Freitag, 26. Juni 2020

VVC12: The Farewell (USA 2019, Lulu Wang)

Silke war Vorführerin in diesem reinen VVC – den vorerst letzten in dieser seiner reinen Art infolge Sch***-Corona. Es guckten mit Rene, Andreas, Sven, Miriam, Gunnar und Maren sowie Tilmann aus der Ferne (danke für die Korrekturmeldungen).  

Buch und Regie sind von Lulu Wang, die in diesem Film autobiographische Erfahrungen mit ihrem migrantischen Hintergrund verarbeitet. Zwar spielt der Großteil des Films in China, es ist aber eine US-amerikanische Produktion.
    Das Plakat links hat n schönes Sofa, aber nutzt eine echt schlechte Fotomontage – sei's drum.

Eine junge Frau reist nach China, wo ihre Eltern herstammen, um mit diesen und der nach Japan emigrierten Onkelsippe zu feiern. Der Cousin soll heiraten, und in der elterlichen Heimat soll die Sause steigen. Aber in echt ist die Großmutter todkrank und hat laut Arztbefund nicht mehr lange zu leben. Deshalb wollen alle noch mal für sie zusammenkommen. Und nun kommt der Untertitel ins Spiel, der da lautet: „Based on an actual lie.“ Denn: Keiner erzählt der alten Frau, dass ihre Tage gezählt sein sollen. Das tut man in China eben so. 

Das kam einigen in der Runde total unrealistisch, unglaubwürdig, unethisch vor, und die hielten den Plot daher für eine Erfindung der Autorregisseurin. Erwogen wurde dann hin und her, ob es dann überhaupt noch ein guter Film sein kann. Interessante Frage, ob realen Fakten in fiktionalen Kunstformen Rechnung getragen werden muss, aber zum Glück müssen wir die zumindest in diesem Rahmen nicht klären. Denn nicht nur in unserer Runde fragte man sich: Is it legal in China to not tell a family member that they are dying? Die kurze Antwort: Yes. Wer mehr wissen will, liest dies:
www.historyvshollywood.com/reelfaces/the-farewell/ 

Das schöne ist, dass nicht nur die Film-Großmutter die gesetzte Spanne überlebt, auch Wangs Großmutter soll nach wie vor am Leben sein – und soll bis heute nicht wissen, worum es in dem erfolgreichen Film ihrer Enkelin eigentlich geht. Das führt dazu, das man im Netz lustige Artikelanfänge wie diese findet: 

This post contains SPOILERS for The Farewell. If you are Lulu Wang’s grandmother, it also contains spoilers about your own medical history.
(https://slate.com/culture/2020/01/farewell-lulu-wang-grandmother-learns-secret-hollywood-foreign-press-foreign-language-symposium.html)

Erstaunlich ist, das der Großmutter ihre Schwester nichts erzählt hat, denn die spielt in dem Film sich selbst. Die beiden sehen sich auch total ähnlich.
    Lulu Wangs Alter ego Billi Wang wird gespielt von einer gewissen Awkwafina, das ist eine US-amerikanische Rapperin, die das so gut macht, dass sie für ihre Darstellung einen Golden Globe erhielt. Überhaupt ist sie so gut im Geschäft, dass sie inzwischen wahrscheinlich eher als Schauspielerin denn als Rapperin geführt wird. Hat sie aber auch wirklich super gemacht hier.

Am liebsten mochte ich vielleicht die Szene, in der Billi von ihrer Großmutter instruiert wird, sich mit KungFu-Bewegungen Luft zu verschaffen. Muss ich mir merken – hu, ha, huha!

Lulu Wang ist übrigens zusammen mit Barry Jenkins, von dem wir diesen Sommer If Beale Street Could Talk gesehen haben, der ja ebenfalls von US-Bürgern mit migrantischem Hintergrund handelt, aber irgendwie dann doch ganz anders ist (dieser Link geht noch zu Wikipedia, weil der Vorführer seinen Post zum Film NOCH NICHT EINGESTELLT HAT!!! Was ist das hier für ein LODDERHAUFEN?!?!?)

Bei Bedarf mehr zu „The Farewell“:

Weiteres müsst Ihr Euch selbst raussuchen. Danke an Rene, der diesen Platzhalterentwurf schon mal angelegt hatte.

(Silke, 17.9.20)

6 Kommentare:

x hat gesagt…

Hm, im VC hatte ich den Film 1x verhindert, weil ich ihn schon im Kino gesehen hatte, bei diesem Screening war ich nicht dabei.

Mir hatte der Film im Kino gut gefallen, mäkeln kann man über die ein oder andere Länge, aber muss nicht sein. Dass alles nun unbedingt auf einer realen Geschichte basieren musste und dann auch noch die Wohlfühlkarte "Oma lebt noch" gezogen wurde, fand ich dann eher so'n bisschen doof, aber tat dem Film insgesamt für mich keine Abbruch. Jö

Silke hat gesagt…

Stimmt ja – genau. Danke für die Korrektur, Jö. Sonst hab ich aber alle korrekt drin/nicht drin? Hat etwa Maren auf der Terrasse auf Laptop mitgeguckt?

Gunnar hat gesagt…

Hat sie.

Gunnar hat gesagt…

"Erwogen wurde dann hin und her, ob es dann überhaupt noch ein guter Film sein kann. Interessante Frage, ob realen Fakten in fiktionalen Kunstformen Rechnung getragen werden muss..."

Wurde an dem Abend schon gesagt: Problematisch wäre es, wenn der Film sich kulturelle Differenzen zwischen den USA und China zum Thema macht und dann kulturelle Besonderheiten frei erfindet, im Dienste eines knackigen Plots. Mogelpackung halt. Aber so wars ja eh nicht.

Anonym hat gesagt…

Ich habe den Film auch gesehen!
Tilmann

Silke hat gesagt…

Danke für die Korrrekturen – ist umgesetzt.