Freitag, 14. Dezember 2018

Umberto D. (Vittorio De Sica, I 1952)

Anwesend waren René, Miriam, Silke, Gunnar und als Gastgeber Sven.

Eigentlich wollten wir die japanische Reihe mit Mikio Naruses "Flowing" fortsetzen, Das scheiterte leider an der zerstörten Bücherhallen-DVD. Aber zum Glück haben wir ja technisch ambitioniertere Vereinsmitglieder, die den Film bei Gelegeneheit aus ihren dematerialisierten Archiven zaubern können.

Stattdessen gab's mal wieder italienischen Neorealismus vom nie versiegenden Vittorio De Sica, thematisch gänzlich unsexy (alter Mann, Hund, traurig), aber natürlich aktuell bis heute und meiner Ansicht nach bestechend unbestechlich. 
 Der Film beginnt mit einem Protestzug von Rentnern, die gegen ihre Verarmung demonstrieren wollen, aber von Polizeiautos auseinander getrieben werden. Einer der Rentner ist Umberto, einstiger Beamter, dessen Schicksal im Weiteren erzählt wird. Er hat Mietschulden, seine Vermieterin, etwas überzeichnet in ihrer blondierten Bösartigkeit, vermietet in seiner Abwesenheit sein Zimmer stundenweise und will ihn gänzlich loswerden. Er versucht zu verkaufen, was verkäuflich ist und muss seine Uhr weit unter Preis abgeben. Er versucht sich als Bettler und kann seinen Stolz aber nicht überwinden. Letztlich will er sich umbringen, bringt aber auch das nicht fertig, weil er seinen geliebten Hund nicht allein lassen kann.
Ein Pamphlet gegen die soziale Kälte der westlichen Nachkriegsgesellschaft und die Gleichgültigkeit gegenüber der Verarmung und Isolation vermeintlich unproduktiver Menschen.


Ich fand den Film glaubhaft realistisch, bewegend und formal gelungen. Und mit originellen, durchaus auch komischen Ideen wie die Szene oben, als Umberto betteln will, aber im entscheidenden Moment die Hand umdreht und so tut als würde er nach dem Wetter sehen wollen.
Silke waren die Bilder des alten Mannes mit dem Hund zu sentimental.


Roger Ebert meint dazu:
... The film is told without false drama. Even when Umberto calls the ambulance and has himself taken to the hospital, there is no false crisis, no manufactured fear that he will die. Later, when Umberto considers suicide, he goes about it in such a calm and logical way that we follow his reasoning and weigh the alternatives along with him, instead of being manipulated into dread. "Umberto D" avoids all temptations to turn its hero into one of those lovable Hollywood oldsters played by Matthau or Lemmon. ...
Because Umberto doesn't talk much with other characters, we have to determine his thoughts by how he looks and what he does, and there is a masterful scene in which he considers begging in the street, and decides against it. Note the timing of this sequence. With a slightly different twist, it could shot-by-shot be a comic bit for Chaplin's Little Tramp, but De Sica holds it to understated pathos. Umberto watches a successful beggar. He puts out his own palm, halfway, not really committing himself. As a man is about to give him money, he turns the hand over, as if testing for rain. He cannot beg. He thinks.

1 Kommentar:

Silke hat gesagt…

Danke für den schönen Eintrag.
"Umberto D" ist übrigens einer der 100 wichtigsten Filme laut unsrer oft konsultierten Bestenliste "All-TIME 100 Movies":
http://entertainment.time.com/2005/02/12/all-time-100-movies/slide/umberto-d-1952/