Habe dieses Foto der (fast) letzten Szene im weiten Weltweb gefunden, das ich der verehrten VK-Gemeinde schon mal verehren möchte, solange noch kein Bericht des schönen Filmabends bei Gunnar hier zu finden ist (immerhin aber schon die Möglichkeit zum abstimmen – und ich war die erste, juhu!). Verzeiht mein Vorausprechen, das Bildhochladen mach ich Blog-Blödie aus reinen Fortbildungsgründen. Howdie! (Silke)
Am 17.4. bei Gunnar, anwesend waren außerdem Angela, Silke, Sven und Stefan. Gesehen haben wir "Ich und du und alle, die wir kennen" von und mit Miranda July von 2005. (filmz, imdb, Filmlexikon) Bewertung: 1,3 (3 Stimmen) Eine Zusammenfassung, der ich und du und alle, die da waren, vermutlich zustimmen würden, aus dem Spiegel:
Kino in Kürze
"Ich und Du und Alle, die wir kennen"
. Das ist die ganze Welt der aufstrebenden jungen Video-Künstlerin Christine, einer luftigen, leicht versponnenen Person, die als Senioren-Betreuerin jobbt und ihr Biotop mit zartem Scharfblick beobachtet, besonders den gestressten Schuhverkäufer Richard (John Hawkes), den ihre Zuneigung kopfscheu macht, und die Teenies aus der Nachbarschaft in ihren experimentellen Erkundungen der Sexualität. Das wortverliebte, wortverspielte Kino-Erstlingswerk (Drehbuch, Regie, Hauptrolle) der amerikanischen Autorin und Performance-Künstlerin Miranda July, 32, ein Mosaik delikater Details, hat auf dem Sundance Festival, in Cannes und anderswo zu Recht Preise gewonnen. Es ist entzückend, vielleicht sogar etwas zu entzückend, aber selten genug kann man einen Film genau dafür loben.
Quecksilbrige Sprache
In diesem Text wird manches fehlen. Das Erstaunen über Miranda Julys etwas altmodisches Äußeres, ihre zarte Gestalt, obwohl sie doch eine der eigensinnigsten Künstlerinnen der Gegenwart ist. Es wird nicht von ihrem Film "Me and You and Everyone We Know" die Rede sein, der 2005 in Cannes als bester Debütfilm mit der Caméra d'Or ausgezeichnet wurde. Und sogar ihre Arbeiten als Performance-Künstlerin wird dieser Text völlig unzureichend würdigen.
Denn die Amerikanerin Miranda July, 34, hat auch noch ein Buch geschrieben. Es heißt "Zehn Wahrheiten", enthält 16 Erzählungen, und manche davon sind so unbekümmert gut, dass man meint, so etwas zuvor noch nicht gelesen zu haben. Die Geschichte "Etwas, das nichts braucht" zum Beispiel. "In einer gerechten Welt wären wir Waisen gewesen", lautet der erste Satz. Zwei junge Mädchen verlassen ihre Heimatstadt und ziehen nach Portland. Die Erzählerin ist verliebt in die Freundin, aber die fährt nicht auf sie ab und verlässt sie bald; großer Kummer, Geldnot, die ganze Zeit schon; nachdem die Unglückliche drei Tage durchgeschlafen hat, rafft sie sich auf, bekommt einen Job in einer Peepshow. "Ich dachte darüber nach, was ich besaß. Sie hatte nicht angerufen, sie würde nicht anrufen, ich war alleine, und ich war hier." Sie macht den Job gut, sehr gut, kauft sich ein Negligé, eine Perücke für die Arbeit; bald trifft sie ihre verflossene Freundin wieder, als diese sie mit der Perücke sieht, haben sie leidenschaftlichen Sex; die Haare, die Kopfhaut jucken entsetzlich unter dem künstlichen Haar, aber sie will die Perücke nicht abnehmen; irgendwann rutscht sie ihr im Schlaf vom Kopf, daraufhin ist auch die Freundin schnell wieder verschwunden. July erzählt von Menschen, deren Träume Kapriolen schlagen, während ihr Leben dahintrottet. Sie tut das in einer quecksilbrigen Sprache, die in schönstem Kontrast steht zu ihrer Unerbittlichkeit als Autorin. Denn in welche Sphären der Phantasie die Menschen in diesen Geschichten sich auch träumen, die Autorin July lässt sie nicht aus der unbequemen Wirklichkeit entkommen. CLAUDIA VOIGT
Zehn Wahrheiten. Aus dem Amerikanischen von C. Drechsler und H. Hellmann. Diogenes, Zürich; 272 Seiten; 18,90 Euro.
(zugefügt von Gunnar)
9 Kommentare:
Hmmm, und wie kann ich jetzt wohl meine peinlichen Rechtschreibfehler im Postdings korrigieren?
Damit auch herzliche Grüße über den Teich an VK-Godfather Andreas, der ja nicht enttäuscht werden soll, wenn er das nächste Mal nachguckt, was wir wohl in seiner Abwesenheit so treiben, und dann schlicht nichts vorfindet.
Vielen Dank für das Vorpreschen! Schreibst Du noch was zum Film und wie er ankam? Büddebüdde?
Oder machst Du das, Angela? Du hast ja schon was vorbereitet, habe ich gerade gesehen.
Das "Büddebüdde" ist ja nahezu "Irresistable", wie Stephanie von Monaco singen würde. Leider weiß ich noch nicht einmal, wie ich an den Post nochmal rankomme. Und bin eh zu spät, wie ich sehe. Toller Film. An alle anderen: Nachholen! War auch aus feministischer Sicht nix zu meckern (darauf bin ich jetzt wohl abonniert, grrr).
Angela, vielen Dank, ich hoffe es ist in Ordnung, dass dein Beitrag dem vorhandenen Eintrag zum Film zugefügt wurde. Frau July wird mir auch durch solche kleinen Selbstbeobachtungen wie im Text von der Pressetour immer sympatischer. Ich habe mir jetzt auch das Buch besorgt, bin gespannt.
Hm, da haben wir wohl was verpasst. Dafür durften wir immerhin dem Reverend Al Green zwei Stunden lang beim Predigen und Singen zugucken. Hat zwar mit Film nichts zu tun, war aber trotzdem toll.
Beste Grüße aus North Carolina von Andreas und Tish
Mit nichts kannst Du mich neidischer machen.
13 Jahre später: Katrin und ich haben den Film vor kurzem auch endlich mal geguckt und waren angemessen begeistert. Schade, dass der Anlass für die Nachholaktion, nämlich Miranda Julys dritter Film "Kajillionaire", mich weit weniger angesprochen hat.
Kommentar veröffentlichen