Donnerstag, 18. Juni 2009

"Il Sorpasso" (I 1962)

Am 18. Juni 2009 bei Gunnar. Anwesend waren Andreas, Angela, Miriam und Silke, für die letzten zehn Minutern auch noch Stefan.

Da sich sogar Miriam ausnahmsweise nach Eimsbüttel bequemt hatte, konnte Gunnar sein lang gehegtes Vorhaben umsetzen, den Lieblingsfilm von Miriams Schwager, dem berühmten Bernd Eilert, zu zeigen. Der hatte Gunnar seinen Lieblingsfilm einst für die leider (fast) verblichene "Kinoprovinz" verraten, und aus dem Eintrag von damals zitiere ich jetzt der Einfachheit halber. Zunächst Eilerts eloquente Begründung seiner Wahl:

"Ein Film aus dem Jahr 1962: IL SORPASSO – was einen Überholvorgang meint, der sowohl im Straßenverkehr als auch in einem Menschenleben vorkommen kann, das auf der Überholspur geführt wird.
Der Regisseur Dino Risi, der gemeinsam mit Ettore Scola auch das Drehbuch geschrieben hat, erzählt in sonnendurchfluteten Schwarz-Weiß-Bildern die fabelhafte Geschichte zweier junger Männer, die unterschiedlicher kaum sein könnten: die 'Ameise', dargestellt von Jean- Louis Trintignant, wird von der 'Grille' (Vittorio Gassmann) auf eine hochsommerliche Spritztour mitgenommen, die an einem Sonntagmorgen im menschenleeren Rom beginnt und am nächsten Tag mit dem Tod eines der beiden Protagonisten endet. In deren Verlauf sind die beiden, die sich zuvor nie begegnet waren, einander näher gekommen, wobei – ganz anders als in Lafontaines Fabel – die grillenhafte Existenz sich als die attraktivere und lebenswertere erweist – zumindest im Twistzeitalter, das hier ein einziges Mal einen Ausdruck gefunden hat, der seine Banalität überhöht und feiert.
Was mich rührt an diesem Film, ist eben diese unbedingte Bejahung der Sinnlosigkeit unserer Existenz. Denn daraus ergibt sich eine Stillage, die nicht zwischen Komödie und Tragödie liegt, sondern irgendwo darüber oder darunter – je nach Betrachtungsweise.
Dass IL SORPASSO in Deutschland so gut wie unbekannt geblieben ist, mag auch am deutschen Verleihtitel liegen: 'Verliebt in scharfe Kurven'."



Und dann Gunnars Vorab-Einschätzung des Films, deren Optimismus sich gestern Abend als vollkommen berechtigt herausgestellt hat:

"Sieht ein wenig so aus, als wenn Antonioni eine Komödie gedreht hätte. Und was für eine nette Überraschung, ein Lieblingsfilm, von dem ich noch nie gehört habe. Offenbar ein vergessener Schatz, den nicht nur in Deutschland fast keiner kennt. Auf DVD wurde er bislang nur in Italien veröffentlicht, ohne fremdsprachige Untertitel. Aber wer ihn gesehen hat, ist des Lobes voll: Bei imdb gibt es siebzehn Nutzerkommentare, die allesamt reichlichen Gebrauch von Superlativen machen. ("Einer der besten zehn italienischen Filme, die je gemacht wurden", "... die definitive Kombination aus Komödie und Road Movie und einfach ein Wunder: Wie kann ein Film nur so lustig und emotional, leicht und nachdenklich stimmend sein?") Die 1500 Wertungen ergeben eine Durchschnittsnote von 7,8. Seltsam mutet die noch immer gültige FSK-Freigabe an: ab 18."

So viel erst mal für heute. Es ließe sich noch eine Menge erzählen, z. B. von dem tollen Plattenspieler in dem gleichfalls tollen Auto des einen Protagonisten, von dessen spöttischen Bemerkungen über Antonioni-Filme, vom faszinierenden Erzähltempo des Films und vor allem auch von dessen ausgesprochen überraschenden Ende, aber dafür habe ich jetzt leider keine Zeit mehr. Vielleicht mag ja jemand anders übernehmen. (Geschrieben von Andreas)

1 Kommentar:

Miriam hat gesagt…

Wow, ich bin sprachlos (trotz des frechen Eingangssatzes)!