
Freitag, 16. September 2022
Bande à part (Jean-Luc Godard, 1964)
Aus Anlass des Todes von Jean-Luc Godard haben wir entgegen der VC-Regel in voller Absicht einen Film geguckt, den nicht nur einige von uns schon kannten, sondern der sogar 21 Jahre zuvor schon einmal im VC gezeigt wurde.
Ich war damals begeistert, für mich war und ist es eine der größten und erfreulichsten Entdeckungen, die wir gemeinsam gemacht haben und darum lag es auf der Hand, sich diesen VC-Höhepunkt nach so vielen Jahren noch einmal (und in knackiger, restaurierter 1080p-Fassung statt auf VHS-Kassette) anzugucken.
Weil meine Wohnung derzeit eine Baustelle ist und ich in die Wingst geflüchtet bin, war es eine rein virtuelle Veranstaltung. Anwesend waren, glaube ich, außer mir noch Andreas, Miriam, Larissa, Silke, Abo, Sven, Rene und Tilmann. In der zweiten Telko war ich leider nicht dabei, weil im Schietwetter die Mobilverbindung im abgelegenen Hadeln noch schlechter war als sonst. (Den Film konnte ich gucken, weil ich die Datei mitgenommen hatte.)
Zu meiner Überraschung scheint der Film in seiner zweiten VC-Aufführung keineswegs gut angekommen zu sein. Was es zu meckern gab, tragt doch bitte in den Kommentaren nach. (Nicht einmal Godards Misogynie bietet in diesem Fall eine große Angriffsfläche, es ist mir schleierhaft.)
Ich liebe den Film für seine Leichtigkeit, für seine Verspielt- und Verrücktheit. Vordergründig ist es eine Film-Noir-Hommage, in der drei Nichtsnutze (Anna Karina, Sami Frey und Claude Brasseur) den möglicherweise schlechtest vorbereiteten Raub der Filmgeschichte begehen. Aber der Krimi-Plot, der für Gordard-Verhältnisse erstaunlich stringent bis zu einem tollen Ende durcherzählt wird, gerät immer wieder aus dem Blickfeld, wenn im offenen Simca Week-End durch ein winterliches Paris gebraust und in den Dialogen Tiefsinniges und Triviales dahergequatscht wird, wenn ständig unklar bleibt, wie das Verhältnis zwischen den dreien sich entwickelt und welches Paarkonstellation es am Ende sein wird, wenn auf bekloppte, aber kunstvolle Weise Kanäle überquert werden, wenn "Nouvelle Vague" als Leuchtreklame ins Bild kommt und eine Englischlehrerin voller Inbrunst Romeo und Julia deklamiert. Kleine Absurditäten und Kabinettstücken reihen sich aneinander und zusammengehalten wird alles von einem wunderschönen, melancholischen Score von Michel Legrand (der seltsamerweise niemals auf Tonträger veröffentlicht worden ist). Die formalen Spielereien wirken auch heute – fast 60 Jahre später – so frisch und sinnlich und entzückend, dass ich es kaum glauben kann und mich frage, wie das Kino wohl aussähe, wenn mehr solcher respektlosen, vor Ideen strotzenden Filmemacher*innen in den folgenden Jahrzehnten zum Zug gekommen wären. Allein der Vorspann! Das Standbild-Stakkato, die Typografiespielereien, "Jean-Luc Cinéma Godard". Die ca. dreißigsekündige "Schweigeminute" mit komplett ausgesetzten Ton! Die völlig unvermittelt einsetzende Tanzszene! Das Gerenne durch den Louvre! Mir bleibt der Mund offen stehen und ich grinse debil vor mich hin. Und könnte mir alles gleich noch einmal anschauen. Das ist reines Kinoglück.
Ich war damals begeistert, für mich war und ist es eine der größten und erfreulichsten Entdeckungen, die wir gemeinsam gemacht haben und darum lag es auf der Hand, sich diesen VC-Höhepunkt nach so vielen Jahren noch einmal (und in knackiger, restaurierter 1080p-Fassung statt auf VHS-Kassette) anzugucken.
Weil meine Wohnung derzeit eine Baustelle ist und ich in die Wingst geflüchtet bin, war es eine rein virtuelle Veranstaltung. Anwesend waren, glaube ich, außer mir noch Andreas, Miriam, Larissa, Silke, Abo, Sven, Rene und Tilmann. In der zweiten Telko war ich leider nicht dabei, weil im Schietwetter die Mobilverbindung im abgelegenen Hadeln noch schlechter war als sonst. (Den Film konnte ich gucken, weil ich die Datei mitgenommen hatte.)
Zu meiner Überraschung scheint der Film in seiner zweiten VC-Aufführung keineswegs gut angekommen zu sein. Was es zu meckern gab, tragt doch bitte in den Kommentaren nach. (Nicht einmal Godards Misogynie bietet in diesem Fall eine große Angriffsfläche, es ist mir schleierhaft.)
Ich liebe den Film für seine Leichtigkeit, für seine Verspielt- und Verrücktheit. Vordergründig ist es eine Film-Noir-Hommage, in der drei Nichtsnutze (Anna Karina, Sami Frey und Claude Brasseur) den möglicherweise schlechtest vorbereiteten Raub der Filmgeschichte begehen. Aber der Krimi-Plot, der für Gordard-Verhältnisse erstaunlich stringent bis zu einem tollen Ende durcherzählt wird, gerät immer wieder aus dem Blickfeld, wenn im offenen Simca Week-End durch ein winterliches Paris gebraust und in den Dialogen Tiefsinniges und Triviales dahergequatscht wird, wenn ständig unklar bleibt, wie das Verhältnis zwischen den dreien sich entwickelt und welches Paarkonstellation es am Ende sein wird, wenn auf bekloppte, aber kunstvolle Weise Kanäle überquert werden, wenn "Nouvelle Vague" als Leuchtreklame ins Bild kommt und eine Englischlehrerin voller Inbrunst Romeo und Julia deklamiert. Kleine Absurditäten und Kabinettstücken reihen sich aneinander und zusammengehalten wird alles von einem wunderschönen, melancholischen Score von Michel Legrand (der seltsamerweise niemals auf Tonträger veröffentlicht worden ist). Die formalen Spielereien wirken auch heute – fast 60 Jahre später – so frisch und sinnlich und entzückend, dass ich es kaum glauben kann und mich frage, wie das Kino wohl aussähe, wenn mehr solcher respektlosen, vor Ideen strotzenden Filmemacher*innen in den folgenden Jahrzehnten zum Zug gekommen wären. Allein der Vorspann! Das Standbild-Stakkato, die Typografiespielereien, "Jean-Luc Cinéma Godard". Die ca. dreißigsekündige "Schweigeminute" mit komplett ausgesetzten Ton! Die völlig unvermittelt einsetzende Tanzszene! Das Gerenne durch den Louvre! Mir bleibt der Mund offen stehen und ich grinse debil vor mich hin. Und könnte mir alles gleich noch einmal anschauen. Das ist reines Kinoglück.
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1 Kommentar:
Ich habe heute den Film nachgeholt: wunderbar! Die kurzen Textstellen zur Kamera/zum Publikum. Den Chanson, den Anna K singt. Die ganzen Soundspielereien, der Alltagslärm, der die Dialoge stört, widersprüchliche Sounds zur Szene. Dass Odile quasi von Raymond Queneaus Roman 'Odile' kommt, aus dem Buch mehrfach zitiert wird – offensichtlich und versteckt. Die Slapstickmusik zu Beginn.
Paar Szenen habe ich gleich zweimal geguckt, die Bootkletterei von Odile, die zum Publikum gerichtete Frage, warum, als ihr gesagt wird, sie würden ins Café fahren.
Schöne Auswahl, Gunnar.
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