
Bei Stefan. Anwesend waren außerdem Heidrun, Miriam, Sven, Andreas, Tish, Gunnar und Larissa, in deren Geburtstag dann gleich ein wenig reingefeiert werden konnte.
Über den Film wurde darum nicht viel geredet, doch so richtig begeistert schien keiner von dem düsteren Sex-und-Crime-und-Entfremdungsdrama zu sein. Ewan McGregor gibt einen Taugenichts, dem in den späten Vierzigern in Schottland reihenweise die Frauen verfallen. Eine davon wird gleich zu Beginn als Wasserleiche aus einem Kanal gefischt. Während er einem Binnenschiffer Tilda Swinton abspenstig macht, wird uns in zahlreichen Rückblenden erzählt, wie es zu dem Tod von Cathy, der Wasserleiche kam. Dann kommt Tildas Schwester dran und schließlich die Frau seines neuen Vermieters, alles mit nahtlosem Übergang. Immer wieder ist nebenbei die Rede von Ermittlungen im Wasserleichenfall, schließlich gibt es am Ende eine Gerichtsverhandlung, in der ein gänzlich Unschuldiger wegen Mordes an Cathy zum Tode verurteilt wird. Die McGregor-Figur, die es besser weiß, ist ein wenig betrübt, und dann ist der Film aus.
Atmosphärisch und darstellerisch ist das Ganze gelungen, die ausgiebigen Sexszenen im Dreck und Regen sowie viel nackte Haut der sich ständig entkleidenden Frauen (aber auch McGregors Pimmel ist zu sehen) wirken jedoch ziemlich spekulativ, insbesondere die Puddingszene erscheint recht fragwürdig, in der Cathy mit Strapsen und auf den Knien von McGregor mit diversen Lebensmitteln bekleckert, -gossen und -streut wird, um sich dann wohlig stöhnend auch noch schlagen und ficken zu lassen. Der Traum eines Vergewaltigers.
Seltsamerweise hat sich niemand darüber aufgeregt, die Kommentare nach dem Film gingen mehr in Richtung „bald wieder vergessen“. Stefan fand vor allem die aufdringlich eingesetzte Musik von David Byrne ganz furchtbar, worauf Sven fragte: „Welche Musik?“
imdb: 6,5
Das Filmlexikon:
Ein gescheiterter englischer Schriftsteller heuert in den 1950er-Jahren auf einem Kohleschlepper an und beginnt eine Affäre mit der Frau des Schiffers. Bis eines Nachmittags eine Tote angetrieben wird, über die der Autor mehr weiß, als er zugeben will. Adaption eines schottischen Skandalromans, dessen gezielte Tabubrüche in der Vorlage wie im Film in intensive Alltagsbeobachtungen eingebettet sind, die ein bodenloses Gefühl der Leere und Zeitlosigkeit erzeugen. Ein hervorragend besetzter, hypnotisch packender, lyrisch-trauriger Film. Die mitunter drastisch in Szene gesetzten Geschehnisse nutzt er als narrative Folie, um eine abgründige Tristesse und einen seelenlosen Zustand greifbar zu machen.Bergmann also.
Regisseur David McKenzie hat später auch „Hallam Foe“ gedreht, der manche Ähnlichkeiten aufweist, mir aber sehr viel besser gefallen hat.
Der Trailer von „Young Adam“:
Mit einem überraschenden Bekenntnis konnte Sven schließlich noch aufwarten:„Wenn ich eines wirklich bereue in meinem Leben“, so sagte er, „dann ist es, dass ich kein Binnenschiffer geworden bin.“
4 Kommentare:
Im Rückblick sehr seltsam, dass nach so einem schönen und lustigen Post der Blog für fünf Jahre ins Koma fiel.
Aber warum hat das filmposter zu einer sehr schottischen Geschichte, so asiatische Schriftzeichen? Der Roman war finster, McGregor würde ich mir nicht ansehen, Trocchi scheint auch im echten Leben ein schwieriger Typ gewesen zu sein.
Zitat aus Wiki: "Trocchi hatte im Frühjahr 1961 einem sechzehnjährigen Mädchen Heroin verabreicht und war deswegen verhaftet worden. [Leonard] Cohen verhalf Trocchi zur Flucht über die kanadische Grenze und versteckte ihn in seiner Wohnung in Montreal, wo sich dieser sogleich auf dem Herd mitgebrachtes Opium aufkochte. „Nachdem er selbst damit fertig war, reichte er Leonard den Topf mit den Resten, hatte aber offenbar ein wenig zu viel übrig gelassen: Als sie zu Fuß loszogen, um etwas essen zu gehen, brach Leonard zusammen. Er konnte nichts mehr sehen. Trocchi zog ihn auf den Bürgersteig, bevor ihn ein Auto überfuhr.“[5] Cohen erholte sich allmählich wieder und beherbergte den Junkie auch die nächsten vier Tage. Dann hatte Trocchi die gefälschten Papiere für die Überfahrt in seine Heimat Schottland beisammen und reiste anschließend nach London weiter, wo er sich als Heroinkranker registrieren ließ, um die Droge legal zu bekommen. Leonard Cohen widmete ihm das Gedicht Alexander Trocchi, Public Junkie, Priez Pour Nous, erschienen in seinem dritten Gedichtband Blumen für Hitler."
Cohens Gedicht ist hier zu lesen:
https://burroughsman.livejournal.com/23180.html
-- Eventuell 5 Jahre Bloglücken nachträglich auffüllen?
Wer ist Trocchi?
Alexander Trocchi war der Autor von Young Adam
https://en.wikipedia.org/wiki/Young_Adam
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