Von diversen Orten in Hamburg und Berlin telefonierten sich zusammen: Jö und Kaori als Vorführer, Silke und ABo, Gunnar und Lisa, Sven, Ute und sonst niemand, um: "Tampopo" zu gucken.
Zuerst gedachte ich, "Jagdszenen aus Niederbayern" von Peter Fleischmann zu zeigen. Weil Andreas dann jüngst "Spinal Tap II" genossen hatte und nicht dabei sein würde, erwog ich diesen in Folge des zu Weihnachten gezeigten Originals zu zeigen. Silke wünschte sich aber ein ST-Doppelprogramm und mein Wunsch war doch eher halbherzig. Jūzō Itami kam immer mal wieder in den Gesprächen mit Kaori auf, die seinen letzten Film nicht kannte, weshalb ich "Supermarket Woman" (1996) vorschlug. Gunnar hielt entgegen, doch "Tampopo" (1985) nochmal zu schauen, was ich auch viel besser fand und alle, die den Film kannten, votierten ebenfalls dafür.
Kaori und ich haben dann "Supermarket Woman" am Tag darauf geguckt, ein launiger Film, in dem es ebenfalls viel ums Essen geht, aber ohne die wunderbare Vielseitig und Leichtigkeit von "Tampopo".
Im Anschluss an den Film wurden die unzähligen lustigen Szenen nacherzählt – die allgemeine Begeisterung schien auch 40 Jahre nach Erscheinen des Films ungebrochen.
Itami wurde zuerst als Schauspieler bekannt bevor er zum Filmemacher überwechselte. 1997 stürzte er aus einem Fenster und es wurde spekuliert, ob er zu viel Wissen über Yakuza in seinen Filmen preisgegeben habe, der Selbstmord also fingiert gewesen sei. Aber dieser Film entstand 12 Jahre zuvor. Ohne dass Gangster dabei eine Rolle gespielt hätten. Da schon eher Cowboys.
Goro (Tsutomu Yamazak) und sein Truckerkollege Gun (Ken Watanabe) begegnen der Witwe Tampopo (Nobuko Miyamoto), die erfolglos versucht, das Geschäft des verstorbenen Gatten fortzuführen. Frauen führen aber keine Ramen-Läden und können das naturgemäß auch nicht wirklich gut zubereiten. Also hilft Goro ihr, die jeweiligen Meister der einzelnen Zutaten und diverser Zubereitungsformen zu finden. Gleichzeitig greift die Kamera immer wieder Figuren auf, die einen kurzen schrulligen Zwischenakt einleiten. Einen Mann, der seine sterbende Frau zum Kochen zwingt; eine Alte, die im Supermarkt die (europäischen) Waren mit den Fingern quetscht; Wirtschaftsbosse, die der lateinischen Buchstaben nicht mächtig, ihre Unkenntnis im Edelrestaurant verbergen; und so diverses andere.
So ganz ohne Gangster kommt der Film aber doch nicht aus: Ein Mann in weißem Anzug (Kōji Yakusho) scheint ein merkwürdiger Geselle zu sein, der zwar Chipstüten im Kinosaal nicht duldet aber dafür erotische Spiele mit Lebensmitteln goutiert. Irgendwann wird er erschossen, denkt aber beim Sterben nur an Wildschweininnereien und den letzten Kinofilm des Lebens, der vor den eigenen Augen abspielen soll. Den Schauspieler habt ihr vor 8 Jahren in "Shall we dance" bei Andreas gesehen; wer Wim Wenders' "Perfect Days" mochte, darin spielt er die Hauptrolle. Kaum wieder zu erkennen – 40 Jahre jünger.
Es gibt in "Tampopo" so viele unvergessliche Momente. Die waren bei uns jeweils unterschiedlich gewichtet. Ich habe mich über die Szene mit dem Professor in dem nächsten Bild gefreut, der so zenmäßig die Mahlzeit zu zelebrieren scheint. Stark in Erinnerung aber dann ganz anders jedoch: die Mädchenschule fürs Nudelessen; die obdachlosen Gourmets, die Eingangsszene im Kino mit dem Essen und den Chipstüten.
Eure eigenen Erinnerungen bitte in die Kommentare und folgt diesem Channel. Bis dahin
Jö





1 Kommentar:
Danke für den schönen Eintrag!
Jagdszenen aus Niederbayern haben wir schon im VC gesehen…
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