Freitag, 22. November 2019

I Pugni in Tasca (ITA 1965, Marco Bellocchio)

I Pugni in Tasca

Am heutigen Abend gab es eine Klassiker der italienischen Film-Geschichte. Die restaurierte Fassung von Marco Bellocchios Erstlingswerk "I Pugni in Tasca" - deutscher Titel "Mit der Faust in der Tasche". Anwesend waren Gunnar und Silke, eine Tüte Pistazien und eine neu Biermarke. Um Mitternacht tauchte dann noch Miriam auf und ich hab dadurch das Ende verpasst.

Ich zitiere mal Wikipedia:
Alessandros

 tiefe Unzufriedenheit mit seinem direkten Umfeld wächst zu einem Hass an, der in eine finale Rebellion gegen die in der Familie hochgehaltenen Lebenslügen mündet, sodass er eines Tages seine Mutter wie auch seinen Bruder Leone umbringt. 

Ob dies ein Befreiungsversuch zum Wohle des “normalen”, älteren Bruders Augusto ist oder vielmehr eine Auflehnung gegen dessen “Normalität” und die dadurch zementierte, interfamiliäre Dominanz, bleibt ungewiss.
Die am Ende halbseitig gelähmte Giulia, der sich Alessandro anschließend anvertraut hat, handelt zunächst unerwartet. Sie ist nicht etwa verschreckt oder angewidert, vielmehr fasziniert sie dessen Handlungsweise.
Bald aber hat sie die Befürchtung, auch Opfer Alessandros zu werden. Als der Bruder wieder einen seiner epileptischen Anfälle hat, kommt sie ihm, obwohl in unmittelbarer Nähe befindlich, nicht zur Hilfe, sondern lässt ihn – ob Ausdruck ihrer Befreiung oder schlicht das körperliche Unvermögen aufgrund ihrer Teillähmung bleibt unklar – sterben.

Die Kritik damals war begeistert - wir vernehmen:

"Bellocchios furioses Debüt war nichts weniger als ein Frontalangriff auf die italienische Nachkriegsgesellschaft, ihre bürgerlich-starren Moralvorstellungen, ihre hohlen Konventionen und heuchlerische Frömmigkeit. Fern der offiziellen Filmindustrie entstanden und mit einfachsten Mitteln realisiert, beeindruckt der Film nach wie vor. Unnachgiebig wird hier die Familie als Keimzelle sozialer und gesellschaftlicher Missstände seziert."

Am mikrosozialen Modell des Niedergangs einer italienischen Adelssippe artikuliert Marco Bellocchio seine psychopathologische Studie eines Epileptikers sowie seine Kritik an gewissen in seinem Lande bestehenden Ordnungen. Wer dieses extreme Konzept als übertragbares Beispiel akzeptiert, wird sich der Ausstrahlung von Bellocchios ebenso kraftvoll-naturalistischer wie subtiler Inszenierung nicht entziehen können."

IMDb: 7,8


Mich hat der Film nicht vom Hocker gerissen. Es gab tolle Bilder aber Lou Castels (Alessandro) Spiel hat mich genervt, die anderen Rollen waren auch merkwürdig, die Handlung ließ mich teilweise ratlos zurück.

Jetzt kann ich erstmal das Sofa reinigen - Pistazien zu essen scheint doch schwerer als gedacht.

3 Kommentare:

Gunnar hat gesagt…

Ups, jetzt werden hier die Posts schon geschrieben, wenn die Gäste kaum aus der Tür sind. Ich bin beeindruckt.
Eine Frage: Wo stammen die zitierten zeitgenössischen Kritiken her?

Ich freue mich jedenfalls, den Film endlich mal gesehen zu haben. "I pugini in tasca" war einer der wenigen italienischen Filme nach der Ära des Neorealismus, der nicht von einem der "großen" Regisseure stammte (Fellini, Antonioni, Visconti, Bertolucci) und immer überall genannt und gelobt und auch immer mal wieder in den Achtzigern im Fernsehen gezeigt wurde.
"(Der Film) kostet das Abseitige aus, um aufzurütteln und zu schockieren, bricht Tabus, um zu provozieren. (..) Der Beginn einer neuen Entsicklung im italienischen Film, ein Vorbild für Regisseure, die sich kritisch mit den Grundlagen der italienischen Gesellschaft auseinandersetzten", steht etwa im Reclam Filmführer.
In Ulrich Gregors "Geschichte des Films" heißt es: "Die historische Bedeutung lag darin, dass hier zum ersten Mal ein Bruch mit dem Kino der allgemeinen Entfremdung vollzogen wurde, das bis dahin den italienischen Film beherrscht hatte."

Gunnar hat gesagt…

Damit ist übrigens in weiterer Film von der Liste "100 film italiani da salvare" abgehakt. Steht, weil in chronologischer Reihenfolge, genau vor einem unserer kollektiven Lieblingsfilme, nämlich "Io la conoscevo bene" von Antonio Pietrangeli, der bekanntermaßen weder in Reclams Filmführer, noch bei Ulrich Gregor oder Bondanellas Standardwerk "Italian Cinema" erwähnt wird.

Rene hat gesagt…

Die Kritiken sind aus dem Wikipedia-Eintrag geklaut:
Ankündigung zur Retrospektive & der evang. Film-Beobachter
Viel Spaß damit :-D