Freitag, 21. Mai 2021

Never Rarely Sometimes Always (USA/UK 2020, Eliza Hittman)

Vorführerin war an dem Abend Silke. In den angeschlossenen Wohnzimmern guckten mit: Maren, Andreas, Rene, Jö, ABo und Sven.

Autumn ist 17 und schwanger. Ungewollt. Leider lebt sie in Pennsylvania. Da ist es schwer mit einer Abtreibung; auch eine angemessene Aufklärung im staatlichen Gesundheitszentrum erhält sie nicht. Also fährt sie mit dem Bus nach New York City, zusammen mit ihrer Cousine Skylar. Eliza Hittman erklärt nicht viel. Das ging so weit, dass ich zwischenzeitlich befürchtete, dass das Schweigen der beiden Mädchen den Bechdel-Test in Gefahr bringen könnte. Die Voraussetzungen, diesen zu erfüllen, waren ja eigentlich optimal. Es bleibt bspw. unklar, wer denn eigentlich der Vater des Kindes ist. Und was hat sie bloß erlebt, wenn sie so heftig weinen muss, dass sie gar nicht antworten kann, als sie gefragt wird, welche Antwort sie wählt auf die Frage, ob sie Sex gegen ihren Willen hat – Niemals Selten Manchmal Immer.

Sharon van Etten spielte Autumns Mutter und trug auch den Abspannssong bei. Sie wirkt eigentlich recht verständnisvoll, ganz anders als Autumns Stiefvater, aber das Mädchen vertraut sich ihrer Mutter nicht an. 

Der Film mag auf einige Zuschauer spröde wirken; uns aber gefiel er gut, sogar sehr gut – ausnahmslos, wenn ich mich recht erinnere. 

Sven telegramte später aus einem Interview mit Hittman in der taz

Ihre Filme leben selten von den Dialogen, das Unausgesprochene ist meist viel wichtiger. Gleichzeitig arbeiten Sie viel mit jungen, unerfahrenen Schauspieler*innen. Ist das bisweilen kompliziert?
Eliza Hittman: Nicht für mich, nein. Viele Leute denken, es sei beim Drehbuchschreiben wichtig, die Geschichte möglichst über Dialoge zu vermitteln, doch das hat mich noch nie interessiert. Das fühlt sich für mich immer an wie Fernsehen. Kino ist für mich ein viel visuelleres Medium, da spielen Mimik, Verhalten und Blicke eine viel größere Rolle. Wenn ich schreibe, nehme ich immer eher Dialogsätze weg, als dass ich neue hinzufüge, denn Gefühlszustände lassen sich auch gut über das transportieren, was nicht gesagt wird.

In den Rezensionen wird der Film gefeiert. Wikipedia bspw. zitiert Anna Wollner, laut der das Teenager-Abtreibungsdrama nicht nur Trumps Amerika zeige, sondern ein Manifest sei für weiblichen Zusammenhalt: „Eine wahre Perle des feministischen Kinos.“   

Auch einige Preise sind zu verzeichnen, etwa der Silberne Bär, der Großer Preis der Jury für Eliza Hittman). IMdB ratet derzeit mit 7,4.

 Talia Ryder (Skylar), Sidney Flanigan (Autumn)
und die Regisseurin Eliza Hittman 

1 Kommentar:

Gunnar hat gesagt…

Hab' ihn letztes Jahr geguckt, als er frisch verfügbar war. Hat mir auch sehr gut gefallen. Ein Superbeispiel dafür, wie man ungemein fesselnd und bewegend mit ganz bescheidenen Mitteln eine einfache Geschichte erzählen kann, völlig unbelastet von den allgegenwärtigen Drehbuchkonventionen. Hoffentlich macht das Schule.