Donnerstag, 9. Juni 2016

Salvatore Giuliano (Italien 1962)

Nach langer Zeit gab es mal wieder einen Film des großen Francesco Rosi im Videoclub zu sehen, nämlich "Salvatore Giuliano" (deutscher Titel: "Wer erschoss Salvatore G.?") von 1962, gezeigt von mir (Andreas), mit Gunnar, Sven, Silke, Ute und Jutta als Gästen.

Angeregt wurde die Wahl dieses – jawohl! – Biopics über Leben und Sterben eines sizilianischen Rebellenführers in der Nachkriegszeit durch unseren Sizilienurlaub im April. Katrin und ich hatten im Reiseführer über den uns zuvor unbekannten Giuliano gelesen, uns dann aber doch dagegen entschieden, in seinen nur durch ihn berühmten Heimatort Montelepre zu fahren. Immerhin hatte ich mir den Verweis auf den Rosi-Film im Reiseführer gemerkt.

Wenn ich jetzt noch einmal in der Gegend wäre, würde ich definitiv anders entscheiden, denn die Originalschauplätze werden in dem Film in nahezu dokumentarischer Weise in Szene gesetzt, angefangen von dem Hof, in dem gleich zu Beginn Giulianos Leiche liegt (und in epischer Breiteuntersucht wird) bis zu dem Bergplateau, auf dem Giulianos Leute ein Massaker an kommunistischen Demonstranten begehen. Da würde man schon gerne mal sehen, wie das alles heutzutage aussieht.

Auch ansonsten hat der Film uns alle überzeugt. Besonders hat uns gefallen, dass er nicht vorgab, alle Antworten auf die bis heute ungeklärten Fragen zum Fall Giuliano zu wissen, vor allem auf die nach der Rolle der Mafia. Noch besser war, dass das Gesicht des Hauptdarstellers nicht einmal richtig zu sehen war - Giuliano wurde praktisch immer nur von hinten gezeigt. Mindestens zwei der üblichen Makel so gut wie aller Biopics – die Vorgaukelung von Eindeutigkeit und Linearität in Bezug auf die Lebensfragen der dargestellten Personen sowie das Vorzeigen eines den Film notwendigerweise prägenden Gesichtes, das auch beim besten Schaupieler immer nur ein falsches sein kann – hat Francesco Rosi also schon mal vermeiden können.

Ich belasse es jetzt erst mal bei diesen Worten, sonst wird das hier nie fertig. Vielleicht mag ja noch jemand etwas hinzufügen.

Hier die recht treffende Kritik aus dem Filmlexikon:

 "Die Chronik vom Wirken und Wüten des sizilianischen Banditen Salvatore Giuliano, der zwischen 1943 und 1950 der Schrecken seines Landes war. Das komplizierte Geflecht der Beziehungen zwischen dem Banditen, der Mafia und ihren Hintermännern klärt der eindrucksvolle Film nicht restlos auf, leistet aber einen künstlerisch wie gesellschaftspolitisch bedeutenden Beitrag zu einem Kapitel aus der unruhigen Geschichte Siziliens. Darüber hinaus ist der Film bedeutsam durch seinen seinerzeit neuen Stil der dokumentarisch-dramatischen Wirklichkeitsrekonstruktion."

Und beim IMDb gab es 7,5.

Würde mich über mehr Francesco Rosi im VC freuen!

2 Kommentare:

Gunnar hat gesagt…

Mehr Rosi? Auf Festplatte steht zur Verfügung:

Cadaveri eccellenti (Dia Macht hat ihren Preis, Francesco Rosi, 1976) OmengU
caso Mattei, Il (Der Fall Mattei, 1972) OmengU
Cristo si è fermato a Eboli (Christus kam nur bis Eboli, Francesco Rosi, 1979) OmengU
momento della verita, Il (Augenblick der Wahrheit, 1965) OmengU
Lucky Luciano (1974) OmengU
magliari, I (In St.Pauli ist der Teufel los) OmengU
mani sulla città, Le (Hände über der Stadt, 1963) OmengU
Tre Fratelli (1981) OmengU
Uomini contro (Bataillon der Verlorenen, 1970) OmengU

Gunnar hat gesagt…

Peter Brashaw, 2014 im Guardian: "Francesco Rosi’s Salvatore Giuliano, about the real-life Sicilian bandit and separatist gunned down in 1950, does not render its meaning easily. Revived in cinemas after 52 years, it feels like a neorealist masterpiece about an occult secular martyrdom, whose lead character is only seen as a dead body in some kind of pietà. It is a conspiracy movie and a kind of visionary documentary, using real street scenes, something to be compared perhaps with The Battle of Algiers, or maybe The Gospel According to St Matthew. The film starts with the discovery of Giuliano’s corpse in the baking midday sun. A crowd of onlookers and reporters already start to question where the blood from his bulletholes has gone. Has the body been moved? From here, we flash back and forth from the beginning of the wartime Sicilian independence movement and the recruitment of bandit foot soldiers in the hills, to the eventual trial of Giuliano’s associate Gaspare Pisciotta, accused of massacring a gathering of communists, possibly in league with Giuliano. The movie suggests the bandits were in league with the carabinier, and Sicily’s authorities found it convenient to maintain diplomatic relations with the outlaw mobsters, to whom they outsourced the task of suppressing the Left. Giuliano is neither a hero nor a villain; he is an enigmatic absence at the film’s centre. Rosi endows his gritty reality with a luminous mystery."