Freitag, 14. Mai 2021

Romanze in Moll (Helmut Käutner, 1943)


Virtuell anwesend: Andreas, Silke, Tilmann, Rene, Jö, Larissa, Miriam, Maren und Vorführer Gunnar. Fehlt noch jemand? Dann bitte melden.

Zur Abwechslung gab’s mal einen Film aus Nazideutschland. Mein Verdacht: Helmut Käutner ist ein Weltklasseregisseur, dem die entsprechende Anerkennung nicht zuteil wurde, weil er zur falschen Zeit im falschen Land Karriere gemacht hat. Die Käutnerfilme „Unter den Brücken“ (im VC gezeigt) und „Große Freiheit Nr. 7“ sind auch in den finstersten Weltkriegsjahren entstanden und beide großartig. Ich würde gern mehr von ihm sehen.

Zum Inhalt das Filmlexikon: „Die aparte Ehefrau eines gutmütig spießigen Buchhalters führt ein Doppelleben, nachdem sie durch einen weltmännischen jungen Komponisten die große Liebe kennengelernt hat. Als der Vorgesetzte ihres Mannes sie durch seine Mitwisserschaft zu einem Verhältnis erpressen will, begeht sie Selbstmord. Käutner ließ sich durch Novellen von Maupassant zu diesem sensiblen, melancholischen Liebes- und Gesellschaftsdrama inspirieren, das im Paris des 19. Jahrhunderts angesiedelt ist.“

Ich fand das Melodram toll. Von 1943! Undeutscher geht’s kaum, formal wie inhaltlich. Die untreue Ehefrau ist die Heldin und wird moralisch nicht verurteilt. Und das Ganze kommt mit einer Eleganz und Leichtigkeit daher, als käm’s von der anderen Seite des Rheins und wär’ von Renoir oder Carné.

"Der von Goebbels als „ehe- und sittenzerstörend“ und „defätistisch“ eingestufte Film kam zunächst nur im Ausland und in einigen Frontkinos zum Einsatz. Von den Soldaten wurde Romanze in Moll wider Erwarten begeistert aufgenommen und – nach zahlreichen Protestbriefen an das Propagandaministerium – doch noch für die deutschen Kinos freigegeben". (Wiki)

Ganz so einhellig war die Zustimmung in der Runde nicht, wenn ich mich recht erinnere. Aber richtig scheiße fand keiner den Film, glaub’ ich. Hier ein paar Chat-Beiträge von dem Abend:


Rene:
… und kaum fallen die Gardinen wird Frau Hoppe weich!

Silke:
Wann soll das spiegel, ist so Effi-Briest-Stil – 1890? Die gute alte Zeit von 1943 aus gesehen

Silke:
Das ist tasächlich eine Mischung aus Fontane und Tolstoi

Silke:
… und eine Prise Glamour-Hollywood

Larissa:
Maupassant eben!

Rene:
Marianne Stefanie Paula Henni Gertrud Hoppe hat ja echt was von einer Hollywood Diva.

Silke:
Wer hat die Rückblende erzählt? Michael seinem Bruder? Aber er weiß ja nicht, was zwischen Mme Mdeleine und ihrem namenlosen Mann geschah. Egal?

Andreas:
Dem Drehbuchautor war's jedenfalls egal.

Rene:
Man ist galant, man macht Präsente!

Gunnar:
Welche Rückblende genau? Und wieso erzählt?

Jörn:
Na, Micha der Composer seinem Bruder

Gunnar:
War die komplette Rückblende wirklich eingeleitet durch das Gespräch zwischen den Brüdern?
Dann jedenfalls: egal. Keine Stimme aus dem Off. Nicht Michael erzählt durchgehend. Der Film tut es.

Als Vorfilm gab's (bei Telegram) Porky's Romance, ein Looney-Tunes-Cartoon von 1937.

3 Kommentare:

Rene hat gesagt…

Ja, super Gunnar - unter Druck funktionierst Du!
Ich kann mich leider gar nicht mehr soo gut an den Film erinnern, weiß nur, dass mich das eher nicht gepackt hat. Das Schicksal der Hoppe hat mich nicht mitgerissen aber ich hab es bis zum Ende durchgezogen.
Auch keine alltägliche Leistung.

Rene hat gesagt…

Was mir gerade auffällt, auf dem Filmplakat steht: "Der französische Filmverleih zeigt:" da wollte das deutsche Propaganda-Ministerium wohl gleich die Finger von lassen.
Keine tugendhafte Deutsche...

Miriam hat gesagt…

Für mich bisher vielleicht sogar der Film des Jahres. Hat mich noch tagelang verfolgt...