Donnerstag, 12. Mai 2016
Quchis Dgeebi (Street Days), Georgien, 2010
89 min, Regie: Levan Koguashvili
12. Mai 2016 bei Sven, zugegen waren Silke, Gunnar, Carmen und Sven
Drama um einen Heroinsüchtigen, der von Polizisten erpresst wird, den jugendlichen Sohn eines Politikers anzufixen und sich so den Knast ersparen und die finanziellen Probleme seiner Familie vorerst lösen kann. Er sucht einen Ausweg aus dem moralischen Zwiespalt.
Realistisch und unter Verzicht auf spektakuläre Effekte aller Art gibt es einen überraschenden Einblick in die Drogenszene in Tiflis, die, anders als in westlichen Produktionen, die man so kennt, nicht in jugendlichem oder jungerwachesenem Milieu spielt. Die Junkies sind gesetzte ca. 50-jährige Familienväter mit Bauch und Halbglatze, die man eher am Skattisch oder im Schrebergarten erwarten würde. Die auftretenden Jugendlichen suchen den Weg in die Fußstapfen ihrer fragwürdigen Vorbilder, die wiederum genau diesen Weg zu verhindern suchen. Das Drama der Geschichte entsteht aber erst durch kriminelle Polizisten, die eine Möglichkeit suchen, einen lokalen Politiker unter Druck zu setzen und dazu seinen Sohn drogensüchtig machen wollen.
Bei allem sozialen Elend und der Ausweglosigkeit der Situation gelingen dem Regisseur eine Reihe gelungener humorvoller Bilder, die dem Alltag der Protagonisten entspringen.
Zudem fällt auf, dass die einzig Vernünftigen die Frauen des Films sind, während die Männer durchweg fies, blöd oder kaputt oder eine Kombination hieraus sind. Dies ist kein Zufall, hat der Regisseur doch im Jahr zuvor auch eine Dokumentation über "Women from Georgia" gedreht, in der ebenfalls die Frauen diejenigen sind, die die Familien versorgen und zusammenhalten.
Ob es sich bei den dargestellten Verhältnissen um eine typisch post-sowjetische gesellschaftliche Entwicklung handelt, wäre zu diskutieren.
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1 Kommentar:
Was der bescheidene Gastgeber und Filmaussucher verschweigt: Wir mochten den Film alle gern ob seiner unaufgeregten Erzählweise und der zwingenden Zwickmühle, in die der Protagonist gerät. Danke für den schönen Film, Sven!
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