Freitag, 7. Februar 2025

César et Rosalie (Frankreich 1972, Claude Sautet)

Der Titel des Films suggeriert, dass es sich um die Liebe zweier Personen handelt. Dabei dreht sich die Handlung vor allem um Césars (Yves Montand) Obsession mit Rosalie (Romy Schneider), die mit ihm, nach der Scheidung vom Künstler Antoine, eine Beziehung führt. Zwei unterschiedliche Typen: er, ein erfolgreicher Altmetallhändler, der alle mit Charme und Witz für sich gewinnen kann; sie, eine Innenarchitektin (oder Designerin, genau weiß man es nicht, und beim Arbeiten wird sie nicht gezeigt), mit Tochter, deren Umfeld offensichtlich ein kreatives, künstlerisches ist. Als eine alte Liebschaft, der Beau David (Sami Frey und Brigitte Bardot waren 1960-63 ein Paar) nach Jahren plötzlichen Abtauchens wieder die Bühne betritt, gerät Rosalie ins Wanken. Soll sie dem Drängen Davids, auch ein erfolgreicher Kreativer - Comiczeichner -, nachgeben, oder in der testosteronen Geldatmosphäre Césars verbleiben?  


César wird erst nervös, ist entnervt, vor allem nachdem David im offen ins Gesicht sagt, dass Rosalie seine große Liebe sei. In dem Maße, in dem Rosalies Interesse an David wieder erwacht, dreht César am Rad, was schnell in Aggroaktionen abdriftet: Rosalie bedroht er mit dem Messer, das Atelier Davids wird von ihm verwüstet. César glaubt alles mit Geld wieder gut machen zu können, was zunächst zu gelingen scheint. Am Ende befreunden sich die Kontrahenten, aber die schöne Frau hat die Schnauze voll, flieht nach Grenoble und taucht nur zum Schluss wieder auf, offenbar nach Jahren. Hier haben sich auch die Umstände der Männer geändert. Das Ende hätte zu einer Sequel führen können.

Der Film war der dritte, den Claude Sautet mit Romy Schneider drehte, und die als Höhepunkte ihrer Karriere gelten. Zuvor: Die Dinge des Lebens (1970), das Mädchen und der Komissar (1971), danach Mado (1976) und Eine einfache Geschichte (1978).

Wir diskutierten etwas länger über die Figuren, deren Motivationen, über die Geschlechterrollen in der Zeit. Dass Rosalie bei dem einen wie dem anderen Mann in die Küche expediert wird, um dort die Getränke zu holen, bei dem einen Mann eher unwillig, beim anderen bereitwillig, aber immer irgendwie ergeben, war unter anderem Thema. Tolle Bilder: die stark rauchenden Aschenbecher nach einer Pokerrunde; ein Hochzeitsfoto im Regen, eine Ferienszene, bei der die Aussicht gepriesen wird, ohne sie zu zeigen, ein Autorennen, das in einem grünen Kornfeld endet. Wir lobten die Garderobe von Romy ins besondere.

Mir gefiel vor allem Yves Montand, dessen Gesicht sehr facettenreich das Innenleben eines doch eher groben nach außen sehr fröhlichen und wohlhabenden Menschen darstellt. Und die Filmmusik von Philippe Sarde aus offensiven Synthesizerspiel, vor allem zu Beginn des Films.

In Hamburg trafen sich bei Andreas noch Miriam, Silke, Ute und spät zum Filmende Stefan ein. In Berlin guckten Tillmann und Vorführer Jö. Von zu Hause guckte auch meine Freundin Regina mit, die mir den Film ins Gedächtnis rief - ich hatte gar keine Idee, was ich sehen wollen könnte, und ein Romy Schneider-Film fand ich eine gute Idee, war allerdings in der Annahme, dass alle den kennen würden. Ich hatte zuletzt Nachtblende (1975) mit ihr gezeigt, Tillmann zuvor Death Watch (1980) und Andreas Das Verhör (1981).

Das war es.

6 Kommentare:

Gunnar hat gesagt…

Ich hätte Veto eingelegt. Ich hab' den Film vor Jahrzehnten gesehen und fand ihn toll. Und habe ihn vor nicht langer Zeit erneut geguckt, mit ambivalenten Gefühlen, vor allem angesichts der Montand-Figur, dessen Ausraster als irgendwie männlich okay hingenommen werden. Seine Arschlochhaftigkeit müsste ihn eigentlich inakzeptabel für alle Entwicklungen im späteren Handlungsverlauf machen.

Danke für den schönen Eintrag! Was du nicht verrätst: Wie ist der Film in der Runde angekommen?

Jö hat gesagt…

siehe oben: "Von zu Hause guckte auch meine Freundin Regina mit, die mir den Film ins Gedächtnis rief - ich hatte gar keine Idee, was ich sehen wollen könnte, und ein Romy Schneider-Film fand ich eine gute Idee, war allerdings in der Annahme, dass alle den kennen würden." Anders gesagt: sie empfahl den Film, ich schlug in vor, keiner kannte ihn. Ich meinte aber, dass Du den mal im Gespräch empfohlen hattest; aber Du hattest Dich ja mehr oder minder abgemeldet... Für den Vetofall hatte ich noch was in der Rückhand, naturgemäß.


Anonym hat gesagt…

Gunnar meinte, glaube ich, eher, wie die Mitschauenden den Film fanden. Ich dachte vorher, dass ich den Film schon gesehen habe, war aber zu spät für ein Veto. Ich kannte den Film aber doch nicht, war erst skeptisch und fand ihn dann aber doch gut, vor allem das Ende.

Miriam hat gesagt…

Anonym war ich...

Andreas hat gesagt…

Bizarrerweise waren gleich drei Personen (Ute, Miriam und ich) sich nicht sicher, ob sie den Film schon gesehen hatten. Und in allen drei Fällen hat sich herausgestellt, dass die den Film nicht kannten.

Andreas hat gesagt…

Und zu Gunnars Frage: Insgesamt fanden wir alle den Film ziemlich gut (meine ich jedenfalls), wobei selbstverständlich die toxische Männlichkeit von César gebührend thematisiert wurde.