Freitag, 27. August 2021

Nippon Konchuki (The Insect Woman) (Japan 1963, Shohei Imamura)

The Insect Woman

Um nicht schon wieder einen Ausfall zu erleben, haben wir uns am gestrigen Abend in kleiner Runde getroffen. An den Telefonen und Fernsehgeräten waren Tilmann, Sven, Gunnar, Maren und Gastgeber Rene. 

Auf meiner Wunschliste stand schon seit längerer Zeit ein weiterer Film von Imamura, seit Sven 2020 "Pigs & Battleship" im VC gezeigt hatte. Meine Wahl fiel dann gestern auf "The Insect Woman" wobei der Original-Titel eher sowas wie "insektenkundliche Chroniken Japans" bedeutet.

Erzählt wird die Geschichte von Tome einer Frau, die aus den ärmlichen Verhältnissen einer Bauern-Familie kommt. Zum Inhalt zitiere ich jetzt der Einfachheit einmal die deutsche Wikipedia-Seite.

» Der Film setzt ein im Jahre 1918 in einem japanischen Dorf mit der Geburt der „Heldin“ Tome Matsuki. Einige Aspekte deuten darauf hin, dass es sich bei dem Mädchen wahrscheinlich um ein sogenanntes „Soldatenkind“ handelt, denn die Mutter ist leichtfertig und der gesetzliche Vater etwas trottelig. Die folgenden Szenen zeigen das Mädchen als nur beim „Vater“ schlafende Heranwachsende, als Fabrikarbeiterin und Geliebte ihres Chefs und schließlich als Mutter eines unehelichen Kindes, das nur eine Last für sie bedeutet.

Später, lästig geworden, wird Tome von ihrem Chef mit ein paar tausend Yen abgefunden und aus den Arbeits- und Konkubinenpflichten entlassen. Sie geht allein nach Tokio, führt dort ein karges Leben und wird von einer Dame ihrer Sekte als Freudenmädchen gedungen. Nun ist sie versorgt und kann ihrer im fernen Dorf weilenden Familie, bei der sich auch ihre Tochter Nobuko (Wir kennen sie aus "Pigs & Battleships" und "Onibaba") befindet, Geld schicken.

Im Lauf der Zeit dient sich Tome hoch zur Vertreterin ihrer neuen Vorgesetzten. Als diese wegen illegaler Unzucht ins Gefängnis wandert, macht sich Tome "selbstständig". Jetzt selbst Chefin eines Call-Girl-Ringes beutet sie ihrerseits die Mädchen aus, wie sie einst selbst ausgebeutet wurde. Ein honoriger Geschäftsmann ist ihr Freund, der sie seinerseits kräftig um ihr Geld bringt. Als ihre Ausbeuter-Karriere eines Tages jäh von der Polizei gestoppt wird, sind die guten Jahre wieder vorbei.

Aus dem Gefängnis entlassen, muss sie feststellen, dass sie von ihren Mädchen verlassen worden ist, ihr Geliebter ihr nur noch mit Resten von Anstand eine Unterkunft und eine Stellung als Reinemachefrau verschafft und skrupellos ihre Tochter verführt, die in die Stadt gekommen ist, um von der Mutter Geld für ein landwirtschaftliches Projekt zu leihen.«

Uns hat der Film sehr gut gefallen, beeindruckend fand ich die Sound- und Film-Qualität. Auch die filmischen Mittel waren, für die damalige Zeit einzigartig und spannend eingesetzt. So kommt es während des Films öfter vor, dass die Bilder anhalten, der Ton aber weiterläuft und plötzlich lange Standbilder, wie in einem Foto-Roman, die Geschichte weiter erzählt. Auch der Einsatz von Doku-Material, welche teilweise nur für einige Sekunden verwendet werden, war recht ungewöhnlich ebenso wie die Darstellung von teils expliziten oder brutalen Bildern.

Ebenso erstaunlich ist die permanente Erzählung aus der Sicht von Tome und dass ihre Tochter Nobuko am Ende ihren Zuhälter übers Ohr haut und die eigentliche Gewinnerin in der gesamten Geschichte ist und damit aus dem sich scheinbar immer wiederholenden Kreislauf der Prostitution befreien und ihren Traum eines landwirtschaftlichen Betriebs erfüllen kann, ist dann doch eine wirkliche Überraschung.

Wir sind gespannt auf weitere Imamura-Filme … zu entdecken gibt es noch eine ganze Menge.

1 Kommentar:

x hat gesagt…

Heute endlich zu Ende geschaut. Vor Ewigkeiten mal begonnen aber nun am Stück. Deprimierende Geschichte, großartig erzählt, verstörend die inzestuösen Elemente und Bilder. Die Sterbeszene des alten Chuji besonders. Standbilder als Struktur, offenes Ende.und Jitsuko Yoshimura, Sachiko Hidari, Masumi Harukawa, Tanie Kitabayashi, alle großartig. Jö