Neptune Frost ist ein afro-futuristisches Science-Fiction-Musical von Saul Williams und Anisia Uzeyman, das im Juli 2021 bei den Internationalen Filmfestspielen von Cannes seine Premiere feierte und hiernach bei vielen weiteren Filmfestivals weltweit vorgestellt wurde. Am 3. Juni 2022 kam Neptune Frost in die US-Kinos.
Der Film spielt in Burundi und erhält daher einen Länderpunkt.
Immerhin etwas. Siehe unten ...
Gezeigt von ABo am 14.10.2022 für Maren, Silke, Gunnar und René, die auch alle in der ersten Telko waren. Maren ist dann irgendwann ausgestiegen, die anderen waren auch in der abschließenden Telko.
Der Film ist eine
bizarre Mischung von Episoden, die im Wald, Mienen und Städten in Burundi
spielen. Aufhänger ist die Erzgewinnung im Land, Stichwort Coltan, mittels dessen unter
anderem Tantal hergestellt wird. Jenes
wiederum findet Eingang in Kondensatoren, die eine notwendige Zutat moderner
Elektronikkarten sind. Selbige findet man in Computern, Handys oder
anderen Consumer Artikeln. mit denen weltweit Gewinne erwirtschaftet
werden. Im Land selber verbleibt aber nur ein Bruchteil von den Erträgen und
bei den Arbeitern schon fast gar nichts mehr.
Coltan gehört zu den sogenannten "Konfliktmineralien", Hintergründe dazu findet man hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Coltan
Der Film beginnt mit dem Tod des Minen-Arbeiters, Tekno, der sich - vielleicht ? - während der Arbeit durch toxische Substanzen vergiftet hat. Sein Bruder Mata(lusa) trägt ihn aus der Mine und muss ihn beerdigen lassen. Er begibt sich daraufhin auf Wanderschaft und findet mitten im Wald eine Siedlung junger Leute umgeben von alten Platinen und funktionierenden Elektronikgeräten.
Als
auch Neptun, eine Transe, auf der Flucht vor einem Mann - namens Innocent! - in
dieses Lager kommt, entsteht nicht nur eine persönliche Spannung zu Mata, nein,
das ganze elektronische Equipment erwacht zum Leben! Die Siedlung ist auf
einmal sogar mit dem Internet verbunden.
Die Energie wird offensichtlich genutzt, um Viren in weltweite Computersysteme zu spielen.
Als dessen Verursacher werden zunächst China und Russland vermutet. Niemand
würde darauf kommen, dass die Ursache im Burundischen Dschungel liegt.
Eingewoben
in diesen Plot sind Szenen die an der Universität oder auch in nächtlichen Bars
spielen und in denen es um Aufstände der Studenten und das an Baggern an Neptun
geht.
Gegen Ende des Filmes machen Drohnen am Himmel das versteckte Lager im Wald
ausfindig. Kurz darauf schlagen zerstörerische Raketen im Lager ein und
bringen fast alle Anwesenden um. Bis
auf Neptun der/die sich gerade am Rand des Geländes aufgehalten hatte, um den
Weggang von "Innocent" zu beobachten, der kurz vorher - in Uniform - ins Lager "eingedrungen" war. Eingedrungen muss man sagen, da dafür ein unsichtbarer Vorhang geöffnet werden musste. Ein Schenkelklopfer-Gimick des Films.
In der Schluss Szene kommt wiederum eine
Drohne vorbei geflogen, die versteht, dass doch noch jemand lebt: Neptun.
Die
Thematik des Films fanden wir durch die Bank sehr interessant: die Ausbeutung
Afrikas für die Bereitstellung von Rohstoffen für die Herstellung vieler westlicher Wirtschaftsgüter. Über die Qualität der
Umsetzung kann man allerdings streiten. Muss man aber auch nicht.
Während René vom Film angetan war, schlugen Silke
und Gunnar vor, für derartige Filme eine neue Kategorie „Kunstkacke“ einzuführen.
Wäre ABo nicht Vorführer gewesen, hätte er den Film wohl nicht zu Ende geschaut, wie Gunnar scharfsinnig bemerkte.
Die erste Assoziation, die Plex als ähnlichen Film nennt, ist Tokio Tribe. Da ließe sich also bei Interesse für Hartgesottene weiter machen.
Einen Großteil der Telko verbrachten wir dann auch lieber mit der Diskussion, wo man welche Pilze finden kann und wie man sie zubereitet. Siehe Telegram.
Hamburg, 18.10.2022
Andreas (ABo)
2 Kommentare:
Danke für die ausführliche Inhaltsbeschreibung. So hab' ich im Nachwege doch noch ein bisschen von der Handlung mitbekommen. Beim Gucken hat das nicht geklappt, da hab' ich mich einfach nicht auf das Gerede konzentrieren können. Für mich funktioniert dieses in Ruanda gedrehte afrofuturistische Musical des US-Amerikanischen Musikers Saul Williams überhaupt nicht. Aber ich fand die Kostüme, Hair / Make-Up, die Musik und auch die Darsteller toll. Wäre ein tolles Musik-Video, wenn man den 110-Minuten langen Film auf vier Minuten kürzen würde.
Neptune als "Transe" zu bezeichnen, ist, glaube ich, weder inhaltlich noch politisch korrekt.
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