Samstag, 19. April 2008

Ich und du und alle, die wir kennen

Habe dieses Foto der (fast) letzten Szene im weiten Weltweb gefunden, das ich der verehrten VK-Gemeinde schon mal verehren möchte, solange noch kein Bericht des schönen Filmabends bei Gunnar hier zu finden ist (immerhin aber schon die Möglichkeit zum abstimmen – und ich war die erste, juhu!). Verzeiht mein Vorausprechen, das Bildhochladen mach ich Blog-Blödie aus reinen Fortbildungsgründen. Howdie! (Silke)

 

Am 17.4. bei Gunnar, anwesend waren außerdem Angela, Silke, Sven und Stefan. Gesehen haben wir "Ich und du und alle, die wir kennen" von und mit Miranda July von 2005. (filmz, imdb, Filmlexikon) Bewertung: 1,3 (3 Stimmen) Eine Zusammenfassung, der ich und du und alle, die da waren, vermutlich zustimmen würden, aus dem Spiegel:

Kino in Kürze

"Ich und Du und Alle, die wir kennen"

. Das ist die ganze Welt der aufstrebenden jungen Video-Künstlerin Christine, einer luftigen, leicht versponnenen Person, die als Senioren-Betreuerin jobbt und ihr Biotop mit zartem Scharfblick beobachtet, besonders den gestressten Schuhverkäufer Richard (John Hawkes), den ihre Zuneigung kopfscheu macht, und die Teenies aus der Nachbarschaft in ihren experimentellen Erkundungen der Sexualität. Das wortverliebte, wortverspielte Kino-Erstlingswerk (Drehbuch, Regie, Hauptrolle) der amerikanischen Autorin und Performance-Künstlerin Miranda July, 32, ein Mosaik delikater Details, hat auf dem Sundance Festival, in Cannes und anderswo zu Recht Preise gewonnen. Es ist entzückend, vielleicht sogar etwas zu entzückend, aber selten genug kann man einen Film genau dafür loben.

DER SPIEGEL 9/2006 Hier ihre Website und hier ihr Blog zum Film und hier ein anderes Projekt von ihr und hier ihre hübsche Promotion für das Buch und hier das Buch auf englisch und hier auf deutsch und hier ein Wikipediaeintrag über sie. Über das Buch, das übrigens hier Sven zum Geburtstag bekommen hat, von Angela, noch ein Artikel aus dem Spiegel:

Quecksilbrige Sprache 

Miranda July ist Künstlerin, Filmregisseurin - und auch noch eine erstaunliche Erzählerin.

In diesem Text wird manches fehlen. Das Erstaunen über Miranda Julys etwas altmodisches Äußeres, ihre zarte Gestalt, obwohl sie doch eine der eigensinnigsten Künstlerinnen der Gegenwart ist. Es wird nicht von ihrem Film "Me and You and Everyone We Know" die Rede sein, der 2005 in Cannes als bester Debütfilm mit der Caméra d'Or ausgezeichnet wurde. Und sogar ihre Arbeiten als Performance-Künstlerin wird dieser Text völlig unzureichend würdigen.

Denn die Amerikanerin Miranda July, 34, hat auch noch ein Buch geschrieben. Es heißt "Zehn Wahrheiten", enthält 16 Erzählungen, und manche davon sind so unbekümmert gut, dass man meint, so etwas zuvor noch nicht gelesen zu haben. Die Geschichte "Etwas, das nichts braucht" zum Beispiel. "In einer gerechten Welt wären wir Waisen gewesen", lautet der erste Satz. Zwei junge Mädchen verlassen ihre Heimatstadt und ziehen nach Portland. Die Erzählerin ist verliebt in die Freundin, aber die fährt nicht auf sie ab und verlässt sie bald; großer Kummer, Geldnot, die ganze Zeit schon; nachdem die Unglückliche drei Tage durchgeschlafen hat, rafft sie sich auf, bekommt einen Job in einer Peepshow. "Ich dachte darüber nach, was ich besaß. Sie hatte nicht angerufen, sie würde nicht anrufen, ich war alleine, und ich war hier." Sie macht den Job gut, sehr gut, kauft sich ein Negligé, eine Perücke für die Arbeit; bald trifft sie ihre verflossene Freundin wieder, als diese sie mit der Perücke sieht, haben sie leidenschaftlichen Sex; die Haare, die Kopfhaut jucken entsetzlich unter dem künstlichen Haar, aber sie will die Perücke nicht abnehmen; irgendwann rutscht sie ihr im Schlaf vom Kopf, daraufhin ist auch die Freundin schnell wieder verschwunden. July erzählt von Menschen, deren Träume Kapriolen schlagen, während ihr Leben dahintrottet. Sie tut das in einer quecksilbrigen Sprache, die in schönstem Kontrast steht zu ihrer Unerbittlichkeit als Autorin. Denn in welche Sphären der Phantasie die Menschen in diesen Geschichten sich auch träumen, die Autorin July lässt sie nicht aus der unbequemen Wirklichkeit entkommen. CLAUDIA VOIGT

Zehn Wahrheiten. Aus dem Amerikanischen von C. Drechsler und H. Hellmann. Diogenes, Zürich; 272 Seiten; 18,90 Euro.

(zugefügt von Gunnar)

Ja, der Spiegel-Artikel trifft es gut! Unterhaltsam und überraschend wie der Film sind auch Mirandas zahlreiche Websites. Zum Film gibt es auch noch ihren Blog http://mirandajuly.com/me-and-you-blog
Daraus diese Schilderung ihrer ersten Erfahrungen mit Promotion-Auftritten:
"After this I walked into a tent where the official photo call happened. This is a group of about 100 photographers who all take photos at once, shouting out "Miranda!" to get me to look in to their specific lens. I knew about this from Cannes. But one thing I had never figured out was this other thing they yelled: "The sign! The sign! Make the sign!"
What was the sign? Did they mean the ))<>((? But how do you make that sign? How was I to indicate poop going back and forth forever?
And then suddenly it hit me: Wave. I tentatively put my hand in the air and the 100 photographers roared in gratitude. Later I wondered if perhaps there is some unwritten code about waving, like maybe the really classy stars don’t wave, but the US Weekly stars who court the press do wave, and in waving kind of pledge their life to the paparazzi. Maybe I had unwittingly crossed some sort of line. This is the kind of thing one worries about while doing a press tour alone in a foreign country, and then when one rejoins one’s actual life, surrounded by friends and sleep and normal food, one wonders if one wasn’t high to have be thinking about such things." (zugefügt von Angela)  
 
Vorab gab es einen animierten Klassiker vom einzigartigen Norman McLaren: "A Chairy Tale". Vor ein paar Jahren haben wir als Vorfilm schon einmal Neighbours gesehen:  (zugefügt von Gunnar)

9 Kommentare:

Silke hat gesagt…
Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.
Silke hat gesagt…

Hmmm, und wie kann ich jetzt wohl meine peinlichen Rechtschreibfehler im Postdings korrigieren?
Damit auch herzliche Grüße über den Teich an VK-Godfather Andreas, der ja nicht enttäuscht werden soll, wenn er das nächste Mal nachguckt, was wir wohl in seiner Abwesenheit so treiben, und dann schlicht nichts vorfindet.

Gunnar hat gesagt…

Vielen Dank für das Vorpreschen! Schreibst Du noch was zum Film und wie er ankam? Büddebüdde?

Gunnar hat gesagt…

Oder machst Du das, Angela? Du hast ja schon was vorbereitet, habe ich gerade gesehen.

Silke hat gesagt…

Das "Büddebüdde" ist ja nahezu "Irresistable", wie Stephanie von Monaco singen würde. Leider weiß ich noch nicht einmal, wie ich an den Post nochmal rankomme. Und bin eh zu spät, wie ich sehe. Toller Film. An alle anderen: Nachholen! War auch aus feministischer Sicht nix zu meckern (darauf bin ich jetzt wohl abonniert, grrr).

Gunnar hat gesagt…

Angela, vielen Dank, ich hoffe es ist in Ordnung, dass dein Beitrag dem vorhandenen Eintrag zum Film zugefügt wurde. Frau July wird mir auch durch solche kleinen Selbstbeobachtungen wie im Text von der Pressetour immer sympatischer. Ich habe mir jetzt auch das Buch besorgt, bin gespannt.

Andreas hat gesagt…

Hm, da haben wir wohl was verpasst. Dafür durften wir immerhin dem Reverend Al Green zwei Stunden lang beim Predigen und Singen zugucken. Hat zwar mit Film nichts zu tun, war aber trotzdem toll.
Beste Grüße aus North Carolina von Andreas und Tish

Gunnar hat gesagt…

Mit nichts kannst Du mich neidischer machen.

Andreas hat gesagt…

13 Jahre später: Katrin und ich haben den Film vor kurzem auch endlich mal geguckt und waren angemessen begeistert. Schade, dass der Anlass für die Nachholaktion, nämlich Miranda Julys dritter Film "Kajillionaire", mich weit weniger angesprochen hat.