Donnerstag, 1. September 2016

"Mulholland Drive" (USA 2001)

Naomi Watts hat uns besonders gut gefallen
Gerade wollte ich hier in einem Post "außer der Reihe" die Tatsache kommentieren, dass in einer BBC-Liste der besten Filme des 21. Jahrhunderts mit "Mulholland Drive" ein Streifen auf Platz 1 steht, den ich aus unerfindlichen Gründen nie gesehen habe – da ergibt sich durch eine Verkettung von Zufällen die Gelegenheit, genau diesen Film im Videoclub zu gucken. Zufall Nr. 1: Gunnar war wieder nicht dabei – der hätte den bestimmt gekannt. Zufall Nr. 2: Ute hatte unaufgefordert ein paar DVDs mitgebracht, unter denen sich eben auch "Mulholland Drive" befand. Zufall Nr. 3: Silke und Sven hatten den auch noch nie gesehen, warum auch immer.

So kam nun also David Lynch zu seinem zweiten VC-Einsatz (nach "The Elephant Man" 1998, im ersten Jahr des Videoclubs!).

Zu dem Film ließe sich natürlich sehr viel sagen, tatsächlich so viel, dass es mir komisch vorkäme, hier ein paar einzelne Sätze zu formulieren (und für eine ausführliche Diskussion fehlt mir leider die Zeit). Deswegen nur die ganz kurze Feststellung, dass wir alle, also Sven, Silke, Ute und ich, den Film über seine komplette Länge von 140 Minuten gebannt verfolgt haben, dass er uns, wie nicht anders zu erwarten, recht verwirrt zurückließ, und dass ich persönlich wie schon vor fast 20 Jahren bei "Lost Highway" hin- und hergerissen war zwischen Faszination angesichts der Suggestivkraft der Lynch'schen Visionen und Abscheu angesichts des prätentiösen Kitsches, den der Meister dann eben auch immer mal wieder einbaut.

Was die Deutung der rätselhaften Handlung und insbesondere des letzen Filmfünftels angeht, so neige ich dazu, mich ausnahmsweise mal Silkes Interpretation anzuschließen; demnach sind die ersten vier Fünftel nur Traumvisionen von Naomi Watts' Charakter aus dem letzten Fünftel.

Das Filmlexikon macht es sich eher einfach:

"Ein Unfall auf einer kurvenreichen Landstraße, bei dem eine Frau ihr Gedächtnis verliert, dient als Aufhänger für eine Vielzahl scheinbar unabhängiger Begegnungen im Umfeld der Filmmetropole Hollywood. Ein hypnotisch-albtraumhaftes Traum- und Vexierspiel, das sich der linearen Nacherzählung verweigert, weil Personen ihre Identität wechseln und viele Handlungsstränge so ineinander geschlungen sind, dass sie wie ein Endlosband funktionieren. Handwerklich perfekt, ideenreich und inszenatorisch bestechend, zerpflückt der Film lustvoll die Medienmythen der Gegenwart und lässt sie in Gestalt eines Horrorthrillers im kalten Entsetzen kumulieren, ohne dass David Lynch damit seinem bekannten Oeuvre etwas erkennbar Neues hinzufügen würde."

P. S.: Was war eigentlich am 4. und 11. August los? Vielleicht hat ja jemand Lust, noch eine kurze Notiz zu schreiben. Ich war jedenfalls nicht anwesend.

1 Kommentar:

Silke hat gesagt…

Norman N. Holland, den ich heute schon bei dem Eintrag zu "Stories we tell" empfohlen habe, hat übrigens auch zu "Mulholland Drive" einige anständige Anmerkungen gemacht: http://www.asharperfocus.com/Mulholland.html