Freitag, 30. Oktober 2009

"Sweet Sweetback's Baadasssss Song" (USA 1971)


Gunnars kurzfristige Absage gab mir am 30. Oktober die Gelegenheit, endlich einmal Melvin Van Peebles' legendären Film "Sweet Sweetback's Baadasssss Song" (USA 1971) zu zeigen, den ich schon seit längerem auf Lager hatte. Es handelt sich dabei um einen der ersten komplett von Schwarzen finanzierten und produzierten Spielfilme und um eine Art Vorläufer der Blaxploitation-Filme der frühen Siebziger. Für mich war's dann tatsächlich ein echtes VC-Highlight, aber das ging beileibe nicht allen Anwesenden (Sven, Silke, Larissa und Tish) so. Silke etwa ließ sich von dem zweifelsohne beklagenswerten Frauenbild und der in erotischer Hinsicht recht minderwertigen, dafür aber zahlreichen Sexszenen ziemlich die Laune verderben, und Tish war stark irritiert von den Stereotypen, mit denen die schwarzen Protagonisten vor allem in sexueller Hinsicht charakterisiert wurden. Und auch sonst ließe sich manches an dem Film aussetzen,  von den lausigen Schaupielkünsten über das nur rudimentär vorhandene Drehbuch bis zum bemerkenswert schlechten Klang. ABER: All das wird m. E. wettgemacht durch pure Energie, einen mitreißenden Groove(nicht nur, aber auch im musiklaischen Sinne) und eine extrem dichte Atmosphäre. Jede Sekunde des Films atmet den Geist der frühen Siebziger, die ja sowieso schon mal eine ziemlich aufregende Zeit waren, und das Ganze dazu noch aus radikal afroamerikanischer Sicht. Deren Einseitigkeit verstärkt für mich eher die suggestive Kraft des Films, als dass sie sie abschwächte. Larissa sah das so ähnlich wie ich, während Svens Gesamturteil irgendwo in der Mitte angesiedelt war.

Nun ließe sich über den Film selbst, mehr noch über die Umstände seiner Produktion sehr viel Interessantes erzählen, doch fehlt mir dafür leider die Zeit. Das müsst Ihr also selbst nachlesen, z. B. bei Wikipedia. Kurz möchte ich aber noch einmal auf die bereits erwähnten Sexszenen zurückkommen. Zu denen wäre zum einen anzumerken, dass Melvin Van Peebles, seines Zeichens nicht nur Regisseur, sondern auch Drehbuchschreiber, Produzent, Filmmusikkomponist und eben Hauptdarsteller des Films, sie der Legende nach "unsimulated" gedreht hat, wobei er sich einen Tripper zuzog, den er bei der Gewerkschaft als erfolgreich als Betriebsunfall deklarierte, wofür er 50000 Dollar erhielt, die er in die weitere Produktion des Films investierte; zum anderen hat es die Eingangsszene, in denen ein ca. 13-jähriger Junge (gespielt von Peebles' Sohn Mario) von einer älteren Prostituierten entjungfert wird, in eine Liste der 10 kontroversesten Sexszenen aller Zeiten geschafft. Und eine besonders schwachsinnige Szene, in der der in die Hände einer Rockerbande gefallene Held des Films buchstäblich um sein Leben vögeln muss, wird u. a. mit diesem Foto

auf einer Website gewürdigt, die sich ausschließlich der Darstellung nackter (Frauen-)Füße im Film widmet. Was es so alles gibt ...

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