Freitag, 2. Mai 2025

Challengers (Luca Guadagnino, 2024)

 


Den neuen Film von Luca Guadagnino hatte ich im Kino verpasst und nach all der Aufmerksamkeit, die er bekommen hat, erwartet, dass er bestimmt im VC auftaucht. Dafür hab' ich dann aber doch selber sorgen müssen: in einer reinen VVC-Runde, an der ich mit Lisa zusammen aus von der Wingst aus teilgenommen habe. Außerdem dabei: Miriam, Ute, Sven und Geburtstagskind Tilmann. Andreas ist beim Kind-zu Bett-bringen verschütt gegangen.

Die Kritiken waren überragend (Metascore: 82), die Letterboxed-User sind begeistert (3,9), der IMDb-Wert ist für einen Film mit queeren Untertönen hoch (7,0)

Und ich mochte an Challengers auch eine Menge:

  • Die Kamera: Eine tolle, überaschende Einstellung nach der anderen visuell überbordend und das Überkandidelte immer noch steigernd, bis wir schließlich –vollkommen irre und das ist ein großes Kompliment – Tennis aus der Sicht das Balls erleben
  • Den Score (und wie er eingesetzt ist): von Trent Reznor (Nine Inch Nails) und Atticus Ross, er treibt den ganzen Film an an wie ein hektischer Herzschlag
  • Die Erotik: Tennis fühlt sich bei Guadigno an wie Sex
  • Den Humor: Nie wird es volle Kanne dramatisch, alles bleibt leicht und ich hab' viel gelacht
  • Das Ende: Der ganze Film läuft auf die Frage hinaus, wer das Match gewinnt. Und dann spielt es doch keine Rolle. Wie toll!
  • Den Plot: Die klassische Dreiecksgeschichte, bei der zwei Männer um eine Frau kämpfen, wird endlich mal wirklich zu einem Dreieck, wenn auch die Männer Anziehung zueinander verspüren
  • Die Darsteller:innen: Zendaya ist als manipulative sexy Göttin super, sie hat eine Aura wie ein klassischer Filmstar, die ihr ergebenen Spieler Josh O'Connor und Mike Faist sind auch richtig gut


Im VC kam der Film – mit Ausnahme von Lisa – allerdings gar nicht gut an. Ein paar milde Stimmen waren zwar auch zu vernehmen ("ganz unterhaltsam") aber im wesentlichen wurde Challengers wortreich in die Tonne genölt: 
  • zu "amerikanisch"
  • hat mich nicht gepackt/berührt/interressiert
  • die Erzählweise mit den Zeitsprüngen in die Vorgeschichte ist doof
  • es gibt zuviel Product Placement
  • alles schon gesehen
Das war ein Déja-vu: Guadagninos Call Me By Your Name hatte ich auch schon im VC gezeigt und war fassungslos ob der kollektiven Ablehnung. 

Den als Totschlag-Argument eingesetzten Vorwurf Filme seien "zu amerikanisch" kann ich nicht mehr hören und ist hier besonders daneben: Luca Guadagnino hatte seinen ersten in den USA gedrehten Film Bones and All (mit dem schönen kannibalistischen Untoten Timothée Chalamet) 2022 unabhängig produziert und versucht MGM für den Vertrieb zu gewinnen: "During the meeting, Guadagnino told MGM's then-chairman Kevin Ulrich he was also in the midst of developing a 'sexy tennis story starring Zendaya'. Ulrich contacted Michael De Luca and Pamela Abdy, the then-heads of MGM, and they negotiated a two-picture deal over the next 24 hours to pick up both films. When Amazon completed its acquisition of MGM, it latter inherited the films." (Wiki) 

Challengers ist eine Italo-amerikanische Co-Produktion, die in einer der ganz wenigen schlechten Kritiken, erschienen im Austin Chronicle, als "trashy eurosleaze" bezeichnet wird. 

Weitere Kritikpunkte in den wenigen Verrissen: Die Zeitsprünge seien ermüdend, die Handlung bewege sich zu langsam (Wall Street Journal) und der ganze Film wie auch sein Star Zendaya seien oberflächlich (Vulture).

1 Kommentar:

Gunnar hat gesagt…

Tolle Kritik von Beatrice Loayza in Sight & Sound: https://www.bfi.org.uk/sight-and-sound/reviews/challengers-luca-guadagnino-summons-potent-yearning-his-finest-work-with-hot-heavy-tennis-drama