:
Sehr interessant, schade, dass ich nicht dabei war. Von den genannten Filmen haben wir übrigens mindestens mindestens zwei weitere im VC gesehen:
Welcome To The Dollhouse
9. November 2006
bei Stephan
mit A, St, Ina, Tish
Ghost World
2. August 2007
bei Andreas
mit St, Sv, Constanze, Eva, Larissa, Silke, Stephan
Dass du "Wadjda" aus Saudi-Arabien nicht zeigen konntest, war nicht Svens, sonderm meine Schuld...
Ich habe nicht gesagt und auch nicht gemeint „es sei doch nicht so spannend, langweiligen Menschen dabei zuzusehen, wie sie langweilige Dinge tun“. Ich habe mich nicht gelangweilt mit dem Film. Ich habe gesagt, die dargestellten „Mittelstandsproblemchen“ berührten mich nicht. Und dass es nicht der erste Film ist, mit dem es mir so geht.
Stimmt.
Den Biker-Film Wadja kannte ich aber auch!
...und mein female coming-of age Film aus Deutschland hieß: "am Himmel der Tag"
Somersault hat als Hauptdarstellerin die Frau des Sheriffs aus 3 Billboards.
...und Turn Me on, Goddammit! Hab ich hier liegen - Norwegisch mit englischen Untertiteln.
Electric Children und The Edge of Seventeen stehen auf meiner Watchlist!
Kaum sind zwei Jahre und neun Monate vergangen, schon habe ich es geschaftt, diesen Film nachzuholen. Jetzt können die anderen ca. 20 hochgelobten Filme, die ich seitdem im VC verpasst habe, kommen! "Lady Bird" fanden Katrin und ich allerdings etwas enttäuschend, und ich glaube, wenn Ihr ihn jetzt noch mal gucken würdet, würde Euch das auch so gehen. Man kennt diese Art Filme und die dort gezeigen Menschen mittlerweile einfach schon zu gut, und das, obwohl Greta Gerwig den allerschlimmsten Klischees durchaus erfolgreich aus dem Weg geht (die gutaussehende, reiche High-School-Bitch ist doch ganz in Ordnung, bleibt aber trotzdem mäßig sympathisch – toll!). Aber irgendwie scheint mir die Lage der US-amerikanischen Mittelklasse durch die fleißige Arbeit hervorragender Filmer allmählich auserzählt zu sein – da hatte Svens damals geäußerte Einschätzung fast schon etwas Prophetisches.
Wieso prophetisch? Ich hab den Film damals doch gesehen.
Naja, prophetisch war nicht ganz das richtige Wort. Wollte damit sagen, dass Du die Krise ím Mittelklassen-Erzählkino schon erkannt hast, als es sie noch gar nicht so richtig gab.
Bezieht sich auf deine viel zitierte Aussage an dem Abend, dass du keine Filme sehen willst über Luxusprobleme von gutsituierten Erste-Welt-Menschen.
Ich nehme bestimmt nicht in Anspruch, eine Krise erkannt zu haben, aber wenn ich da etwas erkannt habe, dann war es schon da. Und ich hab natürlich auch schon deutlich ältere Filme gesehen, an denen mich das gleiche Symptom gestört hat, was mich auch bei Lady Bird gestört hat. "Filme über die Probleme von Leuten, die keine Probleme haben". Von "Luxusproblemen von gutsituierten Erste-Welt-Menschen" habe ich jedenfalls garantiert nie gesprochen. Da werde ich schon wieder falsch zitiert. Ich weiß wohl, dass auch solche Leute echte Probleme haben können und den Film gucke ich mir auch an.
Und ich freue mich natürlich, dass Ihr meine Kritik versteht.
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