Donnerstag, 1. Dezember 2016

Okraina (SU 1933)

Bei Sven, zugegen waren Silke, Gunnar, Sven und mit Verspätung Carmen

Regie: Boris Barnet

"Okraina" (deutscher Titel: Randbezirk) scheint nicht zu den russischen Filmklassikern gezählt zu werden, obwohl er meiner Meinung nach alles mitbringt, was ein Film dafür braucht.
Die Geschichte ermahnt uns zu Internationalismus wenn der bürgerliche deutsche Einwanderer zum Ausbruch des 1. Weltkriegs wieder nach Hause will, während der deutsche Soldat (gespielt von Hans Klering) zum Überläufer wird und zum Kampf gegen opportunistische Politiker und Kriegsprofiteure, selbst wenn sie nur Stiefel produzieren lassen. Dem Schuhmacher als klassenbewusstem Handwerker und Arbeiter wird mit dem Film ein schönes Denkmal gesetzt. Sehenswert auch der Auftritt von Yelena Kuzmina als die junge Manka, die sich den Regeln von Dorf und Vater widersetzt, um sich mit dem deutschen Soldaten zu treffen.
So wenig überraschend die visuelle Nähe zum Stummfilm ist, so bemerkenswert ist die Soundkulisse, wenn ich sie mal so nennen darf. Allerlei schwer zu definierende Geräusche, die das Spektrum zwischen dröhnendem Radiorauschen aus dem Keller und früher Sciencefiction-Elektronik abdecken. Erstaunlich für einen ziemlich frühen Tonfilm und durchaus lustig.
Uns hat der Film ziemlich gut gefallen (oder?), er ist für die Entstehungszeit und -umstände technisch gut, unterhaltsam und punktuell auch lustig, spart aber auch die Härten des Krieges nicht aus. Die 7,3 bei IMDb sind auf jeden Fall gerechtfertigt und es könnte sich lohnen, nach weiteren Filme von Boris Barnet zu suchen.

1 Kommentar:

Gunnar hat gesagt…

IMDB-Nutzer leoperu: "It's difficult for me to judge Rivette's statement about Boris Barnet having been the greatest of Soviet filmmakers after Eisenstein ; I definitely prefer his works to Eisenstein's or let's say Pudovkin's.

Even in our postmodern days, Barnet's hybrid of social realism, satire, romance, genre movie, musical and slapstick may be called eccentric. Rich, dynamic mise en scene is quintessential of this masterpiece condemnation of militarism, nationalism (and capitalism). It consists of two distinct parts, the first, pre-war one mixing realism with bizarre humour, the second delivering images of war rare in their docu-like naturalism far from Eisensteinian pathos."