Mittwoch, 4. Mai 2016

"Du levande" (Schweden 2007; als weitere Produktionsländer werden genannt: DK, NW, D, FR)


Bei Silke, ausnahmsweise am Mittwoch, da am Donnerstag Himmelfahrt.  Mit Andreas, Gunnar, Sven.

"("You, the living", "Das jüngste Gewitter") ist der vierte Langfilm des schwedischen Regisseurs Roy Andersson. Stilistisch ähnlich dem vorhergehenden Werk "Songs from the Second Floor", beschreibt er in zahlreichen lose verbundenen Episoden einen Tag im Leben einiger Menschen in einem surreal verfremdeten Göteborg. Die erzählten Geschichten sind tragikomisch bis grotesk; die zugrundeliegenden Themen reichen von Entfremdung und Unmöglichkeit von Kommunikation bis zu Wirklichkeitsverlust und Hoffnung" (Quelle: deutsche Wikipedia).

"The title comes from a stanza in Goethe's Roman Elegies, which also appears as a title card in the beginning of the film: "Therefore rejoice, you, the living, in your lovely warm bed, until Lethe's cold wave wets your fleeing foot" (Quelle: englischsprachige Wikipedia). Hübscherweise steht auf einer Straßenbahn als Zielstation "Lethe".
    Freue dich also, Lebendger, der lieberwärmeten Stätte, / Ehe den fliehenden Fuss schauerlich Lethe dir netzt.

Als Musikverantwortlicher wird ABBAs Benny Andersson genannt (kein Hinweis, dass verwandt oder verschwägert), aber es wurden eigentlich nur seine Reste von "Songs from the Second Floor" recycelt, weil er in dem Jahr sich lieber am "Mamma Mia"-Film beteiligte. Die im Film gespielten Dixieland-Stücke sind Aufnahmen von Papa Bue’s Viking Jazzband.

Der Film war in Schweden sehr erfolgreich und gewann u.a. 2007 den Guldbagge für: Beste Regie, Bester Film, Bestes Drehbuch.

Bis auf eine Szene wird alles von einer festgenagelten Kamera in der Totale gezeigt. Aktion findet statt auf mehreren Gründen: Vor-, Mittel-, Seiten- und Hintergrund werden durchgeplant bespielt. Silke hätte den Film daher gern auf einer großen Leinwand gesehen. Gunnar zeigte sich beeindruckt von den grünlichen Farbgestaltung und den akribisch gefertigten Settings.

Tolle Bilder, tolle Szenen. Etwa: Ein Blaumann-Mann versucht sich bei einem Familiendiner am Tischtuchtrick und zerstört so das 200 Jahre alte Familienservice. Auf den beiden zusammengestellten Tischen kommen Hakenkreuz-Intarsien zum Vorschein. Dafür verhängt ein maßtrinkendes Richtergremium die einzig denkbare Strafe: Elektrischer Stuhl. Zum Glück war das nur ein Traum des glücklosen Tricksers.
    Oder: Ein junges Paar befindet sich nach der Trauung in der Wohnung. Vor dem Küchenfenster krisselt es erst so seltsam, dann erscheint eine vorüberziehende Landschaft, wie bei Zugfahrten. Schließlich läuft die Szenerie vor dem Fenster auf dem Perron eines Bahnhofs ein, wo sich eine große Menschenmenge versammelt hat. Man klopft ans Fenster, der Bräutigam öffnet es,  die Menge bringt dem Paar ein Ständchen und gratuliert herzlich. Dann wechselt die Kamera auf den Bahnsteig und zeigt das Haus bei der "Abfahrt". Freundliches Winken auf beiden Seiten des Fensters. Leider war das nur ein Traum der einsamen Nicht-Braut.
    Wenn man eine Liste der unerotischsten Sex-Filmszenen zusammenstellen möchte, wird man hier auch fündig für ein hohes Ranking. Leider kein Hinweis, dass dies der Traum einer der beteiligten Figuren war.

Nettes Loriot-Zitat: Mann wird von Frau aus dem Off gefragt, was er tue. Er stehe nur so auf dem Balkon. Aber er müsse doch was denken …

Gefiel uns allen gut, auch wenn Sven zu Recht sagte, dass sich der Effekt über die Länge des Films etwas abnutzt.  Dass Andreas wiederholt einschlief, machte nicht viel, da Episodenfilm, von dem man gern mal ein paar Szenen verpassen kann. 

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